Bibiane Zeller spielt eine Köchin

Als Frau Kottan wurde die Romy-Preisträgerin zur Legende. Mit uns kocht sie in Buchingers Alter Schule in Riedenthal, unweit ihres Weinviertler Domizils.

„Jetzt bringen wir das zu Ende“, sagt Bibiana Zeller, als wir nach Monaten, unzähligen SMS und etlichen Telefonaten, endlich einen Termin für unser Kochtreffen finden. Berlin, Köln, Burgtheater – die 83-jährige Schauspielerin reißt’s herum. Eigentlich wäre sie ja gerade in Buchenwald bei einem Dreh im ehemaligen KZ; der ist aus organisatorischen Gründen dann aber doch ausgefallen. Als Location hat sich 
Am Herd mit Bibiane Zeller

Frau Zeller ihr Weinviertler Lieblingswirtshaus, Buchingers „Alte Schule“, ausgesucht. Im Gegensatz zu früher kocht sie heute nur noch selten. Ihr Mann Eugen Stark ist Vegetarier auf Dauerdiät, und von sich selbst sagt sie: „Es ist wirklich so, ab einem gewissen Alter hört sich das mit Suppe-Hauptspeise-Nachspeise einfach auf.“ Trotzdem legt sie begeistert Hand an den Herd, zerschneidet und paniert gefühlvoll die Lammbrust. Die Knochen bleiben drin. Zeller „Das ist ja das Schöne, dass man dann was in der Hand hält.“ Zwei Söhne und vier Enkel bekochte sie früher, gefüllte Kalbsbrust war ihr Familien-Lieblingsessen. Angesprochen auf ihre Rolle als „Frau Kottan“ sagt sie „Wir wurden angefeindet von der Polizei, um jede Folge mussten wir kämpfen.“ Immerhin wurden es letztendlich zehn Jahre und 19 Folgen. Während das Lamm schmurgelt, verkochen wir unglaublich lange, dünne Schlangenbohnen vom Biobauern „Bergmühle“ zu einem köstlichen Salat. Spitzbub Zeller: „Jetzt werd ich ohnmächtig und du kannst aus mir Schinkenfleckerl machen.“ Niemand wird ohnmächtig, uns schmeckt’s. Wir philosophieren über das Leben. Konklusio: „Jetzt“ heißt das Zauberwort. Die Zutaten für fünf Personen:

Lammbrust
Gemüsesuppe
Dijonsenf
frische Kräuter (Rosmarin, Thymian, Majoran)
Mehl, Ei, grobe Brösel
Salz, Pfeffer
Rapsöl

Lammbrust längs der Knochen in große Stücke schneiden, in Gemüsesuppe ca. 1 Stunde weich köcheln. Auskühlen lassen. Senf mit etwas Wasser verrühren. Das gesalzene, gepfefferte Fleisch damit beträufeln, Kräuter andrücken, dann das Ganze in Mehl, verschlagenem Ei und Bröseln panieren. In heißem Öl beidseitig knusprig backen. Dazu: Schlangenbohnen in Salzwasser kochen, 1 EL Dijonsenf mit etwas Dille, Knoblauch und 1 EL feingeschnittenen Zwiebeln verrühren, 3 EL Verjus und 2 EL Olivenöl dazu, mit den heißen Bohnen vermischen. 5 Fragen

Gibt es einen prägenden Geschmack aus Ihrer Kindheit?
Das Beuschel bei uns zu Hause.
Was würden Sie nie essen?
Kutteln, weil die hab ich immer unseren Rottweilern gekocht.
Welche Küche der Welt ist Ihnen am liebsten?
Die Weinviertler Küche – na, vielleicht doch die italienische.
Ihr Lieblingslokal?
Das Restaurant in Tokio, in dem wir am Boden sitzend vom Hunger zum Glück gekommen sind.
Ihr größtes kulinarischen Missgeschick?
Bei Bohneneintöpfen krieg ich Angst.
(KURIER / hs) Erstellt am
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