Lokales: Her mit dem Speck

Ein kleiner Delikatessenladen in Seefeld bietet Tiroler Speck, der nicht aus der Massenproduktion kommt. Es bleibt aber nicht beim Speck allein.

Es heißt Plangger, im Tirolerischen ein angesehener Delikatessenhändler. In dem Geschäft findet der hungrige Spaziergänger Tiroler Würstel nebst russischem Caviar, Bündner Nusstorte nebst edlem Grappa, ausgesuchte Weine, Champagner, feine Olivenöle (Veronelli) und das, was man halt in Orten wie Seefeld, aber auch Ischgl (der Delikatessenunternehmer Plangger unterhält ein paar Filialen da und dort) und anderen einfachen Tiroler Dörfern gerne kauft. Beim Besuch in Seefeld fällt vor allem die Inszenierung angenehm auf. Speck, Schinken, Lardo, Pasteten werden nämlich hier so gekonnt angerichtet, dass es schade wäre, sie sich einfach und banal nur einpacken zu lassen. Außerdem kann man während der Jause so gut die vorbeigehenden Urlauber anschauen, was Gelegenheit für die eine oder andere sarkastische Bemerkung über deren Beinkleider oder andere Garderobendetails ergibt. Außer Schinken und Speck gibt es kleine warme Gerichte und immer wieder kulinarische Events, während denen das Geschäft ganz schön viel Fassungsvermögen beweisen muss. Was man im Supermarkt gemeinhin unter dem Sammelbegriff "Tiroler Speck" bekonnt, hat mit den Planggerschen Delikatessen nur den Oberbegriff gemein. Kein Industriespeck, kurz mit zuviel Salz gepökelt, sondern Produkte aus kleinen anufakturen. Der Schinkenspeck vom Steinbock, dessen Fettrand naturgemäß winzig ist, was durch die bergkräutige Würze des Fleisches mehr als wieder gut gemacht wird, kommt in kleinen Stanitzeln mit Heidelbeeren auf den Tisch. Etwas heller und nicht ganz so würzig, aber nicht weniger delikat das Geräucherte von der Gams. Oder der Lammschinken. Das Angebot beschränkt sich nicht nur aufs Tiroler Land. Auch Südtirol oder die Schweiz finden sich als Herkunftsländer der feinen Sachen, die man den Kunden, die bald zu Gästen werden, aufschneidet. Die fruchtigen oder würzigen Beilagen zum Bergkäse verschiedener Reifestufen kann man brauchen oder auch nicht. Sagen wir: es sieht halt hübscher aus mit als ohne. Käsepuristen essen Senf lieber zum Würstel und Marmelade auf die Semmel. Praktischerweise gibt es im und vor dem Laden ein paar bequeme Sitzgelegenheiten, damit man das Gute und das besonders Gute nicht im Stehen essen muss. Es wäre auch wegen der vielen Weine und Schnäpse - wer schon sitzt, kann nicht mehr umfallen. Das  ist Kaviar. Von der Schokolade. Jetzt heult gleich der Dekadenzalarm auf. Aber keine Sorge: Der schmeckt sehr gut und ist bedeutend günstiger als die Fischeier vom Stör. Wobei man Seefeld, den Seefeldern und manchen ihrer Gäste nachsagt, dass sie das Geld für den echten durchaus ab und zu erübrigen können.

www.plangger.net
(KURIER.at / ar, ws) Erstellt am
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