© Schraml Wilhelm

freizeit
04/12/2019

KURIER ROMY: Sieger, Glanz & Gloria

Rudolf John, ROMY-Erfinder und -Gründer, über den Beginn des „österreichischen Oscars“. Anekdoten aus dreißig Jahren.

von Rudolf John

Das hättest du dir vor dreißig Jahren sicher nie gedacht, wie glamourös und international dein Preis einmal werden würde!“ Diesen Satz höre ich zurzeit immer wieder. Das Gegenteil stimmt. Glanzvoll und populär über die Grenzen hinaus war meine Vision der ROMY von Beginn an. Zu einer Gründung gehört Größenwahn.

"Romy? Ein besserer Name fällt dir nicht ein?“ Zusatz: „Ein Filmpreis wie der Oscar bei uns in Österreich? Vergiss es!" Das waren die ersten Kommentare jener Leute, die ich von meiner Idee überzeugen wollte (weil sie damals das Sagen hatten). Kleingläubige Bedenkenträger versus Kreative, das ewige Match.

Es hat dann über zwei Jahre gedauert, bis es gönnerhaft hieß: „Also gut, probier es halt. Es darf nur nichts kosten!“ Weil ein Designer zu teuer gewesen wäre, gestaltete ich die Trophäe selbst. Jahrelang entwarf ich auch die Bühnenbilder, schrieb sämtliche Moderationstexte, alle Laudationes und bei entsprechender Bitte auch die Dankesreden. Zusammen mit meiner damaligen Frau Alke organisierte ich alles. Es war die totale Selbstausbeutung, aber ich persönlich habe davon nicht das Geringste bemerkt. Romy war meine Droge der Wahl. Sie blieb es bis heute. Inzwischen ist freilich ein großes, wunderbares Team aus Künstlern, Managern, Ausstattern und Autoren am Werk. Wir wechselten anfangs jährlich die Schauplätze wie Touristen ihre Urlaubsorte, mit denen sie unzufrieden waren. Die Gründe waren aber nicht Unzufriedenheit, sondern Geldmangel, dafür wachsende Begehrlichkeit von Personen, dabei sein zu wollen.

Wo alles begann

Die erste ROMY-Verleihung fand im absolut atmosphärefreien Atrium des ORF am Küniglberg statt. Die Preisträger standen Spalier, der damalige KURIER-Chefredakteur Franz Ferdinand Wolf und ich überreichten abwechselnd die Preise. Die Zeremonie glich peinlicherweise einer Zeugnisverteilung der Unterstufe.
Aber schon im Jahr darauf war das elegante Palais Auersperg der Schauplatz. Die Räume präsentabel, aber schon von vornherein viel zu klein. Selbst das Zelt vor dem Wiener Rathaus im Jahr darauf wäre auf Dauer zu klein gewesen und so folgten viele ROMY-Galas in der großen Studiohalle am Rosenhügel. Vier schmutzig-schwarze Wände waren zu behübschen, mit knappem Budget eine mörderische Herausforderung. Die Bühne bestand aus sogenannten Praktikabeln – nackte Bretter, die kein Geld bedeuten. Auch die Sophiensäle – seinerzeit mit plüschigem Bordell-Flair – kamen zu Ehren.
 

Mittlerweile ist die ROMY-Gala aus der Hofburg nicht mehr wegzudenken. Der imperiale Rahmen passt wie ein goldener Handschuh. Wem Dankesreden zu banal waren, der oder die sang. Etliche Preisträger haben daher Dankgesänge angestimmt. Am liebenswertesten war Caterina Valente. Sie trällerte a cappella ein langes Lied. Sein Refrain: „Der Preis ist so la la … Ich danke für die Ro-o-o-my, denn den Oscar krieg ich nie!“ Auch Udo Jürgens ließ sich nicht lumpen und stimmte anlässlich seiner Platin-Romy ein Medley seiner Hits an. Mitreißend auch Marianne Mendt, die 1994 sogar bei der Party nach der Romy-Gala für Stimmung sorgte. Etwas enttäuschend hingegen Peter Kraus als Jubiläums-Preisträger im zehnten Jahr. Statt – wie vor wenigen Wochen anlässlich seines 80ers –  den Rock’n’Roller in ihm zu entfesseln, sang er damals ein farbloses, sentimentales Liedchen, das die Stimmung eher trübte.

Tragisch das Schicksal des 1992 preisgekrönten Drehbuchautors Thomas Pluch. Er ging nach seiner wunderschönen Dankesrede zu seinem Tisch, wo er wenige Minuten später an einem Gehirnschlag starb. Man kann sagen, er hat sich über seine Romy zu Tode gefreut.

„Ihr Knie hat mich so freundlich angelacht“

Eine erste Ahnung von „#Me too“ bekamen wir bereits 1996 durch Mausi Lugner, damals noch Ehefrau des bekannten Baumeisters. Ihr schriller Schrei schrieb ROMY-Geschichte. Er galt dem Lebenswerkpreisträger O. W. Fischer, dessen Greisenhand ihr viel zu nahe gekommen sein soll. „Ihr Knie hat mich so freundlich angelacht“, war die Verteidigung des einstigen Frauenlieblings. Zuvor hatte der seine Dankesrede benutzt, um nach Jahrzehnten zwei seiner Affären zu outen. Eine mit Liselotte Pulver (die als Preisträgerin ebenfalls anwesend war und dazu lachte) und eine … mit dem Teenager Romy Schneider.
Dagegen regte der Dreier, den Krimibestsellerautor Friedrich Ani inszenierte, niemand auf. Er bekannte zum Gaudium der Zuhörer: „Ich habe die Romy mit ins Bett genommen. Meine Frau war einverstanden.“

Böser hätte eine Situation ausgehen können, als einmal kriminelle Energie im Spiel war. Raffinierte Fälscher hatten täuschend echte Zutrittskarten für die ROMY angefertigt und damit Unbefugten den Zutritt zur Gala verschafft. Wir merkten es erst wenige Augenblicke vor der ORF-Live-Übertragung, weil zwei Dutzend Gäste hilflos zwischen vollbesetzten Tischen standen. Da aber jeden Moment der vorprogrammierte Kameraschwenkarm knapp über die Tische rasen sollte, bestand tatsächlich akute Gefahr, dass Stehende geköpft werden könnten. In letzter Sekunde brachten geistesgegenwärtige Helfer drei zusätzliche Tische samt Stühlen in den Saal. Der Kriminalfall konnte freilich niemals aufgeklärt werden.
Besondere Heiterkeit löste die Schauspielerin Annika Pages aus, als sie die Laudatio für Regisseur und Kameramann Xaver Schwarzenberger hielt:  „Er hat die Sensibilität, seine Schauspieler zum Höhepunkt … äh … zu Höchstleistungen zu bringen.“ Während ihr Gesicht knallrot anlief, brüllten die Zuschauer vor Lachen.
 

Unvergessen auch Serienheld Reginald von Ravenhorst alias Kommissar Rex. Seine ROMY als Publikumsliebling bekam der deutsche Schäferhund holzgeschnitzt und mit Goldlack überzogen. Allerdings waren drei Trainer notwendig, um das liebe Viech so zu dirigieren, dass es willig die Showtreppe hinaufstieg, ohne mich zu beißen von mir die Trophäe übernahm und sie auch nicht auffraß. Manfred Krug, legendär unter anderem als schlitzohriger Tatort-Kommissar, war Fan des genialen österreichischen Karikaturisten Manfred Deix. Letzterer, wiederum ein Fan von Krug, ließ sich nicht lange bitten, ein Porträt des Platin-Preisträgers zu malen. Aber Deix war berüchtigt als notorisch unpünktlich.
 In der Tat war die Gala fast zu Ende und wir hatten schon nicht mehr daran geglaubt, als er schließlich erschien und das Bild ablieferte. Mit den Worten „Das ist alles nix für mich …“ verschwand er gleich wieder. Krug und wir hingegen waren überglücklich, dass Deix einen Höhepunkt noch höhepünktlicher gemacht hatte. Launig gab sich Mehrfach-Preisträger Thomas Gottschalk: „So eine ROMY gibt einer deutschen Karriere erst den internationalen Touch …“  Einer seiner boshaften Seitenhiebe traf dann eine Nobelpreisträgerin. „Ich möchte Frau Jelinek nicht hindern, in sich zu gehen“, zitierte er die Schriftstellerin. Nachsatz: „Wenn sie wieder rauskommt, gefällt sie gewiss allen besser.“

 

Als bejubelte Laudatoren sangen beziehungsweise reimten die SoKo-Donau-Stars zu Ehren des Publikumslieblings Niavarani unter anderem: „Oh du Schas von Persien, wir sehen dich im Fernsiehen …“
Legendär auch die Dankesrede von Serienstar Wolfgang Fierek, als er mittendrin seiner Freundin Djamila einen Heiratsantrag machte. Tränenden Auges sagte sie laut und deutlich Ja. Otto Waalkes wiederum spielte bei seiner Lobrede auf Ingrid Thurnher auf jene Szene an, bei der er in einer ZiB vor laufender Kamera zwischen ihren Turnschuhen herumgekrochen war: „Heute geht die Romy schon zum dritten Mal an die Dame mit dem entzückendsten Unterkörper, der mir je untergekommen ist!“  
 

Wenn eine Gold-ROMY einmal nicht gleich angenommen wurde, lieferten wir. Christoph Waltz spazierte aus unmittelbarer Nachbarschaft in mein Berliner Domizil und holte sich die ROMY dort ab. Ich überreichte Klaus Maria Brandauer eine in seiner Küche, Uschi Glas bekam sie in ihrem Schrebergarten verliehen, der schon sehr schwer erkrankte Hans Hass zusammen mit seiner Frau Lotte in seiner Wohnung.

Einer ebenfalls von schwerer Krankheit gezeichneten Monika Bleibtreu überreichte ich die ROMY in ihrer Garderobe im Hamburger Schauspielhaus. Sie kam, wie sie war, von der Bühne; ich erkannte sie erst gar nicht in ihrem Kostüm als alter Mann. Das ratlose Publikum übrigens auch nicht.
 

Manche haben einen unersättlichen Hunger auf die ROMY und hadern mit dem Schicksal, nicht jedes Jahr nominiert zu sein. Nobel reagierten hingegen etwa Christiane Hörbiger und Ursula Strauss: Nehmt’s mich bitte aus der Wertung – andere sollen auch eine Chance haben.“
Damit bin ich mit meiner kleinen Beispielsammlung über Sieger, Glanz und Gloria bei der ROMY, aber auch Pleiten, Pech und Pannen zu Ende. Sämtliche Anekdoten könnten freilich noch ganze Bücher füllen. Ich muss sie nur noch schreiben.

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