Vor Evakuierung der Disco wurde noch abkassiert
In einer offiziellen Stellungnahme bedankten sich die Betreiber des Praterdomes für das vorbildliche Verhalten der Besucher. Auch auf die "überkorrekte Erfüllung der Sicherheitsmaßnahmen", wie es der Pressesprecher der Disco dem KURIER gegenüber formulierte, wurde hingewiesen. Bei dem Vorfall in der Nacht auf Sonntag gab es aber auch mehr als 1600 Zeugen, von denen viele die Situation ganz anders erlebten.
"Ich finde es komisch, wie der Vorfall dargestellt wurde. Es ist nämlich nicht alles so reibungslos abgelaufen, wie dargestellt", erzählt Tanja S. Die 21 Jahre alte Linzerin ist Lehramtsstudentin und war für einen Wochenendausflug in die Hauptstadt gekommen. Am Samstag stand ein Besuch in der Großraumdisco auf dem Programm.
"Wir wollten raus"
Da sie in der Nähe des Eingangsbereichs waren, dauerte es nur kurz bis zur Tür. Zunächst wollte sie die Dame an der Kassa nicht gehen lassen. "Wir hatten die Rechnung noch nicht bezahlt, und die Frau wollte noch kassieren", erzählt die Zeugin. Erst als immer mehr Besucher aus der Diskothek stürmten, ließ sie die Angestellte passieren. "Alle haben gehustet und waren panisch! Es hat sich angefühlt als wären kleine Kristalle in meinem Hals. Als wir draußen mit anderen gesprochen haben, sagten sie, dass es sogar in den Bereichen der Disco zu spüren war, die weit weg von der Tanzfläche liegen", sagt Tanja im KURIER-Interview.
Nun stellt sich die Frage, wie sich der Spray in so einem großen Bereich ausbreiten konnte. Laut Betreiber werden alle Anlagen regelmäßig überprüft. Auch die 16 Notausgänge sind in Ordnung. Die polizeilichen Ermittlungen laufen. Eine außerordentliche Kontrolle der Lüftung ist aber nicht angesetzt.
Als "vorbildlich" lobte die Wiener Polizei die Evakuierung des Praterdome in der Nacht auf Sonntag. Doch im Netz hagelt es Kritik. Wie berichtet, soll ein Gast Pfefferspray versprüht haben. Panik brach aus. Zumindest 37 Personen mussten ärztlich versorgt werden. Und in sozialen Medien wächst der Unmut.
Vorwürfe gegen die Betreiber werden laut. "Diese Vorwürfe weisen wir zurück", sagt Praterdome-Sprecher Christoph Gitscher. Und weil man sehr an der Klärung des Vorfalles interessiert sei, wurde nun eine Belohnung über 5000 Euro ausgesetzt, die zur Überführung des Übeltäters führt.
1600 Besucher waren in der größten Disco des Landes, als auf der großen Tanzfläche plötzlich alle nach Luft schnappten. Die Besucher konnten nichts mehr sehen, die Augen brannten. "Innerhalb von acht bis zehn Minuten war das komplette Gebäude evakuiert", erklärt Gitscher. "Die Notausgänge waren natürlich geöffnet. Ein Teil der Gäste ist etwa über den Ausgang Ausstellungsstraße nach draußen gebracht worden", erklärt er. Die Sicherheitsleute hätten ihr Bestmögliches geleistet. "Dass jetzt solche Vorwürfe kommen, macht uns betroffen." Wer Zweifel habe, könne sich gerne persönlich davon überzeugen, dass die Notausgänge stets geöffnet werden können. Außerdem würden derartige Szenarien laufend geprobt.
Ab Donnerstag ist die Disco wieder geöffnet. Durch den Vorfall sei man sensibilisiert. "Aber wenn jemand unbedingt Pfefferspray reinschmuggeln will, dann werden sich selbst erfahrene Mitarbeiter schwer tun."
Wie berichtet, wurde kurzfristig ein 22-Jähriger festgenommen. Er erklärte vor Ort, die Attacke verursacht zu haben – wenig später soll das aber nur ein Scherz gewesen sein. Hinweise: 01/31310-62800.
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