Botox bis Test-Shootings: Die Arbeit hinter den Oscar-Looks

Beauty-Docs sind auf Monate ausgebucht, Stylisten feilschen um die begehrtesten Kleider. Die langwierige Arbeit hinter den scheinbar mühelosen Glamour-Auftritten.
Dakota Johnson, Jennifer Lawrence und Emma Stone stehen hinter den Kulissen bei den Governors Awards

Wenn Emma Stone, Demi Moore und Kate Hudson am Sonntag (15. März) über den roten Teppich der Academy Awards schreiten, haben sie meist eine Beauty-Strategie hinter sich, die minutiöser geplant ist als so mancher Wahlkampf. Der „natürliche Glow“, den wir in Großaufnahme bewundern, ist selten Zufall.

In den diskreten Praxen von Beverly Hills und den Suiten der Luxushotels herrscht seit Jänner Hochbetrieb. Bei bewährten Promi-Anlaufstellen wie Dr. Simon Ourian am Rodeo Drive oder Star-Kosmetikerin Joanna Czech ist es während der Award-Season praktisch unmöglich, ohne klingenden Namen einen Termin zu bekommen. 

Czech ist für ihre High-Performance-Facials bekannt; sie hat mit Kim Kardashian an deren Hautpflegeprodukten gearbeitet, auch Anna Wintour zählt seit 20 Jahren zu ihrer Kundschaft.

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Nicht nur Kim Kardashian wartet auf Termine bei Haut-Guru Joanna Czech (re.).

Laser für den Glow

Neben Gesichtsbehandlungen – darunter auch Varianten mit Lachs-DNA, die etwa Jennifer Aniston bei ihr ausprobiert hat – sind es vor allem Laser- und Ultraschallbehandlungen, die in Luxusordinationen rund um L. A. gebucht werden.

Die oscarnominierte Kate Hudson setzt etwa auf „Accent Prime“ von Alma Lasers: Kalte Ultraschallwellen sollen gezielt Fettzellen reduzieren, Radiofrequenz den Kollagenaufbau stimulieren.

Marion Steiner, Fachärztin für medizinische Ästhetik (Praxis in Neusiedl am See), erklärt die Trends in diesem Bereich:

 „Thuliumlaser sind gefragt, wie der LaseMD Ultra. Sie dienen für eine Glow-Behandlung vor einem Event. Aber meist sind zwei bis vier Sitzungen notwendig, um Hauttextur und Pigmentierung nachhaltig zu verbessern.“

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Gesichtsbehandlungen

Ebenfalls immer beliebt für unmittelbar strahlende Haut sei ein Hydrafacial (Peeling, Gesichtsseren) „Eine der beliebtesten ästhetischen Gesichtsbehandlungen in den USA“, erklärt Steiner. Das Treatment kommt im Spa des berühmten Beverly Wilshire Hotels auf schlappe 1.000 Euro – für 90 Minuten. 

Die diesjährigen Oscar-Anwärterinnen Emma Stone und Teyana Taylor haben sich im Vorfeld eine Behandlung bei Iván Pol gegönnt. „Beauty Sandwich“ heißt seine berühmte Methode aus Cremes, um das Gesicht schnell makellos aussehen zu lassen. Preis: 1.200 Euro.

Geheime Liftings

Und dennoch: Nach einem Facial- und Lasertermin sieht man gewiss nicht aus wie Demi Moore mit 63. Wenn es um Hautpflege-Rituale geht, erzählen Stars gerne offen darüber, verschwiegener sind sie, wenn es um chirurgische Eingriffe geht. So wie Moore, deren Antlitz bei ihren jüngsten Auftritten Gesprächsthema Nummer eins war. Noch straffer und noch definierter als ohnehin.

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Demi Moore: Die Hollywood-Veteranin wird auf der Bühne der Academy Awards stehen. Beauty-Doc  Jonathan Betteridge vermutet ein kürzliches Facelifting bei der 63-Jährigen.
 

Der britische Arzt Jonathan Betteridge zeigt in Sozialen Medien immer wieder zarte Narben und Veränderungen bei Promis auf, die auf Faceliftings hinweisen. Neben Demi auch bei verhältnismäßig jungen A-Listers wie Emma Stone, Margot Robbie, Gwyneth Paltrow oder Kylie Jenner, die gerade einmal 28 ist. 

100.000 Euro für ein Luxus-Lifting

Dass ein gutes Lifting in diesen Kreisen mehr als 100.000 Euro kostet, dürfte den Multimillionärinnen herzlich egal sein. Welchen Druck sie anderen Frauen mit ihrem schier ewig jungen Aussehen machen, womöglich auch.

Starstylisten haben Hochsaison

Parallel zu den Hautärzten und Beauty-Docs laufen die Drähte zwischen Modehäusern und Styling-Teams heiß. Ein Oscar-Look entsteht oft über Monate. Verträge mit Luxushäusern wie Dior, Valentino oder Louis Vuitton können – je nach Markenbotschafterstatus – im siebenstelligen Bereich liegen. Offiziell bestätigt werden solche Summen selten.

 Emma Stone zeigt sich seit Jahren nur in Louis-Vuitton-Kleidern und soll laut Branchenkennern zwischen sechs und zehn Millionen Dollar alleine für ihren ersten Zweijahresvertrag im Jahr 2017 erhalten haben.

97th Academy Awards - Vanity Fair - Beverly Hills

Zoë Saldaña: Die Oscargewinnerin 2025 geht offen mit Beauty-Eingriffen um. Auf dem roten Teppich wird sie wohl in Saint Laurent zu sehen sein – ihr Haus- und Hof-Label.

Actor Awards in Los Angeles

Jessie Buckley: Die 38-Jährige gilt als „Real Face“  ohne Eingriffe.  ist eine neue Mode-Inspiration dank  Stylistin Danielle Goldberg, die die „Cool Girls“ einkleidet.
 

68th Annual Grammy Awards in Los Angeles

Teyana Taylor: Sie trägt die spektakulärsten Kleider auf ihrem gestählten Körper. Taylor ist der neue Superstar in Hollywood mit Oscar-Chancen.
 

Verschwiegenheit garantiert

Ihre Stylistin Petra Flannery übernimmt die modische Arbeit. Sie kleidet auch Zoe Saldaña für den roten Teppich ein und hat mit zwei Oscar-Gästen alle Hände voll zu tun. Vom Aussuchen möglicher Luxuskleider, mehreren Anproben vor dem Event, Hair- & Make-up-Tests mit Fotoshootings, bis hin zur Koordination mit Schmuck- und Accessoire-Häusern und der Logistik und dem Teammanagement vor Ort.

Dafür verrechnen die bekanntesten Einkleider wie Flannery, Brad Goreski (Demi Moore), Danielle Goldberg (Jessie Buckley, Zoe Kravitz) oder Sophie Lopez (Kate Hudson) zwischen 5.000 und 20.000 Dollar pro Tag. Zuvor wird in der Regel ein NDA-Vertrag unterschrieben – damit ist man zur Verschwiegenheit verpflichtet. Denn gerade der Mythos macht einen Großteil des Hollywood-Glamours aus.

Am Ende zeigt aber schon ein genauerer Blick, dass der perfekte und scheinbar mühelos wirkende Auftritt auf dem roten Teppich eine durchorchestrierte und teuer bezahlte Arbeit eines großen Teams ist, das hinter den Kulissen unsichtbar bleibt.

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