80 Jahre Vespa: Warum der italienische Roller Kult bleibt

80 Jahre Vespa. Konstrukteur Enrico Piaggio meldete am 23. April 1946 seinen neuen Roller zum Patent an. Warum das kultige Zweirad noch immer so fasziniert.
80 Jahre Vespa

Wenn Andreas Heigl die „V30“ in die Mitte des Raumes rollt, denkt man unwillkürlich an Audrey Hepburn, wie sie am Sozius der Vespa sitzt und mit Gregory Peck durch Rom kurvt.

Die Szenen sind bekannt aus dem Film „Ein Herz und eine Krone“ aus dem Jahr 1953, er machte das verwendete Modell zu einem der bekanntesten des italienischen Rollers. Auf den Markt war es 1951 gekommen. Heigl ist aber um historische Genauigkeit bemüht. Seine „V30“ ist das Vorgängermodell der Film-Vespa und stammt bereits aus dem Jahr 1950, betont er.

Das Alter sieht man ihr hier, südlich von Wien, nicht an. Heigl hat viele Stunden darauf verwendet, sie in den Originalzustand zu versetzen. Wohl sein zeitintensivstes Hobby, seit er sich 2009 seine erste Vespa, ein Modell aus 1963, zulegte. Des Restaurierens wegen, ein Ausgleich zum Bürojob des gelernten Maschinenschlossers.

Komplett zerlegte Motoren

„Wenn man einen Roller zerlegt, herumtüftelt, ihn neu aufbaut, dann startet und den Motor hört – dann weiß man, wofür man so viel Zeit aufgewendet hat“, sagt er, und seine Begeisterung ist spürbar. „Die V30 ist über 70 Jahre alt und fährt noch immer!“ 120 bis 140 Stunden braucht er, um eine Vespa zu restaurieren. Ohne Lackierer und Spengler.

Ein Roller ist unter Vespa-Fans meistens keiner. Mittlerweile besitzt Heigl elf, und jede erzählt eine eigene Geschichte. „Vespa-Fahren ist pure Emotion.“ Es zählen nicht nur persönliche Erlebnisse (etwa eine Fahrt durch Rom mit Hunderten anderen samt Segnung im Vatikan). „Es ist wie eine Psychotherapie. Nach einem stressigen Tag steigst du auf, fährst drei Kurven und bist relaxt.“

Wolfgang Vorst weiß, was gemeint ist. „Viele sind Wiederholungstäter“, sagt der Präsident des „Vespa Club Wien“ (VCW). Der 49-Jährige hatte seine erste Vespa mit 16, heute besitzt er acht, seine älteste wurde 1957 gebaut. „Wenn man das Vespa-Virus einmal hat, wird man es nicht mehr los“, sagt er. „Irgendwann bricht es wieder durch.“

80 Jahre Vespa

Sammlerstücke aus mehreren Jahrzehnten.

Vernetzung im Club

Die derzeit 105 Mitglieder sind zwischen 18 und 80 Jahren alt, Altersdurchschnitt 40 bis 60. Und: Die Vespa wird quer durch die Gesellschaft geliebt: „Vom MA48-Mitarbeiter bis zum Zahnarzt und zur Juristin sind sämtliche Berufe vertreten“, weiß Vorst. 25 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Das Clubleben findet naturgemäß zum Großteil „auf dem Vespasattel und auf der Straße“ statt – zu Ausfahrten und Treffen.

Gegründet 1953, ist der VCW der älteste Vespa-Club Österreichs. In der langen Vereinsgeschichte gibt es legendäre Erinnerungen, von Fahrten zu Vespa-Treffen und zu Clubs, bis nach Sizilien. „Das muss man sich ja vorstellen: 1.000 Kilometer nur am Roller, oft mit Beifahrer und einem Gepäckstück mit Kleidung und Zelt hintendrauf“, erzählt Andreas Heigl, ebenfalls VCW-Mitglied.

80 Jahre Vespa

Andreas Heigl auf einer seiner Vespas.

80 Jahre Vespa

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Miss Vespa 1954

Legendär auch die Wienerin Inge Pöschmann, die 1954 mit dem noch jungen VCW nach Paris fuhr – und prompt zur „Miss Vespa“  gewählt wurde. Jedes Jahr wird das internationale Vespa-Treffen von einem Landesclub veranstaltet. In Wien fand etwa 1955 das erste statt, in Zell am See 2009. 2026 werden sich zum 80-Jahr-Jubiläum von 25. bis 28. Juni Tausende Vespisti aus aller Welt in Rom treffen.

Präsident Vorst ist dort mit Klubmitgliedern dabei. In einer digitalen Welt zählt das Analoge: Die Roller, ihr Brummen, das an eine Wespe erinnern soll, der gemeinsame Geist. Und der Austausch untereinander. „Vespa-Clubs waren immer so etwas wie die erste Form des Networkings.“

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