Mit zehn Tipps zum Grillweltmeis­ter

Grillen ist angesagt. Was Sie wissen müssen, damit sich Ihre Gäste nicht von Ihnen verkohlt fühlen.

Erstens: Organisation
Eine Grillparty will organisiert werden. Wann, wer, wie viele und was – diese Fragen gilt es zu beantworten, was die Eingeladenen betrifft und auch das, was auf den Grill kommt. Am Grillabend selbst, der auch ein Nachmittag sein kann, sind Sie gut beraten, alles – von Salaten bis Getränken – übersichtlich aufzubauen. Ihr Vorteil: Die Gäste bedienen sich selbst und Sie müssen weniger arbeiten. Zweitens: Richtig Einkaufen
Lassen Sie die Finger weg vom fertig marinierten Fleisch. Wer weiß, wie lange das schon in der Vitrine liegt. Sie werden doch selbst eine Marinade hinbekommen. Außerdem gibt es gute fertige Grillmarinaden. Kaufen Sie beim Fleischhauer Ihres Vertrauens und kein Gammelfleisch im Billigregal. Sie wollen doch von Ihren Gästen nicht als grillender Piefke angeredet werden. Besser ein wirklich gutes Würstel als ein minderwertiges Stück Fleisch. Kaufen Sie frische Kräuter. (Und verwenden Sie sie nachher auch. Sogar ein Grillwürstel freut sich über einen Thymianzweig. Erst recht ein Lammkotelett oder ein Hühnerflügel.) Sorgen Sie für genügend Senf und Tomatenketchup. Vor allem: Kaufen Sie immer eine Kiste Bier mehr. Drittens: Was auf den Grill kommt
Wenn es Fisch gibt, gibt es Fisch. Wenn es Rippchen gibt, gibt es Rippchen. Konzentrieren Sie sich auf ein Thema. Als kleine Happen, damit der erste Hunger gestillt ist und das erste Bier Unterstützung hat, empfehlen sich Würstel oder auch gegrilltes Brot mit Knoblauch und Olivenöl. Was danach kommt, sollte weder die Gäste noch Sie selbst überfordern, also häufen Sie nicht Koteletts, Garnelen, Rippchen und Steaks gleichzeitig auf den Rost. Denn diese erfordern unterschiedliche Garzeiten und am Ende steht möglicherweise durch gegrilltes Fleisch und roher Fisch. Entscheiden Sie sich. Viertens: Verkohlen Sie nichts und niemanden
Echte Grillmeister grillen mit Holzkohle. Alles andere ist Beckenrandschwimmen mit Grillzange. Genau genommen gart der Grillmeister zweimal: Zuerst muss er die Kohle richtig hinkriegen, dann das Steak. Heizen Sie den Holzkohlegrill rechtzeitig an, also etwa 45 Minuten bevor das Grillen beginnt. Wie Sie das machen, bleibt Ihre Entscheidung. Mit einem Anzündkamin gelingt es allerdings verlässlich gut und Sie werden nicht ausgelacht. Wenn sich über der Kohle ein weißer, gosender Film bildet, sollte sie richtig sein. Ist die Kohle zu heiß oder zu kalt, wird es nichts mit dem Grillkotelett. Halten Sie Ihre Hand zehn Zentimeter über den Rost. Wenn Sie das gerade zwei oder drei Sekunden aushalten, ist die Hitze glutrichtig. Fünftens: Keine Kleinigkeit
Kleine Stücke wie Hühnerflügel, kleine Steaks, Tranchen, Garnelen, Gemüse, Pilze  oder Würstel werden direkt über der Hitzequelle gegart. Sie brauchen keine lange Garzeit, dafür Aufmerksamkeit des Grillmeisters. Sechstens: Große Stücke
Wenn Sie es sich beim Grillen besonders spannend machen wollen, grillen Sie große Stücke. Sie haben zwar weniger Brutzel-Aktion und Grill-Romantik. Dafür aber delikate Erlebnisse, wenn Sie von einer Lammkeule oder einem Spanferkel oder einem Huhn die erste Scheibe abschneiden und ihre Gäste "Wow" sagen.  Die Methode nennt Grill-Weltmeister Adi Matzek das „indirekte Grillen“. Dabei ist die Hitzequelle links und rechts des  großen Bratens. Der gart in Ruhe vor sich hin. Der Grillmeister trinkt dabei in Ruhe ein Glas mit seinen Gästen. Oder auch zwei. Siebtens: Wie man es dreht und wendet
Ein Würstel, das hundertmal am Grill herum geschoben wird, ist ein armes Würstel. Ein Steak könnte vor Schreck zäh werden, wenn es mehrmals gedreht und gewendet wird. Also wenden wir Würstel und Steaks nur einmal, während wir sie grillen. Wann ist dafür der richtige Zeitpunkt? Wir erkennen ihn leicht, wenn sich an der Oberfläche des Fleisches Bratensaft zu sammeln beginnt. Achtens: Relax
Ein Stück Fleisch ist ein sensibles Wesen. Man sollte ihm nach dem Grillen ein paar Minuten Ruhe gönnen. Am besten rastet und entspannt sich das gute Stück in einer Alufolie oder an einer weniger heißen Stelle des Grills. Auch der große Braten braucht Zeit zum Rasten, bevor er angerichtet wird. Beide belohnenSie für diesen Akt der Zuneigung mit besonders zartem und saftigem Fleisch. Neuntens: Zärtlichkeit
Benutzen Sie eine Grillzange. Spitze Gegenstände wie Gabeln oder Messer haben in der Nähe eines Steaks oder Koteletts nichts verloren. Fleisch mag nicht angestochen werden, weil es nämlich dadurch seinen Saft verliert. Der tropft dann in die Glut und es macht zisch und raucht. Lassen Sie sich auch nicht von der Tatsache in Panik treiben, dass das Fleisch in der ersten Minute des Grillens am Rost klebt. Das gibt sich, sobald das Eiweiß geronnen ist. Zehntens: Jede Sekunde zählt
Was auch immer Sie gerade auf dem Rost liegen haben, beobachten Sie das Zeug genau und verlassen Sie Ihren Posten genauso wenig wie die Wachen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea das tun dürfen. Sie riskieren zwar keinen Krieg oder die Versetzung ins Arbeitslager, wenn Sie es doch tun, aber ein verkohltes Stück Fleisch.
(kurier) Erstellt am
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