Montagmittags­tisch: Jetzt auf den Naschmarkt!

Neni: Die Gründungsstätte des Molcho-Imperiums ist um diese Zeit besonders empfehlenswert.

Ein Platz im Neni am Naschmarkt zählt in der warmen Jahreszeit zu den begehrten Trophäen der Freitagtaschenträger. Jetzt, wo sich der Frühling langsam an die Stadt herantraut, sind sie noch im Winterschlaf. Und der Mittagesser hat die Sonnenstrahlen fast alleine für sich. Wobei: das leicht kunstverliebte Interieur des Gründungsnenis ist auch nicht ohne. Auf Details achtet der Besucher auch beim Essen. Zum Beispiel beim Brot. Während man fast überall am Markt das austauschbare Fladenbrot bekommt, ist das, was da im Stoffkörberl herangeschafft wird, eine kleine Köstlichkeit. Ein bißchen Exotik ist schon recht. Dieser Mangolassi allerdings ist so dickflüssig, dass man sich beim Trinken durchs Strohröhrl die Wangenmuskel verreißt. Da hilft gegen den Durst ein Minz-Zitronen-Drink eindeutig besser. Das Lokal muss zu den größten Minze-Kunden der Stadt zählen. Die auf ihre Figur bedachten Mittagsgästinnen beschränken sich meistens auf Suppe. Beschränkt. Was die Küchenjungs schade finden, denn sie haben mehr am Kasten und in der Pfanne. Im Vergleich zu den letzten Jahren hat die Küche auch an Routine gewonnen. Und pflegt nach wie vor das Zitieren eines Stils, wie man ihn auch in den jungen Lokalen in Tel Aviv findet. Zu mittag zum Beispiel etwas buntes Püree, ein Fisch vielleicht, ein paar Paradeiser. Solange es nicht nur schick aussieht, sondern auch passabel schmeckt, soll es den Gästen recht sein. Außerdem gibt es: eine Menge an Salaten mit witzigen Sache drauf, viel Gemüsiges, mit eindeutig südländischer Ausrichtung. Gehören diese Mezzes zu den besten der Stadt? Schauen Sie sich das an, dieses Gemisch aus Würze, Farben und Aromen. Nein, besser, Sie essen es. Das Falafel-Thema: am Markt eher zäh und bröselig. Hier aber: Außen ganz knusprig, innen ganz zart. Der Kaffee ist von allererster Güte. Doch damit ist das Neni am Naschmarkt nicht allein. Wer jetzt die Zeit nutzt und den Schal nicht daheim lässt, kann ihn in Ruhe und in den ersten Sonnenstrahlen genießen. Dass der Service die klassische Naschmarktlockerheit aufweist, davon darf man sich den Spaß halt nicht verderben lassen.

Neni am Naschmarkt , 1060 Wien, Tel. 01 585 20 20
(KURIER.at) Erstellt am
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