Weingut Preisinger des Wiener Architekturbüros Propeller Z in Gols.

© HERTHA HURNAUS

freizeit
01/18/2020

Wein trifft Design: Ultramoderne Architektur zwischen Langenlois und Napa Valley

Gediegene Barockschlösschen waren gestern. Weingüter weltweit setzen zunehmend auf ultramoderne Architektur – ästhetisch und zugleich funktional.

Von der Ferne fällt er kaum auf. Nähert man sich hingegen der Langenloiser Kellergasse mit ihren bunt bemalten Häuschen, sticht der schwarze Kubus aus dem pittoresken Ensemble markant hervor. Auf den ersten Blick erscheint das moderne Weingut von Fred Loimer wie ein Fremdkörper. Etliche Nachbarn des Winzers empfanden den schmucklosen Bau des Wiener Architekten Andreas Burghardt als Provokation: kein Hauch Lieblichkeit, keine Spur Hauer Rustikalität – nichts, was das Klischee von Weinseligkeit erfüllt. Lediglich eine nüchterne schwarze Schachtel inmitten der Weinberge.

Loimer lag mit seinem zeitgeistigen Weingut im Trend: Rund um die letzte Jahrtausendwende ließen immer mehr Winzer modern bauen. Das Selbstverständnis vieler Weinmacher änderte sich: Man sah sich nicht mehr nur lediglich als Bauer, sondern als Protagonist einer Genusskultur, die Offenheit und Weltgeist impliziert. Ausgehend von Kalifornien wurden plötzlich architektonisch anspruchsvolle Weingüter geplant, die nicht mehr nur ihren Zweck erfüllten, sondern auch interessant aussehen sollten. Diejenigen, die es sich leisten konnten, beauftragten Stararchitekten, die sich austobten.

Klotzen, nicht kleckern

Als Pionierprojekt der zeitgenössischen Weinarchitektur gilt Dominus Estate im Napa Valley. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron setzten mit ihrem radikal puristischen Projekt neue Maßstäbe. Trotz enormer Größe integriert sich der auf das Wesentliche reduzierte Flachbau perfekt in die Umgebung. Die von den Rocky Mountains herangekarrten Steine der Außenfassade kühlen dabei die Innenräume auf natürliche Weise – ein wichtiger Faktor bei der Produktion von Weinen. Die Baseler Architekten räumten damit unzählige Preise ab und zählten fortan zu den begehrtesten Vertretern ihrer Zunft. Die Tate Modern in London und das „Bird’s Nest“ Stadium gingen ebenfalls auf ihr Konto.

Ganz anders das exzentrische Projekt des kanadischen Stararchitekten Frank O. Gehry, der auch das Guggenheim Bilbao Museum plante: Riesige, quietschbunte Titanwellen beherrschen die „City of Wine“ des Weinguts Marqués de Riscal im Rioja – ein greller Kontrast zum mittelalterlichen Bauensemble, das es umgibt. Die futuristische Inszenierung erregt in jedem Fall Aufsehen. Marketing um jeden Preis. Zeitgenössische Architektur dient nicht zuletzt der Corporate Identity eines Weinbetriebs.

Selbst Flaggschiffe wie Château Cheval Blanc im Bordeaux bedienen sich ultramoderner Baukunst, um Zeitgeist zu signalisieren. Statt traditioneller Schlösschen setzt man inzwischen auf zeitgenössische Architektur. Die aktuelle Form der Repräsentation spiegelt auch die veränderten Produktionsbedingungen renommierter Häuser wider. Weinmachen ist hier längst nicht mehr nur Handwerk, sondern ein lukrativer Wirtschaftsfaktor mit modernster Kellertechnologie. Der 6.000-Quadratmeter-Bau in Form einer gigantischen Welle scheint dafür der passende Rahmen: Außen wie innen in Weiß gehalten, mutet der avantgardistische Entwurf eher wie eine Kommandozentrale der NASA denn wie ein Weinkeller an.

Aufgrund der EU Bauförderungen entstand zwar auch in Österreich der eine oder andere Protzbau – vorwiegend setzt man aber auf gut durchdachte Funktionsbauten, die auch mit formaler Ästhetik erfreuen.

Innovativ in Österreich

Die heimische  Weinarchitektur erscheint vergleichsweise bescheiden,  besticht aber durch   klare Linien und Mut zur Innovation. Wie das neue Weingut von Claus Preisinger in Gols, geplant vom Wiener Architekturbüro Propeller Z. Der markante Langbau aus Beton und Holz ermöglicht reibungslose Produktionsabläufe von der Pressung bis zur Lagerung und spiegelt die schnörkellose Weinstilistik von Preisinger wider.
Auch der Neubau am Weingut Högl entspricht dem Prinzip „Form follows function“.

Die schlichte Konstruktion des Vorarlberger Architektenduos Ludescher & Lutz fügt sich gefühlvoll in die Kulturlandschaft der Wachau ein und korrespondiert mit traditionellen Bauelementen der Region, wie etwa dem spitzen Satteldach, jedoch modern interpretiert. 2017 wurden sie dafür mit dem österreichischen Architektenpreis ausgezeichnet.

Selbst die Nachbarn von Fred Loimer haben sich inzwischen mit dem puristischen Bau angefreundet und entdecken allmählich seine ganz eigene Schönheit.

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