Brüder in Mordslaune

Franz und Karl sind auf Raubzug. Natürlich gegen ihre Eltern. Ewald Palmetshofers neues Stück am Akademietheater.
Auf einer Bühne ist eine Frau in einem Rollstuhl zu sehen, während zwei Männer im Anzug zusehen.

Zwei Klassiker hat er schon überschrieben. Die hießen bei ihm „hamlet ist tot. keine schwerkraft“ und „faust hat hunger und verschluckt sich an einer grete“. Nun nahm er sich Schillers „Räuber“ vor. Auf die ihm eigene Art.

Ewald Palmetshofer, Österreichs begnadetster Jungdramatiker, entdeckt und gefördert vom Wiener Schauspielhauschef Andreas Beck, ist am Akademietheater angekommen. Und hatte davor, wie er im Interview sagte, „schon ein wenig Schiss“.

„räuber.schuldengenital“ heißt das neue Stück des 34-jährigen Mühlviertlers, das Regisseur Stephan Kimmig zur Uraufführung brachte. Inhalt: der schon im Scheitern begriffene Generationenvertrag.

Generation No Future

Die Räuber Franz und Karl wollen das Erbe ihrer Eltern also bereits zu deren Lebzeiten antreten. Eine zukünftige Generation ohne Zukunftsaussichten will abringen, abpressen, stehlen, so lange es noch was zu holen gibt – von denen, deren Pensionen fix sind und es mit Alterssex feiern. Schließlich ist es die Schuld ihres Genitals, dass sich die Jungen durch die Welt plagen müssen.

Das Wort „Schuld“ verbindet Palmetshofers Textelemente wie ein Scharnier.

Denn da ist noch Petra, die ihre im Rollstuhl sitzende Mutter pflegt. Die Schuld der Kinder fürs Geborenwerden, von der Eltern gern glauben, dass sie ein Leben lang abzutragen sei.

Sprach- und Sozialphilosoph Palmetshofer, ehemals Theologiestudent und auf diesem Wege Atheist geworden, vergisst nicht auf Schiller. Zwar ist Petra keine Amalia, sondern geht am Schluss mit den Brüdern weg. Zwar ist der Wald ein Autobahnrastplatz. Doch Mord und Totschlag und brennende Häuser gibt’s im Überfluss.

Stephan Kimmig (Bühnenbildner: Oliver Helf) inszeniert auf drei Ebenen: Unten gibt’s Gestrüpp, in dem Petra, diese aufsässige Raupe, aufs Schmetterlingsdasein wartet.

Impressionen des Stückes

Ein Mann und eine Frau tanzen auf einer Bühne vor einem dunklen Hintergrund.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Eine Szene aus einem Theaterstück mit fünf Schauspielern um einen Tisch.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Auf einer Bühne gießt ein Mann mit Brille und Anzug Flüssigkeit auf eine unter einem Tuch liegende Person.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Zwei Männer stehen auf einer Bühne vor einer großen Leinwand mit einer dunklen Projektion.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Auf einer Bühne ist eine Frau in einem Rollstuhl zu sehen, während zwei Männer im Anzug zusehen.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Eine Frau trägt eine andere Frau in ihren Armen vor einem dunklen Hintergrund mit Sternen.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Eine Gruppe von Menschen feiert mit Champagner auf einer Bühne.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Auf einer Bühne sitzen und liegen drei Schauspieler auf einer Bank.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Eine ältere Frau im Bademantel steht hinter einem lachenden Mann und hält seine Kopf in den Händen.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Szene aus einem Theaterstück mit drei Schauspielern in emotionaler Interaktion.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE
Auf einer Bühne hängt ein Mann an einem Metallgerüst, während ein anderer hockt und zusieht.

FOTOPROBE: "RÄUBER.SCHULDENGENITAL" IM AKADEMIETHE

Alle gegen alle

Oben amüsieren, drangsalieren, massakrieren einander Jung und Alt. Auf eine Leinwand werden Emotionen, Wut, Angst, die in den Gesichtern arbeiten, projiziert.

Das Ensemble ist herausragend gut. Sarah Viktoria Frick als Petra und Martin Schwab als notgeiler „alter Moor“ Otto nutzen ihre Chance, völlig andere Rollen zu gestalten, als man von ihnen gewohnt ist. Die alte Generation um Otto wird ergänzt durch Barbara Petritsch als seine Frau und die böse Rollstuhlfahrerin Therese Affolter. Michael König gibt den Geldbriefträger.

Philipp Hauß ist als Karl ein charismatischer Rebell gegen das Establishment, Christoph Lusers Franz (mit Springmesser) einfach nur durchgeknallt hinterfotzig.

Ein wichtiges Thema, unkonventionell aufbereitet.

KURIER-Wertung: **** von *****

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