freizeit
07/10/2015

Kein Orgasmus mit Omnivoren

Tofugeschnetzeltes versus Schweinsgulasch – da prallen zwei Welten aufeinander. Das kann sich auf die Libido auswirken. Laut einer Umfrage finden überzeugte Veganer den Langzeit-Sex mit Fleischtigern wenig prickelnd. Ein Phänomen, das auch schon einen Namen hat – nämlich „Vegansexualität“.

von Gabriele Kuhn

Er riecht einfach nicht gut. Außerdem ist die Vorstellung, dass in seinem Körper Teile von toten Tieren liegen, wirklich widerlich.“ Leserin L – 28 Jahre alt – ist seit vier Jahren Veganerin und schildert, was das mit ihr gemacht hat. Fantastisch fühle sie sich, seitdem sie so lebe. Gar nichts mehr Tierisches nehme sie mehr zu sich, auch Gesichtscreme, Sextoys und Tampons seien bei ihr vegan. Und wenn sie sich irgendwo einen Kaffee bestellt, dann stets mit dem Zusatz: „Ohne Milch, aber wenn’s geht, mit Soja“. Lust auf Fleisch hat sie dennoch – Sex sei stets ein großes Thema gewesen in ihrem Leben. Doch neuerdings wäre sie auch diesbezüglich heikler geworden – siehe oben. „Die Vorstellung, mit einem Nicht-Veganer regelmäßig Geschlechtsverkehr zu haben, ist mittlerweile ein echtes No-go“, schreibt sie. Daran zerbrach letztlich auch ihre Liebe zu G, dem 30-jährigen Wurst- und Fleischesser. Während sie für sich Tofu schnipselte, klopfte er sich sein Schnitzerl zurecht – vom romantischen Tête-à-Tête bei Tisch konnte da bald keine Rede mehr sein. Man aß zunehmend getrennt. Irgendwann schummelten sich Schnitzerl, Schinken & Co auch beim Vögeln dazwischen – die Beziehung zerbrach quasi an seiner Liebe zu Steaks. „Es lag an mir“, sagt sie: „Ich konnte ihn nicht mehr riechen und fand ihn abstoßend.“
Ein Einzelfall ist die fleischlustlose Veganerin damit nicht – für das Phänomen existiert daher schon ein eigener Begriff. „Vegansexualität“ heißt’s, wenn die Erotik ohne das Tier in uns auskommen muss. Da geht es um Werte – der Toleranzspielraum ist folglich gering. Spannend: Die Online-Dating-Plattform Gleichklang.de – spezialisiert auf das Verkuppeln von umweltbewegten, tierlieben und sozialen Menschen – hat Veganer gefragt, ob sie sich Sex oder eine Partnerschaft mit Vegetariern oder Fleischessern vorstellen könnten. Das – wenig überraschende – Ergebnis: mit Vegetariern läuft eher was (95%), die Lust auf einen Orgasmus mit Omnivoren hält sich hingegen in Grenzen (68%). Das bezieht sich vor allem auf das Thema Langzeitlieben. Beim schnellen, eher unverbindlichen Sex ist die Soja-Fraktion dann schon weniger heikel. Man kann sich doch als Nachspiel den Mund spülen – oder alles Tierische abduschen. Tatsächlich: Laut einer Studie an der Karls-Universität in Prag duften die Achselschweißproben von Männern, die regelmäßig Fleisch schmausen, nicht so fein. Den – im Vergleich – beschnupperten Vegetarier-Schweiß fanden die Frauen hingegen attraktiv, angenehm und maskulin. Heftig wird’s, wenn der Akt mit dem Omnivoren im veganen Kopfkino eine unangenehme Rolle zu spielen beginnt – und der Fleischesser als Tierfriedhof empfunden wird. Weitere harte Fakten, die von überzeugten Veganern ins Lust-Spiel gebracht werden: Wer sich von Gemüse, Obst, Tofu, Korn & Co ernährt, fühlt sich nicht nur gesünder, sondern hat auch eine recht frohsinnige Libido. Frauen werden geschmeidiger, Männer standfester. Wenn nicht vegan, dann wenigstens vegetarisch – zumindest wenn es nach Pamela Anderson geht: „Wer den besten Orgasmus seines Lebens haben möchte, sollte vegetarisch leben.“ Na dann.


„Sex in der freizeit“ macht Sommerpause – auf Wiedersehen am 8. August! Eine gute Zeit.

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