Thomas Sigwald hat das Kochen im Blut

Am Herd: Der Tenor ist derzeit als Josef in Wiener Blut an der Volksoper zu sehen. Und kochen kann er auch. Aber wie: Schließlich hat er es beim früheren TV-Kultkoch Ernst Faseth gelernt.

Thomas Sigwald hat das Kochen im Blut

Thomas Sigwald empfängt uns mit einer gedruckten Speiskarte. Dreigängiges Menü. Den Knoblauch für die Vorspeise hat er schon am Vortag in gutes Olivenöl gepresst und seiht ihn jetzt durch ein Sieb ab. Knoblauch liebt er, als Sänger muss er allerdings vorsichtig sein, um sich’s mit den Kollegen nicht zu verscherzen. „Immer, bevor ich was essen will, check ich, ob das auch geht.“

Das duftende Öl erwärmt er zart und legt ein paar Scheiben Vollkornbrot hinein. Inzwischen mariniert er den grünen Salat in einem irdenen Topf, drauf ein paar Blättchen Zitronenmelisse aus dem Kräuterbeet. Das Tüpfchen auf dem „i“: saftige Mangostücke. Sigwald experimentiert gern. „Ich denk da immer an die Geschmacksexplosionen der kleinen Ratte im Film Ratatouille.“ Noch ein paar gehackte Rosmarinnadeln auf das inzwischen zart knusprige, mit Öl angesaugte Brot. Gelungen! Kochen gelernt hat der Sänger immerhin bei Legende Ernst Faseth im Modul. Danach: Reinhardtseminar, Film, Theater. Seit 2006 ist er fixes Ensemblemitglied der Wiener Volksoper. Nebenbei sind die Erdäpfel fertig gekocht, die Fischfilets umwickeln wir sorgfältig mit dem Schinken. Sigwald erzählt von seinem Weihnachtsprogramm „Ho Ho Ho“, bei dem sich ein depressives Christkind als Globalisierungsopfer fühlt, und von seinen „Wiener Schmankerln“ im Stadttheater Baden. Seine Freundin, Geigerin bei den Wiener Symphonikern, genießt es, bekocht zu werden, und wir genießen es auch. Sigwald: „Wir spekulieren ja immer wieder, ob wir nicht ein Lokal aufmachen sollten.“ Rezept für Fischfilets im Prosciuttomantel

Die Zutaten für vier Personen:

500 g Fischfilets
ohne Haut
200 g luftgetrockneter Schinken, dünn geschnitten
1 Glas getrocknete Paradeiser in Öl
1 Hand voll Basilikum
etwas getrockneter Oregano
1 Hand voll Rucola
gutes Olivenöl

Ofen auf 200°C vorheizen. Paradeiser abtropfen lassen und mit Basilikum, Oregano und einem Schuss Olivenöl zu einer Paste cuttern. Backpapier mit Olivenöl bestreichen, Schinken darauf überlappend auflegen. Mit der Paste bestreichen, Rucolablätter darauf verteilen. Fischfilets drauflegen, straff einrollen. Auf ein Backblech setzen, 15-20 Minuten garen. Schräg aufschneiden, mit Petersilerdäpfeln servieren. 5 Fragen

Gibt es einen prägenden Geschmack aus Ihrer Kindheit?
Calve Mayo aus der Tube und Mutters Coq au vin.

Was würden Sie nie essen?
Geröstete Leber.

Welche Küche der Welt ist Ihnen am liebsten?
Das kann man einen Zwilling nicht fragen. So wie ich aufwach,
so ess ich.

Ihr Lieblingslokal?
Nach Gusto. Zum Beispiel das „Koinonia“ am Aumannplatz, Wien 18.

Wo kaufen Sie am liebsten ein?
Beim Türken auf der Hernalser Hauptstraße.
(KURIER / hs) Erstellt am
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