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freizeit
11/26/2019

Warum will man keine ehrliche Antwort auf die Frage "Wie geht’s?"

Fragen der "Freizeit" ... Und Antworten, die Sie überraschen werden.

von Andreas Bovelino

Neulich wieder einen kolossalen Fehler gemacht. Anfängerfehler eigentlich, muss ich leider gestehen – umso bitterer. Worum geht’s? Ich hab Herrn L., unseren lieben Nachbarn, auf dem Weg zum Supermarkt getroffen und leichtfertig ein „Wie geht’s?“ an das „Schönen guten Tag“ angehängt. Na mehr brauchst du nicht. Während ich jedes Detail seiner Magenspiegelung und der letzten Vorsorgeuntersuchung beim Urologen genießen durfte, hatte ich Zeit, mir zum 1.728. Mal vorzunehmen, niemanden, absolut niemanden mehr nach seinem Befinden zu fragen. Denn die Zeiten, als mein Vater zu ebendieser Frage den Hut lüftete und ein flottes „Bestens, und selbst?“ zur Antwort bekam, scheinen endgültig vorbei. Jeder will ehrlich und offen sein, sein Innerstes teilen ...

Und dann gibt's da ja auch tatsächlich noch die ANDEREN. Sie kennen diese Menschen, die „Wie geht's?“ fragen und dann dastehen, den Kopf schief halten und einen ansehen, als wüssten sie irgendwas?  Wie reagieren, was tun? Ein komplettes Geständnis ablegen? „Ach, das Kreuz …“ und „Ja, ja, der Job …“ oder „Ach, die Tochter zieht nur um die Häuser und steht in vier Fächern auf einem Fleck, mit dem Kredit hab ich mich heillos übernommen, meine Frau und ich haben jetzt getrennte Schlafzimmer ...“ Es ist ein Dilemma, vielleicht sollte man einfach gar niemanden mehr grüßen. „Keine gute Idee“, weist mich Thomas Schäfer-Elmayer sanft zurecht. „Ein freundlicher Gruß hebt das eigene Befinden und das des Angesprochenen. Ein Lächeln dazu, und der Tag sieht gleich freundlicher aus.“

Die Missverständnisse, erklärt der Benimm-Papst, entstehen dann, wenn der jeweils andere die Körpersprache und die Betonung des Fragenden falsch „liest“. Oder einfach nicht drauf achtet. Denn auf die floskelhafte Frage, wie’s denn gehe,  antworte man tatsächlich nur mit einem „Ausgezeichnet!“. Wusste ich's doch! Dann gibt mir Herr Elmayer allerdings noch einen Tipp, der mir einen Hauch von Schamesröte ins Gesicht treibt: „Wenn es einen aber so gar nicht interessiert, wie's dem anderen geht, dann ist es angebracht, eben NICHT zu fragen. Ein freundliches Guten Tag! ist durchaus ausreichend.“

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