Zum Wochenende Törggelen in Südtirol

"Suser" und "Kescht'n" in der Herbstsonne gibt es rund ums Eisacktal, aber auch sonst überall, wo Wein und Ess-Kastanien wachsen.

Übers Wochenende zum Törggelen

Törggelen ist ein Brauch, den es eigentlich nur in Südtirol gibt. Das hat unter anderem auch sprachliche Gründe. Ein Happen Bildung, bevor wir zum Glas greifen: Törggelen ist nicht etwa eine lautverschobene, südalpine Ableitung des Torkelns aus der Buschenschank, wenn man zu tief ins Fass geschaut hat. Der Name des Brauchs leitet sich von der Torggel (lat.: "torquere" - pressen, drehen usw.) ab, der Traubenpresse im Kelterraum. Das Wort (lat.) "Torculum" heißt so viel wie Kelter - auf südtirolerisch "Torggl". Wenn die Tage kürzer werden und die Freibäder auch rund um Bozen schließen, sucht man Trost in den Bergen und findet schöne Plätze in spätherbstlicher Sonne. Passenderweise ist um diese Zeit nicht nur der Saft der Weintrauben reif für die Lese, sondern auch die Esskastanien für die Ernte. Junger Wein ohne Kastanien geht nämlich in Südtirol nicht. Früher war das Törggelen ein Ritus, der während oder nach der Weinlese als eine Art von Dankbarkeitsgeste betrachtet wurde. Dankbarkeit nicht gegenüber dem Weingott Bacchus und es wurden auch keine Winzerköniginnen geopfert, sondern Dankbarkeit gegenüber den Partnern im Weinhandel, gegenüber den Mitarbeitern bei der Lese, oder den Besitzern des Landes, auf dem die Bauern den Wein pflanzten. Vielleicht noch ein paar lokale Ausdrücke, damit Sie sich in der Törggelen-Sprache auskennen: Suser nennen die Weinbauern zärtlich den Most, der schon kurz nach der Ernte verkostet und getrunken wird. Die Ernte begann übrigens heuer ziemlich früh – wie teilweise auch in Österreich oder im Chiantigebiet, der Klimawandel macht sich auch da bemerkbar. Suser hat einen Alkoholanteil von maximal 1%. Mehr drin ist dann, wenn der Wein noch kein Wein ist, aber als "Nuem" mit 7% Alkohol und mehr eingeschenkt wird. Im Deutschen sagt man zu Susem oder Nuem auch "Federweißer". Aus einem liebenswerten Brauch ist dann mit der Zeit allerdings eine der touristischen Abzocke zugewandte Industrie geworden. Törggelen gibt es überall, wo Reisebusse hinfinden. Franz Lageder, Sommelier im Hotel Gardena in St.Ulrich im Grödnertal (1 Michelinstern, 3 Gault-Millau-Hauben sowie eine exzellente Halbpension) sagt zu den Qualitätsunterschieden bei den Höfen und Buschenschanken prosaisch: "Da gibt es eben, wie bei den Hotels, gute und weniger gute." Zentren der Törggelenkultur sind die Dörfer Vilanders oder Laien Ried, wo der Brauch schon einige Jahre am Buckel hat. Wer es mit der Tradition des Törggelen ernst meint, wird nie eine Buschenschank mit Sandalen oder Stöckelschuhen aufsuchen. Törggelen und herbstliche Wanderungen im Mittelgebirge sind nämlich nahe Verwandte. Besonders im und rund um das Eisacktal hält man ein wenig Bewegung dem Hunger und dem Durst für zuträglich. Als Hauptgericht gab es früher hauptsächlich Speck und Kaminwurzen oder so genannte einfache Gerichte aus der Bauernküche Südtirols. Heute werden meist deftige Schlachtplatten mit Surfleisch, Sauerkraut, diversen Würsten (Blut- und Hauswurst), Knödeln, Schlutzkrapfen u. a. serviert. Wie es in Wien oder der Steiermark mit Heurigen und Buschenschank ist, hat auch jeder Südtiroler seinen Geheimtipp, den er nur unter Folter preisgeben will. Franz Lageder verriet uns auch ohne Gewaltandrohung zwei Orte, wo es authentisches Törggelen ohne Schnickschnack gibt. Buschenschank/Törggelestube Putzerhof 

Geöffnet von Anfang September bis März. Ab Dezember bis März warme Speisen auf Vorbestellung.
Der Buschenschank ist in der großzügigen, getäfelten Stube des Hofes eingerichtet.

39040 Lajen Ried, 127 
Tel.: 39 0471 655785 
Fax: 39 0471 653023 Klinglerhof

Hier wird das Törggelen im kleinen Stil betrieben. Hausgemachte Produkte kommen auf den Tisch. Der Ausblick aufs Eisacktal soll gewaltig sein. 

Sauders 47
39040 Vilanders
Tel. +39-0472- 843408
(KURIER.at) Erstellt am
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