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freizeit
09/08/2019

Sänger Hansi Hinterseer: "Die Gier is a Luader"

Drei Jubiläen feiert Hansi Hinterseer in diesem Jahr. In der freizeit erzählt er, was ihn bewegt, was ihn verletzt und was er in Zukunft vor hat.

von Barbara Reiter

Das „Eckking“ in Kitzbühel ist Hansi Hinterseers Stammbeisl. Hier kommt er her, um mit seine „Mander“ zu „karschten“, sprich Kartenspielen. Heute legt er selbige auf den Tisch und redet Tacheles. Denn 2019 ist ein Hansi-Jahr. Der Ex-Skirennläufer hat im Februar den 65er gefeiert, begeht gerade das 25-Jahr-Jubiläum in seiner Zweitkarriere als Sänger – und Album Nr. 40 hat er jetzt auch präsentiert, der Hansi mit i am Ende des Namens. Ein guter Einstieg in unser Gespräch.

(Da Interviewpartner und Interviewerin aus Tirol stammen, bleibt man beim  Du).

Hansi – oder soll ich zur Abwechslung einmal Hans sagen?

Ich bin allweil schon der Hansi g’wesen. Nur die Journalisten haben immer ein Problem damit.

Problem gibt’s keines, aber vielleicht hast du ja zum 65er beschlossen, dass du jetzt der Hans bist.   

Wieso sollt’ ich?

Wegen des Alters ...
Alter hat doch nichts mit dem  i zu tun. Du bist schon länger in Wien unten, gell?

Etwa so lange wie deine Musik-Karriere währt. Als du Musikproduzent Jack White 1994 ein Geburtstagsständchen gesungen hast, war dir da bewusst, dass das der Startschuss für ein zweites Erfolgsprojekt werden könnte?

Sicher nicht und ich glaub’ auch nicht, dass der Jack das damals so gedacht hat. Meine Überlegung war, dass ich eine Platte hab’, wie der Sailer Toni, der Beckenbauer oder die Moser-Pröll.

Lauter One-Hit-Wonder. Nach so vielen Alben: Was hast du anders gemacht?

Ich hatte das richtige Produkt und den Jack an der Seite. Und ich hab’ es irgendwie verstanden, von Jahr zu Jahr meine Leut’ immer mehr aufzubauen.

Felix Neureuther hat heuer nach dem Ende seiner Ski-Karriere auch einen Song veröffentlicht. Wo war der Durchbruch?

Der Felix hat mich vor der Veröffentlichung angerufen und gesagt, er möchte das Lied, quasi als Scherz, am 1. April bringen. Ich hatte aber das Gefühl, im Hinterkopf war schon der Gedanke, dass es vielleicht einschlägt. Mein Glück war Jack White mit seinen  Kontakten. Da war ich nicht so abhängig von Redakteuren, die beurteilen, ob sie dein Lied im Radio nun spielen oder nicht. Jetzt ist der Felix  als Sport-Moderator beim BR dabei. Eine tolle Sache!

Wer hat den größten Anteil an deinem Erfolg?

Ein Vorteil war sicher mein Name als Skirennläufer. Dazu kam mein  erster Auftritt im Musikantenstadl, der vielen gefallen hat. Da sind auch die Radioleut’ aufgesprungen. Im Endeffekt haben mich aber die Fans zum Erfolg geführt. Du kannst singen wie ein Zeiserl, wenn die Leute  dich nicht gern haben, kannst gleich daheim bleiben!

Hat es weh getan, dass du manchmal belächelt wurdest?

Das gehört dazu, aber natürlich trifft es dich, wenn über dich hergezogen wird – speziell, wenn es um die Familie geht. Aber wenn man in der Öffentlichkeit steht, polarisiert man leicht. Da war der Sport eine wichtige Schule für mich. Einmal g’winnst du, am nächsten Tag verlierst und kriegst eine auf den Deckel.

Dein wievieltes Album hast du jetzt eigentlich gemacht?

Ich glaub’, das Vierzigste hamma schon.

Was bedeutet dir Geld?

Natürlich ist es fein, wenn man es hat. Aber wie viele Situationen hat es schon gegeben, wo das Geld von heute auf morgen nix mehr wert war? Das Leben geht auch weiter. Sicher, wenn es einem gut geht, möchte man das nicht loslassen.

Wie stehst du dazu, dass in deiner Heimatstadt viele reiche Menschen leben?

Die leben nicht hier, sondern haben hier   ihre Häuser. In jedem Touristenort herrscht die Gefahr, dass Leute in die falsche Richtung gehen, damit was reinkommt. Momentan bringt das vielleicht viel Geld, wie beim Verkauf von Grundstücken, aber irgendwann hat man keine Heimat mehr. Es ist halt ein schönes Platzerl, nahe zu München, Salzburg und Wien.  Das wissen die sogenannten vermögenden Leute auch. Im Endeffekt sind ihre  Hütten aber leer, außer beim Tennis-Turnier,  beim Jahrmarkt, beim Hahnenkamm-Rennen oder anderen großen Events.

Nimmst du am Society-Leben teil?

Ich war zum Beispiel noch nie auf der Weißwurst-Party (Anm.: eine legendäre Veranstaltung beim Hahnenkammrennen). Das liegt mir alles nicht. Mich trifft man eher privat mit Freunden.

Dafür bist du Naturbursch und hattest 2007 schon einen Elektroroller ...

Den hab’ ich allweil noch. Die Frage ist: Was tust mit der Batterie? Ein heikles Thema, aber noch heikler ist, dass uns die Industrie so stark bestimmt und uns sagt, was wir zu tun haben. Wir sind eigentlich schon verkauft und das ist relativ schnell gegangen in den letzten Jahren. Anstand, Respekt und Menschenwürde sind total verloren gegangen. Das ist für mich kein gutes Zeichen. Die Gier wird uns allen einmal auf den Schädel fallen.

Angeblich hast du seinerzeit für deine Fan-Wanderung zu viel Geld verlangt.

Auch, wenn die Leute geglaubt haben, der verdient da dran: Die Wanderung ist aus einer Idee heraus entstanden, weil ich den Fans rund ums Open Air in Kitzbühel was bieten wollte, ihnen meine Heimat zeigen, davon hab’ ich finanziell nie etwas gehabt. Verdient wurde am Ticketverkauf fürs Konzert und dann gab’s noch die TV-Übertragung. Die Produktionskosten beliefen sich auf eine Million Euro. Ich musste ja das Stadion mieten,  das Bühnenbild samt Technik tragen, dazu kamen Hotelkosten für Künstler und und und. Das ganze Risiko. Und günstiger wurde mit den Jahren nichts. Da hätte ich mir ab einem gewissen Punkt mehr Unterstützung gewünscht. Aber red’ ma nimma vom Geld.

Als Hansi noch mit seinen Fans wandern ging: Impressionen eines Erlebnisses

Als Hansi noch mit seinen Fans wandern ging

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Impressionen eines Erlebnisses

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Nie mehr wandern mit Hansi ...

Barbara, was soll ich dir sagen. Belassen wir’s dabei.  Du willst daheim was Gutes machen, die Leute kommen sogar aus Brasilien und Australien, es ist eine friedliche Veranstaltung und der Berg schaut nachher sauberer aus als vorher .... Normalerweise hast du nach einem Konzert überall einen Sauhaufen.

Das Frequency-Festival war so ein Fall. Wie hast du das geschafft?

Ich hab den Leuten bei der zweiten Wanderung gesagt: „Leitln, griaß eich, schön, dass da seid’s! Schaut’s euch die schöne Natur an, die  durch unsere  Bauern entstanden ist und die hier gerodet und viel Arbeit gehabt haben. Wir gehen jetzt da ein bissel spazieren und schmeißen nichts weg. Wenn wir ein Jauserl haben oder eine Colaflasche, tun wir’s in den Rucksack hinein und tragen es heim.

Und, hat es funktioniert?

Von Anfang an. Du musst nur mit den Leuten reden. Wennst immer nur von der Bühne schreist: Wo sind die Hände? Ja, wo sollen’s denn sein? Da sind’s! Am Arm! (Hinterseer reißt die Hände in die Höhe)

Spürst du mit 65 schon Wehwehchen?

Bis jetzt Gott sei Dank nicht. Mein Leben war früh geprägt von Training. Vielleicht hab’ ich dadurch ein anderes Gerüst.

Zum Schluss noch ein „Kurze-Frage-kurze-Antwort“. Du hast eine eigene Gondel in Kitz. Wartest du, bis sie kommt?

Warten tu’ ich nicht, weil i auf den Berg aufimecht. Nur, wenn’s zufällig kommt.

Moonboots sind ...

... bärig. Da wurde ich lange ausgelacht, aber heuer hat der Lenny Kravitz in Ischgl meine Schuah ang’habt. So gesehen habe ich etwas richtig gemacht.

Machst du endlich eine eigene Linie?

Den Gedanken gab’s. Auf der Sohle sollte Hansi stehen, aber da muss man eine hohe Stückzahl kaufen. Da hat dann der Spaß aufg’hört.

Deine Haare: Natur oder gefärbt?

Ein paar Strähnchen san schon drin.

Du hast mich heut’ noch nicht geküsst.

Ja leider!

Typische Hansi-Antwort. Im Ernst jetzt.

Wennst mich so anschaust. Das Lied war 1994 mein Einstieg in die Musikbranche. Lang ist’s her ...

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