Pizzatest

© Alexander Rabl

Vom KURIER getestet
11/06/2012

Das Pizza-Desaster

Wir wollten es wissen und testeten Take-Away-Pizza, Bestell-Pizza vom Boten, selbst gemachte Pizza und Pizza aus dem Kühlregal und dem Tiefkühlschrank. Es war die Härte.

Einmal Pizza Influenza, bitte sehr

Würden wir einen Abend erleben, an dem wir alle liebevoll gepflegten Vorurteile gegen Fertigprodukte über Bord werfen oder am Ende hungrig nach Hause gehen, weil das Zeug so grauslich ist, dass es nicht einmal der beste Koch, der angeblich auf den Namen Hunger hört, schmackhaft machen könnte. Während die selbst zubereitete Pizza mit klassischem Belag aus Paradeisern (Dosenware aus Italien), Pilzen und Mozzarella im Backrohr bei Höchsttemperaturen (also leider nicht so heiß wie im Pizzaofen der Profis) gebacken wird, trudeln die ersten Bestell-Pizzen ein. Was sind wir doch tapfer, denken wir, sprechen uns Mut zu und dem Wein. Im Pappkarton ein nach Käse und Fett riechendes Rund, das bei den Testern interessante Assoziationen evoziert: "Erinnert an das Gesicht eines Fieberkranken". Pizza Influenza. Obwohl diese (wir hatten Margherita bestellt) teigig blass wirkt, stellt ein anderer aus der Jury "Geruch nach Verbranntem" fest.

"Null Aroma"

Das Pizza-Tester-Dilemma: Hast du Hunger und isst es trotzdem, nach dem Motto Augen und Geschmackspapillen zu und durch? Oder bleibst du konsequent und verweigert, was, wie ein Juror fest hält „man nicht einmal im Vollrausch essen kann.“ Es klingelt an der Türe. Der nächste Bote. Diesmal ist es die etwas teurere Pizza für den Upper Middle Class-Hunger. Aus der Schachtel blickt uns entgegen, was "appetitlicher aussieht", weil „kein Gatsch“ immerhin und „frische Paradeiser und Mozzarella“, wenn auch dem Teig die „Bräune fehlt“. Von dieser Pizza kann man viel über das Leben lernen. Sieht gut aus, kann aber nix. "Sehr fettig und schmeckt weniger gut als sie aussieht", notieren wir, essen die Oliven nicht auf, und vermerken für die Nachwelt: "nicht sehr gut" wie auch „verbesserungswürdig“ und "Null Paradeisaroma". Never judge your Food by its cover.

Analog-Käse-Verdacht

Immer noch motiviert, machen wir uns danach über die Pizzabudenpizza her. Sie wurde in der U-Bahnstation Spittelau erstanden, wo viele Studenten unterwegs sind, darf somit als Repräsentantin eines Genres gelten. "Wenig appetitlich“ darf da noch als zurückhaltend gelten, wenn man den Anblick dieses Fladens beschreiben will. Andere Tester werden da schon deutlicher: "ekelhaft" und "grausig" werden nur noch übertroffen von einem schlichten "Nicht genügend" und was der Tester dann noch hinzugefügt hat, ersparen wir Ihnen. Auch Analogkäse-Verdacht wird kurz diskutiert, bevor die Gastgeberin eine Runde Reparatur-Wodka offeriert.

"Handwerk zahlt sich aus.“

Die selbst gemachte Pizza ist fertig und wird serviert. Keiner von den Anwesenden ist gelernter Pizzaiolo. Nicht nur in Anbetracht von mangelnder beruflichen Qualifikation und des mit der Hitze überforderten Backrohrs darf das Ergebnis als sehr gelungen bezeichnet werden. Ein Brandblasen werfender Knusperteig wie beim Vorbild aus Neapel bleibt für den der keine mit einer Pizza-Temperatur-Schalttaste ausgestatteten Bulthaup-Küche besitzt, der Wunschtraum. Frisch zubereitete Auflage (Paradeiser, Büffelmozzarella, Schwammerl, Kräuter) sichert Geschmack und Vergnügen. Mit den Worten der Juroren "sehr gut“ oder "ansprechend“ und einer ortet sogar "Röstaromen und geschmackliche Tiefe". Resümee: "Handwerk zahlt sich aus.“ Die Home-Made-Pizza wird an diesem Abend die einzige sein, bei der die Runde noch einen Nachschlag vertragen hätte.

"Rigips-Boden"

Denn ab jetzt geht es bergab. Einfach so aus Interesse besorgten wir uns einen Fertigteig im Supermarkt. Der Belag glich dem der in 100% Handarbeit hergestellten Probe. Der Backofen arbeitet brav. Doch das Ergebnis isst sich enttäuschend. Der Boden "zu hart" und haut den gut Belag zusammen. Er erweist sich als „würzlos“ und „süßlich“, schließlich auch als "hölzern“ und teilweise "zäh". Der Juror fasst zusammen: "Ein Totalausfall." Auch das Wort "Rigips-Wände" fällt. Kennt jemand einen guten Zahnarzt? Serviert wird die Pizza aus dem Kühlschrank. Die Urteile der Tester schwanken hier zwischen "Fertigfraß macht fertig" und "labbrig und fettig" oder „sehr appetitlich“. Dann folgt der erste Bissen. "Styropor" oder "Käse wie Plastik" und "darf sich so etwas Pizza nennen?" bis zu einem schlichten "Kaugummi" lauten die Kommentare. Das Ganze strotze überdies von "E-Stoffen und künstlich anmutenden Aromen“.

"Bedenkliche grüne Flecken"

Werden wir demnächst alle im Taxi ins AKH sitzen zum Magen auspumpen? Vorher noch die Tiefkühlpizza des bekannten Herstellers. Ein Ristorante, in dem diese serviert würde, müsste die Gäste mit vorgehaltener Waffe zum Essen zwingen. Einer der Tester notiert seine Wahrnehmung von „bedenkliche grüne Flecken“ (das soll Pesto sein) und wird später noch ein "pappig" und "penetrant" hinzufügen. Die TK-Pizza braucht einen heißen Ofen, sonst bleibt sie blass. Den "Geschmacksverstärkern" tut das allerdings keinen Abbruch, denn diese bleiben auch erhalten, wenn der Teig mal nicht so knusprig gelingt. Einem unserer Juroren hat es dennoch gar nicht so schlecht geschmeckt, denn er merkt an: "Diese Pizza muss sich nicht verstecken vor den teureren Vorbildern aus dem Restaurant."

Der Faule wird bestraft

Es ist zwölf Uhr abends und die Runde ermattet. Viele werden auch noch Wochen nach diesem Test beim Wort „Pizza“ von nervösem Zittern befallen werden. Die Wodkaflasche ist leer. Wir haben wieder einmal gelernt, dass sich die Mühe beim Kochen oftmals lohnt und, dass der Bequeme, der daheim auf Fertigprodukte oder Botendienstleistung zurückgreift, für seine Faulheit eher selten mit gutem Geschmack belohnt wird. Überraschend war das im Grunde genommen nicht wirklich.

Weiterführende Links:

www.lacontessa.at

www.pizza-pinguino.com

ristorante.de


Pizza nach Noten

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