Die besten Heurigen Wiens

Wien wäre ohne Riesenrad und Stephansdom eher vorstellbar als ohne seine Heurigen. In den vergangenen Jahren hat sich qualitätsmäßig einiges getan. Zeit für ein neues Biedermeier ...

Heurige sind nicht mehr von gestern

Früher rümpfte der wissende Genießer gerne seine Weinnase über die Institution des Heurigens. Doch in Wien und Umgebung haben einige Betriebe wahrliche Weitsprünge hinter sich, was die Qualität von Wein und Essen betrifft. So machen sich auch die Jüngeren auf zu einem neuen Biedermeier bei einem Glas und einer guten Jause. Zahel in Mauer: Untypisch gut

In Mauer steht eine der letzten Bastionen der Heurigenqualität, von der man weiter südlich von Wien oft nur träumen kann. Der Zahel ist für seinen Gemischten Satz berühmt und gelobt. Zu essen gibt es klassisches Heurigenbuffet. Die Fleckerl sind sensationell. Auch der Bürgermeister kehrt hier gerne ein. 

www.zahel.at Zum Martin Sepp: Der beste Schweinsbraten

Zwar nennt sich der Martin Sepp "Heurigenwirt in Grinzing" und in der Tat gehört er auch nicht zu den heimeligesten Heurigen der Stadt. Aber es ist ihm aber durchaus gelungen, die Heurigentradition ins aktuelle Jahrhundert zu übersetzen. Am besten sieht man das an seinem Schweinsbraten, dem viele Wiener nachsagen, er sei der beste der Stadt. Das Buffet besteht bei diesem Heurigen aus großem Auswahl, an der den Urwiener aber eventuell Angebote wie "Pilz-Gnocchi" stören. In gewisser Weise kann man sagen, dem Martin Sepp ist die Antithese zum kleinen, feinen - aber in Wien eben auch oft verschwindenden - Urheurigen gelungen. Wenn das auch nicht jeder mögen wird. Außer eben den Braten vom Schwein.

www.zummartinsepp.at Wieninger in Stammersdorf: Best of Wine

Fritz Wieninger ist einer der Pioniere des guten Weins in Wien. Doch er hat auch eine Ader für die Tradition des Wiener Heurigens. Den Schrammelwein widmete er der Wiener Kultur des Heurigenliedes, das nicht nur Touristen melancholisch werden lässt. Bei den Rotweinen gehört der Betrieb Wieninger zu den Besten des Landes. Statt im Spitzenrestaurant trinkt man sie bei Wieningers Heurigen ganz entspannt zum Bratl.

Im Bild: Bürgermeister Häupl bei seinen repräsentativen Pflichten Wobei man damit rechnen muss, dass manche Wieningerschen Spezialitäten schon längst ausgetrunken sind.

Im Bild: Fritz Wieninger und Spitzenkoch Christian Petz haben eine Schwäche für große Gebinde.

www.wieninger.at Ambrositsch in Sievering: Purer Genuss

Jutta Ambrositsch gehört zu den Wiener Orchideenwinzerinnen. Ihre Rieslinge sind fast schneller ausverkauft als sie auf Flasche gefüllt werden können. Sie erzählen die Geschichte des guten alten Wiener Weins, dessen Qualität wir heute vielleicht ein bisschen verklärt sehen. 

Die Buschenschank in Residence hat Öffnungszeiten, die das Begehren steigern.

Übrigens findet Jutta Ambrositsch, dass S/W Bilder besser zu ihrem Hang zum Purismus passen. Der findet auch am Buffet seinen Ausdruck. Dieses ist erstens kalt und zweitens ausschließlich mit Spezialitäten von Wiens und Österreichs besten Produzenten bestückt. Als Oberkellner fungiert der Ehemann, Marco Kalchbrenner. Dass bei Kalchbrenner-Ambrositsch viele Dinge einen leichten Retro-Touch haben, ist durchwegs beabsichtigt. Übrigens das Beste: Brot mit Bauernbutter und Sardellenringerl. Und ein hartes Ei. 

www.jutta-ambrositsch.at Kierlinger am Kahlenberg: Moderne Klassik
 
Der schönste und unverfälschteste Heurige in Wien. Hier trifft ernst genommene Tradition  auf modernes Qualitätsbewusstsein. Schöne Umgebung, guter Wein. Was das Wiener Herz halt so begehrt. Selbstgekeltert schmeckt's am besten. 

www.kierlinger.at Mayer am Pfarrplatz: Eine feine Romanze

Der Mayer am Pfarrplatz gehört zum kleinen Wiener kulinarischen Imperium von Hans Schmid (Pfarrwirt, Weingut Rotes Haus, Skybar) und die Weine sind gut bis exzellent. Heurigengemütlichkeit findet hier auf weinhistorischem Boten statt. Der alte Franz Mayer, vergangenes Frühjahr verstorben, war eine wichtige Figur im Wiener Weinbau. Das Essen beim Mayer ist durchwegs dem Wienerischen verpflichtet. Grammelknödel, Braten, aber auch herrliche Schmalz- und Bratlfettenbrote gibt es.


www.pfarrplatz.at Krug in Gumpoldskirchen: Die große Versuchung

Versuchung heißt einer der Parade-Roten von Gustav Krug. Etwas davon gibt es hier im alten Zechhaus im Zentrum des wunderschönen Gumpoldskirchen auch zu kosten. Seine Chardonnays sind nicht weniger gut. Alles andere schmeckt ebenfalls. Die letzten Sonnenstrahlen des Jahres genießt man auf der Terrasse, wo man zum Wein klassische ungeschönte Heurigenkost serviert bekommt.

www.krug.at Fischer in Sooß: Gute Weine, gutes Essen

Christian Fischers Rotweine heimsen fast mehr Preise ein als es in seinem Heurigen Plätze gibt. Hier finden sich Fans seiner herrlichen Roten ein. Ideal ist der Herbst, um diese im Garten des Hauses zum Beispiel mit Ente oder kaltem Roastbeef mit Sauce Trara zu begleiten.

Klassischer Fall von Südbahn-Heurigen-Kultur.

www.weingut-fischer.at Zawodsky in Sievering: Schöner trinken

Die Aussicht ist nicht ganz die auf dem Bild, aber fast so schön. Hier ist alles so, wie man sich den Heurigen immer erträumt hat: Wunderbarer Garten mit Wiese, Weinstöcken, Laube und Blick auf Wien und in die Weingärten. Hier treffen sich die Schicken der Stadt und bestaunen sich gegenseitig.
(KURIER.at / ar, fh, hm) Erstellt am
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