freizeit
01/14/2014

Greif-Vogel

Eine Geschichte, die das Leben schrieb: Eine Ehefrau, die es satt hatte, von ihrem Mann permanent und in allen unmöglichen Lebenslagen befummelt zu werden, drehte den Spieß einfach um. Das war der Tag, an dem der gute Mann die Sache mit dem Greifen endlich begreifen konnte.

von Gabriele Kuhn

Berührung ist wichtig, daran besteht kein Zweifel. Auch bei R nicht, einer guten Freundin von mir, die sich mindestens zwei Mal pro Jahr einen Wellness-Urlaub mit Rundum-Massage-Vollwaschprogramm gönnt. Was heißt: R liebt es, berührt zu werden. Auch von ihrem Mann, mit dem sie seit zehn Jahren verheiratet ist. Aber.

Aber der gute Herr hat – wie wir am Damenabend ausführlich geschildert bekamen – eine schlechte Hand fürs gute Timing. Er greift immerzu zu, heißt: Er berührt R, wann immer es ihm in den Sinn kommt. Das tut es oft. Wohl auch, weil bekannt ist, dass Männer pro Tag recht häufig an Sex denken. Zwar ist längst erwiesen, dass der Sieben-Sekunden-Rhythmus ein Blödsinn ist, aber natürlich: Ein paar Momente pro Tag werden sich schon ausgehen. Und wer an Sex denkt, ist vermutlich auch nicht abgeneigt, einen zu haben, jetzt und hier und in der Sekunde. Was wiederum zu sexuell inspirierten Handlungen führt – im Falle von Rs Ehe ist das das Greifen. Rs Mann, der M, hat natürlich bevorzugte Greif-Muster. Seine Top-Fummel-Liste: 1. Brust links, weil die ein wenig größer ist als 2. Brust rechts. 3. Popo. Was er besonders liebt: exzessives Brustwarzenzwirbeln. Äußerst selten landet des Mannes Hand dort, wo es R gerne hat: in den Haaren, am Rücken, im Nacken.

So geht das seit langer Zeit, R nennt das leicht resignierend "Ewigkeit". Sämtliche Versuche, dem Angetrauten begreiflich zu machen, dass das Greifen unerotisch ist, bewirken nix. Auch nicht das 100. Gespräch, in dem R ihm erläuterte, dass sie sich wie eine billige Wühlkiste fühle, an und in der jeder jederzeit herumfudeln darf. Aber auch ihr psychologisch wertvoller Satz "Ich wünsche mir, dass du meine Grenzen akzeptierst" nützte nichts. Im Gegenteil. Mister Handi-Man bog sich zum Fragezeichen und sagte mit Plüschbären-Blick: "Ich verstehe nicht, was du hast. Dass ich dich dauernd berühren möchte, ist doch nur ein Kompliment. Ein gutes Zeichen. Das Indiz dafür, dass ich dich immer noch wahnsinnig geil finde."

Als R eines Tages in der Küche stand und sie während der Zubereitung eines Eiaufstrichs seine Griffel auf seiner Lieblingsbrustwarze spürte, kam ihr eine Idee. Sie beschloss, sich ebenfalls in eine An-Greiferin zu verwandeln. Als man mit dem Abendessen fertig war und er sich bückte, um die Teller in den Geschirrspüler zu räumen, kam sie von hinten, um mit Zeigefinger und Daumen unangekündigt seine Brustwarzen zu umfassen. Dann: exzessives Zwirbeln, eingedenk seiner Berührungsgewohnheiten. Dabei schnurrte sie: Schatz, locker bleiben – es ist ja nur das Indiz dafür, dass ich dich immer noch geil finde." Um im nächsten Augenblick Greif-Modus Nummer 2 nach Art des Schnuckiputz zu aktivieren: Beidseitiges Kreiseln des Brustgewebes. Der Mann gab sich irritiert, sehr irritiert. Er sagte: Kannst du bitte wieder aufhören? Ich will den Geschirrspüler einräumen. R hörte nicht auf, im Gegenteil. Als ihr Liebster den angebrannten Reis mit einem Drahtwaschel bearbeiten wollte, griff sie ihm fest ans Gemächt, und sagte: "Ich verstehe nicht, was du hast." Gestern bekam ich eine SMS von R: "Alles seltsam ruhig. Ich glaube, er hat’s endlich begriffen."

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