freizeit
12.05.2018

ISABELLA KLAUSNITZER: ÜBER DEN WOLKEN

Reisen, reisen, reisen - und eine idealer Studenten-Job. Isabella Klausnitzers Erinnerungen an ihre Zeit als Air-Hostess.

Fliegen in den frühen 80ern – das hatte einen heute kaum mehr vorstellbaren Reiz. Es war der Traum von der großen weiten Welt, der Menschen antrieb,  sie zum Fliegen brachte, lange bevor die  Welt in Form von Smartphones in jede Hosentasche passte.  Nur durch Reisen kam man mit  fremden Kulturen und Menschen in Kontakt, und genau das machte Reisen zu etwas unglaublich Aufregendem.

Vor allem auch für eine junge Anglistik-Studentin, die gerade erst von einem viersemestrigen Aufenthalt in den USA zurückgekehrt ist.  Und sich dringend etwas Geld dazuverdienen musste ... Warum also nicht zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen? Während viele meiner Kommilitoninnen in diversen Studentenbeisln kellnerten, versuchte ich es mit einem prinzipiell  nicht ganz unähnlichen, aber „höherem“ und auf jeden Fall aufregenderem Job. Der mich noch dazu an für eine Studentin sonst unerreichbare Ziele bringen sollte. Ich wurde Air-Hostess.

Was hier um einiges einfacher klingt als es tatsächlich war. Die Aufnahmeprüfung war streng, die rein äußerlichen Kriterien, auf deren Grund ausgewählt wurde, waren es auch. Nicht zu klein, nicht zu groß, auf keinen Fall zu dick – das firmeninterne Schönheitsideal entsprach damals in etwa einer jungen Grace Kelly, der man sich mit zu Bananen  hochgesteckten Haaren und viel Haltung anzunähern versuchte. Handwerkliche Fähigkeiten, sowohl was den Service als auch Sicherheitsvorkehrungen anbelangt, waren ebenso hoch im Kurs wie eine Begabung für  Krisenmanagement auf persönlicher und technischer Ebene. Dazu legte die ebenfalls sehr strenge „Chef-Stewardess“ immensen Wert auf den sogenannten „Charming Approach“, wir sollten dem Bild einer perfekten Gastgeberin bei einem gehobenen gesellschaftlichen Event entsprechen. 

Hatte man es dann endlich geschafft und war tatsächlich Stewardess, war man  dementsprechend glücklich – und natürlich  auch stolz. Und ja, man fühlte sich  ein wenig wie eine Gastgeberin, die sich um die Wünsche und Bedürfnisse ihrer Gäste kümmert.

Angst hatte ich nie. Egal, ob’s wetterbedingt so richtig rumpelig wurde oder es beim Landeanflug zu einem „Go-Around“ kam, also dem spektakulären Durchstarten der Maschine, bei dem der Pilot sie unter großem Schub wieder nach oben zieht, weil die Landebahn blockiert ist. Ich war viel eher fasziniert von den Fähigkeiten der Piloten – die damals ja übrigens noch oft mit offener Cockpit-Tür an der Arbeit waren.  Diese Männer hatten eine unglaublich gute Ausbildung, wussten immer, was zu tun war. Und aus meiner Erfahrung wusste ich, dass sie auf jede Situation vorbereitet waren. Mit einigen von ihnen hab ich dann auch die ersten „Flugangst-Seminare“ der AUA erarbeitet.

Die Jahre als Air-Hostess bei der AUA vergingen tatsächlich wie im Flug – und zählen jedenfalls zu den schönsten Zeiten meines Lebens. Mit meinen Kolleginnen an einem nachtschwarzen Wintermorgen über das Rollfeld des Flughafens in Helsinki auf das beleuchtete Flugzeug zuzumarschieren, das geduldig wartete, um uns nach Hause zu bringen. Die heiße Luft Ostafrikas spüren, die einem beim Öffnen der Tür wie ein Saunahandtuch entgegenschlägt.  Nairobi sehen, Teneriffa, Tel Aviv – in Paris zwischen zwei Flügen ganz schnell aus dem Flughafen huschen, um draußen ein Croissant zu essen, Kaffee zu trinken, die Luft der „Stadt der Liebe“ zu atmen. Das ging damals ja noch recht einfach, vor den großen und leider nötigen Sicherheitskontrollen, mit denen wir heute konfrontiert sind.

Abgelöst wurden diese wunderbaren Jahre dann durch noch schönere mit meiner Familie. Die ebenfalls im Flugzeug – wo sonst? – ihren Anfang nahmen. Auf einem Flug von Tel Aviv nach Wien lernte ich den jungen Chef eines damals ebenfalls noch jungen Radiosenders kennen. Klassisch? Da muss ich widersprechen, ich war nicht einmal im Dienst, flog als Stand-by-Passagier vom Urlaub nach Hause. Aus Jerusalem kam die ORF-Crew vom für Österreich katastrophalen Song-Contest in Jerusalem.  Der Komponist Peter Wolf, seine Frau Ina, Sängerin des Beitrags, André Heller, der den Text verfasst hatte. Und Rudi Klausnitzer. Er saß ganz hinten bei den Rauchern, kam aber sehr oft vor, um mit André Heller zu plaudern. Für die Reihe dahinter hat mir der Zufall eine Restkarte beschert. Aber das ist wirklich eine andere Geschichte ...