Genuss
20.08.2018

Washington: Warum Donald Trump nie in einem Restaurant isst

Während Vorgänger wie Obama die kulinarische Vielfalt der Stadt genossen, isst der aktuelle US-Präsident lieber in seinem Hotel.

Der Kontrast zwischen dem früheren US-Präsidenten Barack Obama und Amtsinhaber Donald Trump könnte kaum größer sein. Das gilt für alle möglichen Bereiche: Für ihre Politik, ihr Auftreten, ihre Persönlichkeit - und nicht zuletzt für ihre gastronomische Experimentierfreudigkeit.

Obama ließ sich in seiner Amtszeit häufiger in den hippen Restaurants, Fast-Food-Lokalen und Eissalons Washingtons blicken. Von Trump hingegen sind kulinarische Exkursionen in der Hauptstadt bisher nicht bekannt. Wenn er überhaupt auswärts isst, dann in seinem eigenen Hotel.

Weißes Haus ist "bestes Restaurant"

Am liebsten diniere er im Weißen Haus oder im "Trump International Hotel", erzählte Trump einmal in einem Radiointerview. "Ich liebe das Essen im Weißen Haus", schwärmte Trump. "Das Weiße Haus ist das beste Restaurant, es ist das schönste." Und das beste Steak in der Stadt gibt es seiner Ansicht nach in seinem Hotel, zu dem er es nicht weit hat: Es liegt ganz in der Nähe des Weißen Hauses.

Trump sagte dem Moderator Larry O'Connor in dem Interview im November auch, er habe bisher einfach noch nicht den Gedanken gehabt, in den lokalen Gaststätten zu essen. "In Washington gibt es einige großartige Restaurants, und ich werde anfangen, zu ihnen zu gehen." Das klang nach einem Plan. Bis heute gibt es jedoch keine Anzeichen, dass der Präsident seinem Vorhaben Taten hat folgen lassen.

Jessica Sidman vom Stadtmagazin Washingtonian sagt: "Seit er Präsident ist, hat Trump in keinem einzigen Restaurant in Washington außer dem Steakrestaurant in seinem eigenen Hotel gegessen." Das Weiße Haus schwieg sich auf Nachfrage zu dem Thema aus.

Mit dieser Abkapselung vom kulinarischen Leben der Hauptstadt hält Trump es anders als viele seiner Amtsvorgänger, allen voran Obama, der von 2009 bis 2017 im Weißen Haus regierte. "Die Obamas lieben definitiv tolles Essen und tolle Restaurants, und die Einwohner haben das mit großem Interesse verfolgt", meint Sidman.

Gourmet Obama

So tauchte Obama zum Beispiel im Eissalon "Thomas Sweet" im angesagten Stadtteil Georgetown auf. "Obama war am Vatertag im Jahr 2011 hier, zusammen mit seinen Töchtern und seinem Neffen", sagte Mitarbeiter Mohammed Kabir. Der damalige Präsident habe Kokosnusseis bestellt - und die Einladung dazu ausgeschlagen.

Mit dem Ende der Amtszeit von Obama kam aber kein Ende des Ausgehens. "Die Obamas leben immer noch in Washington, also gehen sie immer noch aus", sagt Sidman. Erst Ende Juli besuchte Obama gemeinsam mit seinem früheren Stellvertreter Joe Biden die Bäckerei "Dog Tag Bakery" in Georgetown, die US-Veteranen und ihre Familien mit Ausbildungsstipendien unterstützt.

"Die beiden haben unsere Mitarbeiter total überrascht", erzählt Mitarbeiterin Lolly Rivas. Sie selber sei erst wenige Minuten vor der Ankunft der beiden informiert worden. "Für uns war es der erste Besuch eines ehemaligen Präsidenten."

Liberales Washington

Warum der aktuelle Präsident sich nicht in der lokalen Restaurantszene zeigt? Sidman verweist auf die Tatsache, dass Washington eine sehr liberale Stadt sei. "Nur vier Prozent der Wähler stimmten 2016 für Trump. Ich kann mir also vorstellen, er weiß, dass er keine sehr warme Begrüßung bekommen könnte, wenn er sich hinauswagt." Erst im Juni hatte eine Restaurantbesitzerin Trumps Sprecherin Sarah Sanders gebeten, ihr Lokal zu verlassen.

In seinem eigenen Hotel droht Trump das nicht. "Das Trump-Hotel ist ein sicherer Ort, an dem er nicht befürchten muss, ausgebuht oder angeschrien zu werden", sagt Sidman. Außerdem sei Trump nicht wirklich dafür bekannt, ein "Foodie" zu sein - also jemand, der gerne verschiedene Arten von Essen isst. "Ich bezweifle daher, dass Trump das Verlangen hat, die heißesten neuen Restaurants auszuprobieren."

Schon vor Obama aßen US-Präsidenten auswärts. "Von Harry S. Truman bis hin zu George W. Bush durften wir bisher elf US-Präsidenten als Gäste in unserem Restaurant begrüßen", sagte Luis Valle, Manager in "Martin's Tavern" in Georgetown. John F. Kennedy habe in dem Lokal nicht nur um die Hand von Jackie angehalten, sondern auch seine Rede zur Amtseinführung als Präsident geschrieben.

Zwar rechnet niemand wirklich damit - theoretisch hat Trump aber noch Zeit, sein Vorhaben umzusetzen und in der Restaurantszene der US-amerikanischen Hauptstadt auf Entdeckungstour zu gehen. Die Amtszeit des 45. Präsidenten der USA endet regulär erst im Jänner 2020.