Christian Kolonovits dirigiert Paprikahendl

Am Herd: Er ist Musiker durch und durch. Arrangeur, Komponist, Dirigent, Pianist, Produzent. Sogar das Kochrezept liest er vom Notenblatt, auf dem er es mit blauer Tinte notiert hat.

Am Herd mit Christian Kolonovits

„Ich bin ein Nachtmensch“, sagt Christian Kolonovits, „und selten vor vier Uhr früh im Bett.“ So beginnen wir erst um 8 Uhr abends mit dem Hendlkochen. Ein burgenländisches Rezept, ganz klar, ist er doch in Rechnitz aufgewachsen. Kurz schneiden wir die brisante Geschichte des Ortes während der NS-Zeit an, die selbst heute noch Geheimnisse birgt. „Trotzdem bin ich gern Rechnitzer, mit der Vergangenheit musst halt leben.“ Schon als Fünfjähriger war ihm klar, dass Musik für ihn das Wichtigste ist. Über die Sonntagsessen bei der ungarischen Verwandtschaft rettete er sich drüber, indem er ununterbrochen Lieder sang, um die aufgetischten Hasen nicht essen zu müssen. „Ich hab ein Hasentrauma. Die schauen auf dem Teller noch immer so lebendig aus.“ Kochen beigebracht hat sich der Musiker selbst, in seiner Zeit in Frankfurt, und zwar aus Heimweh. „Ich wollte meinen Freunden zeigen, wie schön es bei uns ist. Mit der Musik und auch mit dem Essen ist mir das gelungen.“ Das Hendl köchelt schon, für die Nockerln holt sich Kolonovits Unterstützung bei seiner Tochter Lisa, die das ruck, zuck erledigt. Urlaub hatte er heuer noch keinen einzigen Tag. „Die Arbeit macht mir so viel Spaß, dass sie mir mehr Energie gibt, als sie mir nimmt.“ Derzeit probt er beinahe ununterbrochen für seinen „Woyzeck“, der am 24. September im MQ Premiere hat. Beim Essen kommen wir ins Philosophieren. „Musik arrangieren ist wie Kochen. Es geht nicht darum, was Neues zu erfinden, sondern einen eigenen Stil zu haben.“ Dann verabschiede ich mich schnell, auf den Künstler wartet der nächste Termin. 5 Fragen an Christian Kolonovits

Gibt es einen prägenden Geschmack aus Ihrer Kindheit?

Den Benzingeruch von früher.

Was würden Sie nie essen? 

Hasen und Kleinvögel.

Welche Küche der Welt ist Ihnen am liebsten?

Die Wiener, die thailändische und die indische Küche.

Ihr Lieblingslokal?

Schwierig. Vielleicht der Inder „Tandoor“ in der Martinstraße, Wien 18, und das „Thai“ in der Gumpendorferstraße, Wien 6.

Wo kaufen Sie am liebsten ein? 

Beim Merkur. Paprikahendl

Die Zutaten für 4 Personen:

500 g ausgelöste Hendlhaxeln ohne Haut
1 große Zwiebel
3 Knoblauchzehen
Olivenöl
3 EL Paprikapulver
Salz, Pfeffer
ca. 1/2 l Hühnersuppe
1/2 Becher Sauerrahm
1 großer Löffel Mehl
500 g glattes Mehl
2 Eier
Butter

Zwiebel und Knoblauch schälen, klein hacken, in heißem Olivenöl anschwitzen. Hühnerstücke dazugeben, anbraten, salzen, pfeffern. Paprikapulver einrühren, mit heißer Suppe aufgießen. Zugedeckt 30 Minuten köcheln lassen. Inzwischen 500 g Mehl mit den Eiern, 1/2 TL Salz und 3/8 l kaltem Wasser glatt rühren. Mit einem Spätzlehobel in kochendes Wasser streichen. Abgießen, in Butter schwenken. Sauerrahm in den Paprikasaft geben, 1 EL Mehl drübersteuen, einrühren, nochmals aufkochen lassen.
(KURIER / Heidi Strobl) Erstellt am
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