Kulinarische Valentinsgeschenke

Blumen oder Dessous. Darüber kann man sich, muss man sich aber nicht mehr verbreitern. Vor allem nicht an dieser Stelle.

Es muss nicht immer Kaviar sein, hat Simmel gesagt. Doch diese Erkenntnis gilt nur, wenn es fast immer Kaviar ist. Kaviar vom wilden Stör gibt es fast nicht mehr, die Zuchtware aus Österreich (oder Italien, China und Frankreich) ist nicht ganz so delikat, aber deshalb fast genauso teuer. Zum Kaviar liebt der oder die Geliebte Champagner. Champagner ist nie verkehrt, schrieb schon Billy Wilder der Monroe ins Drehbuch von Some Like It Hot. Über Champagner ist genug gesagt worden. Besonders Guten gibt es im Le Cru am Wiener Petersplatz oder bei Alexander Adlgassers The Grape in Salzburg und ansonsten bei den üblichen Verdächtigen. Zum Champagner passt wiederum auch sehr gut Foie Gras, für Nichtfranzosen: Gänseleberterrine. Aber nicht von irgendwoher, sondern vom Besten, hausgemacht und frisch. Zum Beispiel beim Urbanek am Naschmarkt oder im liebenswerten Reichl in der Salzburger Philharmonikergasse. Wein zu schenken ist ja nicht so orignell, außer man greift zu einem La Tache aus einem interessanten Jahrgang. Wobei wir beim Thema sind: Schenken Sie dem liebenswerten Weinliebhaber oder der zu vergötternden Weinliebhaberin ein paar Flaschen von Weinen, die es eigentlich kaum gibt, zum Beispiel ältere Jahrgänge aus der Wachau oder aus Bordeaux. Ihr Bemühen um das Besondere sollte umgehend gewürdigt werden. Und dann doch Schokolade. Aber nicht von irgendwo und nicht vom irgendwem (haben Sie den Beitrag über Kinderarbeit in den Kakaoplantagen der Elfenbeinküste gesehen?). Beste Schokolade von ethisch unbedenklichen Quellen und höchster Güte gibt es gottlob seit einigen Jahren auch in Österreich. Zum Beispiel in Xocolat im Palais Ferstel und in der Servitengasse. Johanna "Man muss sich nach dem Essen noch lieben können" Maier versteht wohl was von der erotischen Kochkunst. Wenn es nach dieser Mahlzeit nichts wird - am Gewürz kann es jedenfalls nicht gelegen haben. Dinge schenken, die es kaum gibt, macht den Sinn des Schenkens aus. Frische Morcheln zum Beispieln haben noch nicht wirklich Saison, aber in manchen kleinen Läden oder Marktständen gibt es sie schon. Die Einladung zum Flußkrebsessen ergibt in zweierlei Weise Sinn und Sinnlichkeit. Erstens gehören diese Krebse zum Besten, was unter dem Begriff Krustentier zu haben ist. Zweitens ist das Hantieren mit Schalen, Scheren, Schwänzen, Krebsgabeln, Zangen und so weiter so zeitaufwändig, dass genügend Zeit bleibt für ausschweifende Liebeserklärung.Oder auch einen wirklich profunden Streit. Hochwertige Öle sind immer gerne in der Geschenkpackung gesehen. Man sagt damit nichts anderes, als dass es in einer Beziehung wirklich geschmiert läuft oder etwas ähnlich originelles. Die Klassiker aus der Toskana sind ja so bekannt wie rar, wenn man estwas wirklich Gutes haben will (im Bild: eine Felsinavariation nach Veronelli), doch es gibt auch Öle aus Himbeerkernen, zum Beispiel bei Gegenbauer am Wiener Naschmarkt. Laden Sie zu einem Roastbeef ein. Geht ganz einfach: Beiried bester Qualität marinieren (womöglich mit Johannas Fleischgewürzen, sicher aber mit Senf), über Nacht rasten lassen, anbraten, bei niedriger Temperatur braten, lauwarm servieren. Noch einfacher: von einem Koch des Vertrauens vorbereiten lassen. Unanständig gut. Das schenkt der aufrechte Arbeiter: Wachteleier, seit Faymann als echter (und mit Luxusbesteuerung zu bestrafender) Luxus wieder entdeckt. Kostet aber, äh, nicht mehr als maximal einen Zwanziger das Glas.
(KURIER.at) Erstellt am
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