Montagmittags­tisch: Mister Chili Chili Butter Butter

Im Hinterzimmer eines Delikatessenladens mit Retrocharme erwartet uns ein kleines Schatzkistchen. Erwin Jung bei Böhle gilt unter Wiens Feinschmeckern längst als Kult.

Chili. Wir kennen ihn aus den Suppen und Saucen bestimmter asiatischer Regionen. Hitze. Schweißausbruch. Bierbedürfnis. Und aus dem Chili Con Carne der Parties im ersten Studienabschnitt. Im Bistro des Böhle in der Wiener Wollzeile allerdings geht es eher wienerisch französisch als asiatisch zu. Und dieser Ort ist schon größenmäßig alles andere als eine Studentenmensa. Hier muss man einmal durch. Beim Böhle, einem Laden aus der Bronzezeit des Kololnialwarenverkehrs gibt es auch köstliche, natürlich nicht in der Großfabrik gemachte Salate, zum Beispiel Eisalat oder welche mit Krebsen oder Shrimps und natürlich mit Hering. Ein idealer Platz nach einer schweren Nacht auf dem Ball oder auch anderswo. Doch die wirklich interessanten Dinge warten in einem Hinterzimmer mit nicht mehr als 25 Sitzplätzen. Hier kocht in einer winzigen Kombüse Erwin Jung. Er tut das nur untertags, gegen 19 Uhr sperren Geschäft und Lokal zu. Er serviert, was halt so Saison hat. Auf dem Bild freut er sich gerade über die neueste Austernlieferung. Das Angebot ist stark von der Saison geprägt. Nur eine Zutat gibt es fast immer ... Chili in allen Varianten. Jung züchtet sie selber, hat aber auch andere Quellen. Der Chili landet zum Beispiel in einem Wiener Gulasch. Anfänger aufgepasst: das Zeug ist wirklich scharf. Doch im pittoresken Hinterzimmer des Böhle gibt es auch anderes: herrliche Omelettes mit Schwammerl (die ersten Morcheln wurden schon gesichtet), witzige Kombinationen von Gänseleber und Mango zum Beispiel, oder ein einfacher Salat, wobei Salat hier eher die französische Variante darstellt und keinen Fitnessteller. Viele Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen. Das würde man hier nicht erwarten: Im kleinen Kühlschrank Erwin Jungs findet sich ein stets frischer Vorrat an Süßwasserfischen von gewissenhaft ausgesuchten Lieferanten. Saiblinge und Reinanken sind oft, aber nicht immer da. Jung brät sie klassisch mit eingelegtem Knoblauch, Kräutern, manchmal auch Pilzen und jedenfalls Unmengen an Butter. Butter, die er kurz vorm Servieren noch mit einem Dash Schlagobers ergänzt. Im Bild übrigens ein Huchen aus Österreich. Den gibt es nur auf Bestellung. Dieser Huchen versucht sich unter einem Pilz vor seinen Fans zu verstecken. Leider umsonst. Denn ein Huchen ist so groß, dass es an die vier bis sechs hungrige Fischesser braucht, damit es sich auch auszahlt. Für so ein Essen muss man sich Zeit nehmen. Samstags hat der Laden auch geöffnet. Aber nur bis zum Nachmittag. Natürlich muss man sich an einem solchen Ort nicht mit Apfelsaft oder Mineralwasser zufrieden geben. Die Familie Ruff, die den Böhle führt, hat einen schönen Weinvorrat. Nichts prätentiöses, einfach ein paar gute Flaschen.

Feinkost Böhle Vinothek und Bistro+
Wollzeile 30
Telefon (0043) 01 512 31 55
Fax: 0043 01 513 96 71
E-Mail w.ruff@boehle.at
(KURIER.at) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?