Frisches Grün trotz Kälte

Ein Kopf Wirsingkohl mit hellgrünen Blättern.
Viele Gemüsearten sind frostfester als wir glauben. Wolfgang Palme, Leiter der Gemüsebauabteilung der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt Schönbrunn, erklärt, wie man im Winter frisches Gemüse bekommt.

Tatsoi, Winterportulak, Löffelkraut, Hirschhornwegerich – Ende Jänner naschen wir im Schönbrunner Gemüseversuchsgarten frisches, saftiges, würziges Grün.

Während es beim modernen Gartenbau um noch mehr Glashäuser mit noch mehr Heizung geht und in den Supermärkten Tonnen weitgereister Salate gekauft werden, forscht Wolfgang Palme mit seinem Team an heimischen Alternativen. Er ist überzeugt, dass das biologische Potenzial der Pflanzen unterschätzt wird: „Viele Gemüsearten seien frostfester als bekannt. Man muss es ihnen nur zutrauen.“ Neu sei das alles nicht, aber in den 60er/70er-Jahren sei viel vom alten Gartenwissen in Vergessenheit geraten. Um noch ein wenig davon zu retten, befragen seine Studenten auch immer wieder alte Menschen, die früher als Gärtner tätig waren. „Die Leute wussten, wie man ressourcenschonend arbeitet.“ Heute stehen die meisten nicht beheizbaren Folientunnel, in denen im Sommer Paradeiser, Gurken und Paprika gezogen werden, im Winter leer. Gemeinsam mit sieben Biobauern in ganz Österreich und dem Verband Bio Austria arbeitet Palme derzeit an einem Wintergemüse-Projekt, das auf großes Interesse von Direktvermarktern stößt. Walter Stockenhuber vom „Klarlbaun z’Blindendorf“ mit Standort im oberösterreichischen Engelhartszell ist einer von ihnen. Nach der Ernte der letzten Chilis im Oktober pflanzt er in seinen Gewächshäusern Asia-Salate. Das sind schnell wachsende Blattsenf-Arten wie Tatsoi, Pak Choi oder Mizuna, die als „Baby-leaf“, also jung und zart, geschnitten werden. 2010 hat er damit begonnen, 30.000 Portionen wird er im heurigen Winter ernten und gemeinsam mit seinen Kooperationspartnern, den Biohöfen Adamah und Achleitner, vermarkten. „2012 hatten wir 14 Tage minus 20°C, auch das haben sie ausgehalten.“ Wenn es ganz kalt ist, reichen schon ein paar Sonnenstunden, um die Pflanzen sanft aufzutauen und zum Wachsen zu animieren. In einfachen, niedrigen Beeten mit Glas- oder Kunststoffabdeckungen zeigt uns Palme auch Kohlrabipflanzen, Rettiche und Winterkräuter, die sich hier sichtlich wohl fühlen. Vogerlsalat, Vogelmiere und Rucola wuchern auf den Freilandbeeten, und auch Zichorien und etliche Kohlarten lassen sich von der Kälte nicht beeindrucken. Die Erkenntnisse für Kleinstgärten und für Private nutzbar zu machen, das ist eines von Palmes Anliegen. „Es geht nicht um die guten alten Zeiten, es geht darum, das alte Prinzip in ein neues Gewand zu kleiden.“

Das Buch „Handbuch Wintergärtnerei“ von Eliot Coleman liegt auf einem Tisch.

Buchtipp: „Handbuch Wintergärtnerei“ von Eliot Coleman, Löwenzahnverlag, 24,90 €

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