Die Wahrheit hinter den Sport-Mythen
Wer seinen Fettpölsterchen und seiner Zellulitis mit Sportdrinks und Fitnessriegeln den Kampf ansagen will, ist auf dem Holzweg. Genauso wie jene, die mit Bewegung alleine abnehmen wollen. In unserem Sport-Alltag begegnen wir immer wieder kuriosen Trainings-Empfehlungen. Experten decken gemeinsam mit dem KURIER die zehn klassischen Fitness-Lügen auf.
Muskelkater ist der Beweis für optimales Training.
Stimmt nicht. Ganz im Gegenteil: "Muskelkater ist der schmerzhafte Beweis dafür, dass man es mit dem Training übertrieben hat", erklärt Michael Prang in seinem Buch "Die 77 größten Fitness-Irrtümer". "Denn er entsteht, wenn hohe oder ungewohnte Belastungen gesetzt werden", ergänzt Univ.-Prof. Norbert Bachl, Direktor des Instituts für Sportmedizin.
Ein kleiner Trost: Auch Profisportler bleiben nicht vom Muskelkater verschont - vor allem, wenn sie ungewohnte Belastungen eingehen. Was hilft dagegen? Am besten schonen oder nur leichte Bewegungen. Manche schwören auch auf Eispackungen - oder umgekehrt: auf wärmende Salben oder heiße Bäder, etwa mit Rosmarin.
Sportdrinks sind besser als Mineralwasser.
"Das behaupten höchstens die Hersteller solcher Getränke", meint Prang. Sie sind gesundheitlich zwar nicht bedenklich, aber der zusätzliche Nutzen ist auch sehr fraglich. Den Zweck erfüllt auch normales Wasser oder gespritzter Fruchtsaft.
Bachl ergänzt: "Mineralwasser ist ebenfalls nicht gut, weil es Kohlensäure enthält und diese ist schlecht für Sporttreibende." Außerdem seien Sportdrinks oft kontraproduktiv, weil man mit ihnen meist mehr Kalorien aufnimmt als man beim Training verliert. Und das ist ja wohl nicht Zweck der Übung.
Nordic Walking schont die Gelenke.
Auch das ist eine Fehlannahme. "Beim technisch korrekt ausgeführten Nordic Walking werden mehr als zwei Drittel der gesamten Muskulatur des Körpers genutzt - und damit die Gelenke erheblich beansprucht", erklärt Prang. In Summe sei Nordic Walking für die Gelenke sogar härter als Joggen. Wer seine Gelenke schonen will, achtet daher besser auf das richtige Schuhwerk und auf die korrekte Lauftechnik.
Etwas anders sieht das der Sportmediziner Bachl - seiner Meinung nach ist die Gehbelastung beim Laufen wesentlich höher als beim Nordic Walking. "Wenn jemand bereits geschädigte Gelenke hat, dann raten wir jedoch generell zu Sportarten, bei denen das Körpergewicht nicht getragen werden muss - wie beim Schwimmen, Radfahren oder auch beim Rudern."
Sport verhindert
Zellulitis.
Leider auch falsch. Die Orangenhaut, die meist an Oberschenkeln, Hüften und Po auftritt, ist nämlich vom genetischen Aufbau der Haut und des Bindegewebes abhängig. Grundsätzlich gilt aber: "Alles, was Übergewicht abbaut und zudem das Bindegewebe bzw. die Hautdurchblutung stärkt, kann Zellulitis mildern, aber nie ganz verhindern", sind sich die Experten einig. Dazu gehört Sport - von Radfahren bis zur Gymnastik - aber auch regelmäßige Kalt-warm-Duschen helfen.
Radfahren macht Männer impotent.
Hier können begeisterte Radler aufatmen. "Das kann man so mit Sicherheit nicht sagen, wenn es sich um Hobby-Radfahrer handelt. Das Risiko ist hingegen für die Profi-Radfahrer gegeben", meint dazu Bachl. "Nur Radfahrer, die in der Woche mindestens 500 Kilometer auf einem harten Fahrradsattel zurücklegen, müssen statistisch gesehen mit einer zeitweiligen Impotenz rechnen", erklärt Prang. Blutgefäße und Nervenbahnen können gequetscht werden, müssen aber nicht. Dagegen hilft ein weicher Sattel und bei langen Touren alle 30 Minuten ein paar Kilometer stehend fahren.
Yoga ist kein Sport.
Die fernöstliche Praktik ist zwar als Weg zur Entspannung gedacht, aber keineswegs eine verschlafene Angelegenheit. Ernsthaft betriebenes und professionell angeleitetes Yoga wirkt nicht nur auf die Seele, sondern regt auch die Fettverbrennung an und strafft die Körperkonturen.
"Es ist eine Belastungsform, bei der wesentliche Atemübungen mit bestimmten Körperpositionen kombiniert werden, die für Muskulatur und Bindegewebe positiv sind", erklärt Bachl. "Yoga ist kein klassischer Sport, aber eine Form der Meditation, die auch Belastungen auf die Muskulatur und Gelenkigkeit setzen."
Sport macht schlank.
So einfach lässt sich das leider nicht sagen: "Es kommt beim Abnehmen nun einmal darauf an, dassman mehr Kalorien verbraucht als man mit der Nahrung zu sich nimmt", erklären die Sport-Experten unisono. Bachl führt eine einfache Rechnung an: "Wer täglich 250 Kalorien weniger zuführt und gleichzeitig 250 Kalorien verbrennt, nimmt innerhalb einer Woche ein halbes Kilo ab." Das Problem: Der Körper legt für schlechte Zeiten Reserven an, die er nicht mehr so leicht wieder hergeben will. "Ein einmal erreichtes Gewicht verteidigt er deshalb durch die Zunahme des Appetits - was einer der Gründe ist, warum Sportprogramme für Übergewichtige oft nur wenig Erfolg zeigen", meint Prang.
Mit einer Pulsuhr joggt man gesünder.
Auch diese Aussage stimmt nur bedingt. Die Pulskontrolle beim Joggen soll eine Leistungssteigerung ermöglichen, ohne sich dabei zu überfordern. Bachl hält die Pulsuhr da für sinnvoll, wo Vorerkrankungen bestehen, bei denen bestimmte Pulsfrequenzen nicht überschritten werden sollen. Doch laut Prang ist die gängige Formel, nach der der Maximalpuls berechnet wird, gänzlich ungeeignet - viele würden dazu verleitet, in einem nicht optimalen Bereich zu laufen. Prang setzt daher lieber auf das alte Motto: "Laufen ohne zu schnaufen".
Fitnessriegel machen fit.
Ganz im Gegenteil: Prang sieht hier in der Regel nur clever verpackte Süßigkeiten, die eher dick als fit machen. "Die Riegel können zwar dazu beitragen sich gesund zu ernähren, aber sie machen nicht per se fit", sagt Bachl. "Ohne körperliches Training erreicht man nichts. Wer nur ein bisschen spazieren geht und dabei zwei Riegel in sich hineinstopft, nimmt wohl eher mehr Kalorien zu sich als er verbraucht."
Problemzonen können gezielt wegtrainiert werden.
Bauch-Beine-Po-Training schön und gut - schlanker wird davon aber keiner. Denn Fett kann nicht gezielt an bestimmten Körperstellen abgebaut werden. "Allerdings wird durch eine Verbesserung der Muskulatur eine gewisse Verringerung des subkutanen Fettes an der Region erreicht", meint Bachl. Wichtiger Nebensatz: "Jedoch nur, wenn ich mich auch mit der Ernährung zurückhalte."
Buchtipp: "Die 77 größten Fitness-Irrtümer" von
Michael Prang. Erschienen in der Beck'schen Reihe um 8,99 €.
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