Reise ins Herz der Finsternis

Es ist nicht das Grauen, was Sie hier sehen. Aber was ist es dann?

Wir reisen in die Finsternis, in ein Schwarzes Loch, in einen Dschungel aus geschmortem Zwiebel und Rindfleisch. Im Anzengruber sagen sie dazu Rindsgulasch. Am Anfang fürchtet man sich noch. Doch nach dem ersten Bissen weiß man: herrliches Gulasch, große Gulaschschule. Wie das? Beste Wahl beim Rindfleisch und schmoren, schmoren, schmoren ... Es braucht zu diesem Gulasch also keine große Überwindungskraft, höchstens ein paar Essiggurkerln und ein Glas vom herrlichen Bier, das sie hier ausschenken. Den Gästen, darunter viele notorisch Schlaflose, ein paar Kreative, Vielesser und Vieltrinker, ist es an Grundsätzlichem gelegen. Würstel, Toast, Essigwurst mit Zwiebel, Marillenpala ... ... und der Schlager des Hauses, der heißt Schnitzel. Schweinswiener akkurat! Halten wir  fest, dass es kaum ein besseres Schnitzel gibt in Wien. Das Fleisch vom Höllerschmid, die Brösel selbst gemahlen. So macht man das. Allerdings gibt es das Schweinswiener nur bis elf. Und laut ist das Klagen und Weinen der Gäste, die später kommen. Kein Herz für Raucher. Sie sitzen hinter Glas, genießen die letzten Züge, bevor sie ganz aus den Lokalen verbannt werden. In ein paar Jahrtausenden, wenn es wieder Würmer sind, die die Erde beherrschen, wird es Außerirdische geben, die sich fragen werden, was sie alle sollen, die Glasscheiben in den Wiener Kaffeehäusern und Beiseln.

Café Anzengruber,
1040 Wien, Schleifmühlgasse 19
Telefon	587 82 97
(KURIER.at) Erstellt am
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