Second-Screening als Filter-App

Unsere tägliche Begleiterscheinung zum Fernsehabend des Vortages. Diesmal: Second Screening zum Ludwigshafener Tatort.
Karl Peternel-Oberascher
Eine Frau telefoniert vor einem Zirkus.

Der Blick aufs Smartphone lohnt. Egal, wie langweilig der " Tatort" vor sich hindämmert.

von Karl Oberascher

über den Ludwigshafener Tatort

Schaltet den Fernseher aus, der Zirkus kommt!" (Spiegel online), "Sowas von 80er-Jahre" oder "Die Geschichte ist lahm, das Ende kitschig." (Welt.de). Und als Resümee: "Tödlich ist hier vor allem die Langeweile." (FAZ). Wer gestern auf der Suche nach einem ordentlichen Hauptabendprogramm war, hätte den Ludwigshafener Tatort eigentlich meiden müssen. Solche verheerenden Kritiken bekommt in Deutschland sonst nur noch Markus Lanz - und das gnädigerweise (und naturgemäß) immer erst im Nachhinein.

Das Problem am gestrigen Abend: Das andere Programm war auch nicht besser. Sicher, wir hätten uns für Sie das Willkommens-Treffen von "Ich bin ein Star - holt mich hier raus!" anschauen können. Aber bei aller (durch und durch ernst gemeinten) Liebe für das Dschungelcamp: Mir stehen die Maden bis zum Hals, mich ekelt's.

Also blieb es beim sonntäglichen Ritual, schließlich feierte der Tatort mit "Zirkuskind" auch so etwas wie ein Jubiläum: In der 900. Folge ermittelten Lena Odenthal ( Ulrike Folkerts) und ihr Kollege Mario Kopper (Andreas Hoppe) in einem Mordfall im Familienzirkus "Burani". Langsam (zu langsam) wurde klar, dass der ermordete Mitarbeiter den Zirkus dazu benutzte, Antiquitäten von Nordafrika nach Deutschland zu schmuggeln. Gemeinsam mit der Tochter der Zirkuspatriarchin (nennt man das so?) Elisabeth Winkler (Steffi Kühnert) hatte er sich damit ein besseres Leben erträumt. Der Mutter gefiel das natürlich gar nicht und - jetzt können wir's ja verraten, oder? - griff zur Tatwaffe. Soweit zur Handlung.

Darum ging es mir gestern aber gar nicht. Denn natürlich sollten die Kollegen aus Deutschland recht behalten. Der "Tatort" war wirklich sterbenslangweilig. Langatmig, dazu noch ungenau erzählt, mit ärgerlichen Regiefehlern (Wer beschattet jemanden mit 5 Metern Abstand?) und dummen Schnitten obendrein.

Unterhaltung konnte da nur noch der Blick aufs Smartphone verschaffen. Auf Twitter kann die Tatort-Fangemeinde auch aus der größten Not eine Tugend machen:

Oder man erfuhr interessante Details zum Cast:

Oder, und das war dann mein persönliches Highlight gestern Abend: Man erfährt, wo es die Garderobe der Tatort-Stars zum Nachkaufen gibt: tatortstyle.tumblr.com

FAZIT: Traurig, dass der Ludwigshafener Tatort nur über den Second-Screening-Filter ertragbar war. Und trotzdem: Der Blick aufs Smartphone lohnt.

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