freizeit
02/07/2014

Rien ne va plus

Das sogenannte Männlichkeitshormon Testosteron gilt als "Brennstoff der Liebe" – aber nicht nur bei ihm. Auch bei Frauen ist das der Treibstoff, der Lust macht. Doch mit den Jahren kann’s passieren, dass das Testosteron-Niveau sinkt – die Folgen sind bei Frauen und Männern ähnlich: Alle Lust am Sex ist perdu.

von Gabriele Kuhn

Ein trauriges Smiley und ein paar E-Mails später wusste ich: Dem Mann – ein Mittfünfziger – geht’s gerade nicht so prickelnd. Alles so ... Herbst. Auch der Sex mit seiner aktuellen Partnerin, immerhin frische 38, bringt nicht die erhofften Höhepunkte. An der Liebe liegt’s nicht, philosophierte Mister Doomsday leise. "Gar nicht. Ich liebe diese Frau. Weißt du, das ist ja das Komische. Ein Leben lang hatte ich Sex und Sex im Kopf. Und jetzt, da ich ihn in aller Pracht und Üppigkeit haben könnte, ist da plötzlich nix mehr. Ich bin müde, ich will schlafen." Dazwischen löst er schwere Sudokus – "mein letzter Thrill". Aber jetzt: Nebelschwaden im Genitalbereich. Viel Gefühl, null Geilheit. Statt lässiger Kerl nur mehr Opi auf Tranquilizer-Niveau. Das Gute: Ich konnte den Mann beruhigen.

Denn Tage zuvor war ich zufällig in eine TV-Doku zum Thema "Männer in den Wechseljahren" geraten. Das ließ mich des Freundes Libido und Lebens-Lamento rasch einordnen und erklären. Ich sage nur: Testosteron. Es wird stets in einem Atemzug mit Begriffen wie "Macho", "Triebler", "dauergeil" und "Männlichkeit" genannt. Testosteron ist der Stoff, der ihn zum Abenteurer, Superchecker und Benzinbruder macht. Testosteron ist das Substrat für schlechte Herrenwitze und blöde Anmachsprüche wie "Sind deine Eltern Terroristen? Du bist scharf wie eine Bombe." Das macht den Stoff nicht wahnsinnig sympathisch, aber andererseits hat man etwas davon: Einen Mann, der in allen Lebenslagen zupackt. Bei der Gartenarbeit genauso wie beim Sex. Dazu kommt: Auch die Damen haben Testosteron im Blut. "Brennstoff der Liebe" nennt die amerikanische Neurologin Louann Brizendine das Hormon – "als Auslöser des sexuellen Verlangens bei beiden Geschlechtern." Aus ihrer Sicht wird der Stoff als "Männlichkeitshormon" missverstanden, in Wirklichkeit sei es ein Sexualitäts- und Aggressions-Hormon, das sowohl bei Männern als auch bei Frauen in großen Mengen vorkommt. Den feinen Unterschied gibt’s dennoch: Beim Mann ist der Testosteron-Spiegel zehn bis hundert Mal höher als bei ihr. Während sich bei jungen Mädchen der Testosteronlevel vom achten bis um 14. Lebensjahr verfünffacht, steigt der von Burschen zwischen neun und 15 Jahren um den Faktor 25.

Damit wird so manche Eigenart dieser Zeit erklärbar: Testosteron schmiert – wie Treibstoff – den "Sexualmotor im Gehirn". Fließt auch noch später genug davon durch den Körper, flutscht alles: die erotischen Gefühle, die sexuellen Fantasien, der Wunsch, hier und jetzt und immerzu zu vögeln. Aber leider: Nix ist fix, also kommt es im Laufe des Lebens zu Schwankungen, und das – naturgemäß – in den Wechseljahren. Sowohl bei Frauen als auch bei Männern kann es – im schlimmsten Fall – zu einem Beinahe-Total-Ausfall des Luststoffes kommen – dabei sinkt der Testosteronspiegel unter ein bestimmtes Niveau. Bei Frauen geht das mit totaler Stimmungsbaisse einher, bei ihm mindert sich – je nach Ausgangslage – der Geilheitspegel ebenfalls nahe der Nulllinie ein. Gute Nachricht: Der Frequenzausfall kann selbstverständlich behoben werden – dabei gilt: erst Hormonstatus, dann Hormongabe. Testosteron-Anfütterung in Eigenregie kann böse enden.

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