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freizeit Reise
09/11/2020

Hadrianswall: Damals, unterm Ahornbaum mit Robin Hood

Der Hollywood-Blockbuster "König der Diebe" macht Sycamore Gap in Nordengland weltberühmt. Der Weitwanderweg Hadrian's Wall Path führt direkt vorbei.

von Stefan Hofer

Diese kurze Geschichte eines alten Bergahornbaums am Sycamore Gap in der Grafschaft Northumberland könnte mit der Liebe zur malerischen Landschaft Britanniens beginnen. Oder der Faszination des Weitwanderns. Oder mit Filmstar Kevin Costner als Robin Hood in „König der Diebe“.

Natürlich, bei Costners 90er-Jahre Filmversion der spätmittelalterlichen Balladen über den englischen „Helden in Strumpfhosen“ muss man erst Logiklücken verdauen: So kommt Robin von Locksley von den Kreuzzügen aus Jerusalem, landet an der Küste Südenglands bei den eindrucksvollen Kreidefelsen Seven Sisters in Sussex, kommt auf dem Weg heim nach Nottingham aber am noch viel weiter nördlich gelegenen Hadrianswall vorbei.

Geografen raufen sich bei diesem meilenweiten Umweg die Haare. Gut, Costner ist Kalifornier, Navi gab’s im Mittelalter noch keines. Dass der Hollywoodstar der durch und durch englischen Sagenfigur aber einen US-amerikanischen Slang verpasste, nahmen ihm Traditionalisten unter den Hood-Fans übel.

Versöhnlich stimmt daher eine Schlüsselszene des Films: Costner alias Robin von Locksley trifft bei der Rückkehr in seine Heimat erstmals auf die bösen Männer des listigen Sheriffs von Nottingham – exakt an besagtem Bergahornbaum, der in der Nähe von Crag Lough am Hadrianswall, etwas geschützt in einer Senke, steht. Bergahorn und Senke, deshalb der Name Sycamore Gap.

Szene aus "Robin Hood - König der Diebe"

Die packende Szene stellte den jahrhundertealten Baum am Hadrianswall so gelungen ins internationale Scheinwerferlicht, dass in den Jahren darauf Heerscharen von Fans dorthin pilgerten und Blätter, gar Äste, als Souvenir vom Baum rissen. Der 36 Meter hohe Baum hat’s überlebt, wurde 2016 zu Englands Baum des Jahres gewählt.

Weitwanderweg entlang des Walls

Sycamore Gap ist auch Höhepunkt des 135 Kilometer langen Fernwanderwegs Hadrian’s Wall Path. Kaiser Hadrian ließ die Wehrmauer um das Jahr 122 nach Christus erbauen, sie bildete zu jener Zeit die nördlichste Grenzzone des Römischen Reichs. Überreste der Türme und achtzig Meilenkastelle lassen die ursprünglichen Ausmaße erahnen.

Kurios: Der Steinbrunnen vorm Baum ist nicht römischer Herkunft – er wurde extra für den Filmdreh errichtet. Der Wanderweg bzw. die großteils gut erhaltene Steinmauer verläuft an der schmalsten Stelle Englands, zwischen Newcastle Upon Tyne an der Ostküste und Bowness-on-Solway an der Westküste, wo sich der Blick auf die Irische See auftut. Der höchstgelegene und schönste Abschnitt führt zwischen Chollerford und Lanercost durch den Northumberland Nationalpark. Wandersaison ist von April bis Oktober.

Immer wieder führt der Pfad durch hübsche, kleine Dörfer, wo in „Bed&Breakfast“ (Frühstückspensionen) noch typisch englische Kost serviert wird. Aus Erfahrung sei gesagt: Wer in der Früh kein gebackenes Schweineblut speisen möchte, sollte vorab höflich Nein zum beliebten Black Pudding sagen.

Fernwanderweg: von Wallsend bei Newcastle Upon Tyne an Englands Ostküste bis Bowness-on-Solway an der Westküste oder umgekehrt, 135 Kilometer lang, meist 6 bis 8  Wandertage, Gut: April bis Oktober
Tipp:  Regenfeste Ausrüstung. Der Weg verläuft in moderater Höhe, mit (Schnee-)Regen ist aber zu rechnen
Schlafen: Gemütliche B&Bs entlang der Strecke, vorab reservieren empfohlen;  nationaltrail.co.uk

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