Späte Schwangerschaft als Trend: Ist 44 das neue 30?

Stars wie Sienna Miller oder Natalie Portman freuen sich derzeit auf Nachwuchs - mit Mitte 40. Warum das Druck nehmen kann, aber kein allgemeiner Maßstab sein sollte, erklärt eine Psychologin.
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Es sei ein „Privileg und ein Wunder“: Mit diesen Worten bestätigte Natalie Portman diese Woche, dass sie mit 44 Jahren ihr drittes Kind, das erste mit ihrem neuen Lebensgefährten, erwartet. Sie teilt diese Erfahrung mit ihrer gleichaltrigen Schauspielkollegin Sienna Miller, die ebenfalls zum dritten Mal schwanger ist.

Obwohl 40 lange als eine Art magische Grenze fürs Kinderkriegen galt, reihen sich die beiden damit in eine wachsende Gruppe spät(er)gebärender Promi-Mütter ein: Supermodel Gisele Bündchen bekam mit 44 ebenfalls Kind Nummer drei, Kourtney Kardashian brachte mit 44 Söhnchen Rocky zur Welt. Die deutsche Sängerin Jeanette Biedermann gab kürzlich, mit 46, ihre erste Schwangerschaft bekannt.

Ein Baby mit 56?

Dass die Grenzen des Möglichen immer weiter verschoben werden könnten, legte Lauren Sanchez Bezos in einem Interview mit der New York Times nahe. Obwohl sie drei und ihr Mann Jeff Bezos vier erwachsene Kinder mit in die Ehe brachten, würde sie – O-Ton – „sofort“ noch ein Baby bekommen. Dieses Geständnis sorgte für Aufsehen, schließlich hatte die umtriebige Unternehmerin im Dezember ihren 56. Geburtstag gefeiert.

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Natalie Portman erwartet mit 44 Jahren ihr drittes Kind. 

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Auch Gisele Bündchen wurde mit 44 nochmals Mutter. 

Jeanette Biedermann

Jeanette Biedermann erwartet mit 46 Jahren erstmals Nachwuchs.

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Sienna Miller, 44, schwärmt von den Vorteilen später Mutterschaft.

Durch glamourös in Szene gesetzte Spät-Schwangerschaften von Hollywoodstars verändert sich das gesellschaftliche Bild von Mutterschaft in der Öffentlichkeit – und damit auch die innere Erlebniswelt vieler Frauen, sagt die Psychologin Ulrike Frühwirth. „Solche Vorbilder können zunächst entlastend wirken, weil sie zeigen: Mutterschaft ist nicht an ein bestimmtes Alter gebunden“, erläutert die Expertin. Gleichzeitig entstehe ein neuer, oft subtiler Druck: „Wenn Schwangerschaften im höheren Alter über soziale Medien verstärkt sichtbar werden, kann sich der Eindruck verfestigen, dass späte Mutterschaft problemlos plan- und machbar sei“, gibt Frühwirth zu bedenken. „Dieser ‚Mythos des Machbaren‘ blendet jedoch zentrale Realitäten aus – insbesondere die biologischen Grenzen der Fruchtbarkeit sowie die Tatsache, dass viele dieser Schwangerschaften unter Bedingungen stattfinden, die für die meisten Frauen nicht zugänglich sind.“

Faktor Sicherheit

Moderne Methoden wie Social Egg Freezing (siehe unten) oder (die in Österreich verbotene) Leihmutterschaft ermöglichen es Paaren auch jenseits von Hollywood, den Kinderwunsch immer länger aufzuschieben. Dass das Alter der Erstgebärenden stetig steigt, zeigt sich auch in Frühwirths Praxis. „Die Entscheidung für ein Kind wird heute stärker reflektiert und oft auch später getroffen. Viele Frauen verbinden Mutterschaft nicht mehr ausschließlich mit einer ‚natürlichen‘ Lebensphase, sondern mit einer weitreichenden Entscheidung, die gut abgesichert sein soll“, sagt sie.

In der Praxis zeige sich, dass Frauen den Anspruch haben, erst dann Mutter zu werden, wenn sie das Gefühl haben, ‚angekommen‘ zu sein – emotional, beruflich, sozial. „Hier erlebe ich oft einen enormen Druck, den Frauen sich machen.“ Ein Druck, der durch „Tradwives“, also Vollzeitmütter auf Instagram, verstärkt werde.

Sienna Miller, die ihr erstes Kind mit 29 und das nächste mit 42 bekam, schwärmte jüngst von den Vorteilen der späten Mutterschaft. „Man spürt diesen inneren Konflikt nicht mehr, sich zersplittert zu fühlen und ständig X, Y, Z tun zu wollen“, sagte sie der Zeitschrift Glamour.

Tatsächlich zeigen Studien, dass Kinder später Mütter (älter als 35 bei der Geburt) in stabileren Verhältnissen aufwachsen, körperlich fitter sind und bessere Schulnoten haben. Und: Mütter erreichen eher das 90. Lebensjahr, wenn sie erst nach 33 Kinder bekommen. Ob dies wirklich mit der späteren Schwangerschaft zu tun hat oder diese Frauen von Haus aus gesünder waren, ließen die Forscher jedoch offen.

Jeff Bezos to marry Lauren Sanchez in Venice

Ein Baby mit Ende 50? Lauren Sanchez Bezos schließt nichts aus.

Frühwirth betont auch die Perspektive des Nachwuchses: „Kinder später geborener Eltern wachsen häufig in sehr reflektierten und stabilen Kontexten auf – gleichzeitig kann sich aber auch eine besondere Verdichtung von Erwartungen ergeben, vor allem wenn eine lange Phase des Kinderwunsches vorausging.“ Entscheidend sei daher nicht so sehr das Alter der Eltern – sondern ihre Fähigkeit, dem Kind den nötigen Raum für Entwicklung zu lassen.

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