Mount Fuji, höchster Berg Japans

© Purestock/Getty Images

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03/01/2016

Big in Japan

Neun Tage Japan: Viel zu wenig Zeit, um auch nur zu erahnen, was dieses Land alles sein könnte. Aber genug Zeit um zu erkennen, was es ist: Eine Schönheit, der man sich langsam nähern sollte.

Der europäisch aussehende Mann im Flughafenbus von Narita-Airport Richtung Tokio blättert in einem japanischen Magazin. Erst nach einigen Sekunden fällt ihm auf, dass die Bilder verkehrt herum sind. Eine Szene zum Schmunzeln, die Japan perfekt beschreibt. Willkommen in einer verkehrten Welt, in der Kopf stehen zum Alltag gehört! Diese Welt beginnt am Flughafen-Ausgang auf dem Weg zum Bus nach Tokio. Ohne Anstellen geht in diesem Land nichts. Die Japaner stehen in Reih und Glied und warten auf den Bus. Alltägliche Szenen, da hier fast jeder öffentlich fährt. Denn das Verkehrsnetz gehört zu den besten der Welt. Egal ob Bus oder Bahn, Verspätungen gibt es kaum, Sauberkeit immer. In einigen Tagen werden wir das wieder erleben, wenn wir mit dem Shinkansen, dem japanischen Hochgeschwindigkeitszug, von Tokio nach Kyoto reisen. Er ist das Sinnbild für japanische Gründlichkeit. Nachdem er pünktlich den Bahnhof erreicht, betritt ein rosa gekleideter Putztrupp die Abteile und trimmt den Zug auf neu. Die Damen tauschen sogar die Überzüge der Kopfstützen aus und drehen alle Sitze in Fahrtrichtung. Japaner wollen sehen, wohin sie reisen. Da fährt die Eisenbahn drüber.

Wir besteigen vorerst den Bus. Zwei Arbeiter, die Gepäck verstaut und Tickets verkauft haben, verbeugen sich tief und verharren so, bis der Bus den Terminal verlässt. Wem gilt die Ehrerbietung? Dem Fahrer? Dem Bus? Ratlosigkeit. Reiseleiterin Miko, die uns neun Tage begleiten wird, klärt auf. „Die Verbeugung gilt euch. Bei uns ist der Kunde König.“ Im Laufe der Reise werden wir sie noch oft erleben – die größte Stärke der Japaner neben der Gründlichkeit: Höflichkeit. Unaufhörliches Verbeugen, egal ob man ein Flugzeug verlässt, ins Hotel eincheckt oder einkaufen geht. Dazu haben wir auf dem Tokioter Fischmarkt Tsukiji in der Innenstadt zum ersten Mal Gelegenheit. Nach einem Elf-Stunden-Flug von Wien machen wir eine kurze Pause im Hotel, dann geht es los.

Tsukiji ist der weltgrößte Umschlagplatz für Meeresprodukte, der für Einheimische wie Touristen seit 80 Jahren ein Fixpunkt ist. Ebenso wie für Sterneköche, die sich an exotischen Fischen, feinen Hummern und riesigen Thunfischen nicht satt sehen können. Auf einem Foto vor einem Sushi-Restaurant ist ein Mann mit einem Riesenthunfisch zu sehen. „Das ist Kiyoshi Kimura“, sagt Miko. Der Chef einer Sushi-Kette hat bei der traditionellen Neujahrsauktion, wo die teuersten Thunfische der Welt gehandelt werden, für ein 200-Kilo-Exemplar heuer 108.000 € bezahlt. 1a-PR für seine Restaurants. In Zukunft wird die Auktion aber woanders stattfinden. Der Fischmarkt ist umgezogen, es wurde zu eng. Nun liegt er zweieinhalb Kilometer von der Innenstadt entfernt auf einer doppelt so großen Fläche. Luxus, weil Platz in Japan Mangelware ist. Durch die vielen Gebirge im Landesinneren wird die Bevölkerung ans Meer gedrängt. Wohnraum ist exklusiv. Laut einer 2014 erschienenen Studie ist Tokio die neuntteuerste Stadt der Welt, bei den Mieten ist sie sogar Spitzenreiter. Eine 80-m²-Wohnung in Top-Lage kostet an die 4.500 € pro Monat. Dafür hat man die verrückteste Hauptstadt von allen vor der Tür. Wo gibt es sonst Trainingsgeräte fürs Gesicht, um Falten zu vermeiden? Oder stumme Karaoke-Mikrofone, um die Nachbarn nicht zu stören? Ein Mann, der in der Bar seinen Sake trinkt, während sein Hausschwein an der Leine auf ihn wartet, ist in Tokio normal. Da überrascht auch eine Frau mit zwei Frettchen auf dem Arm nicht. Sie bleibt stehen und streichelt das Schwein, als wäre es ein Hund. Immer wieder kreuzen junge Japaner, die aussehen, als wären sie einem Manga-Comic entsprungen, die Straßen. Nachts machen dann leuchtende Neonröhren die Stadt mit ihren 23 Gemeinden bunt. Neun Millionen Menschen leben hier, rechnet man die umliegenden Regionen mit, sind es 35 Millionen. Kein Wunder, dass Scarlett Johansson, überwältigt von den Menschenmassen und der Fülle an Eindrücken, in „Lost in Translation“, mit dem Zug in Richtung Kyoto flüchtet.

Dort findet man Ruhe in einem der tausenden Tempel und Schreine der Stadt. Es sind so viele, dass es sogar einen eigenen Führer gibt, der sie zusammenfasst. Reiseleiterin Miko hat für uns allerdings die Besuchermagnete ausgesucht. Der Kinkaku-ji-Tempel ist viel zu schön, um ihn für sich alleine zu haben. Ursprünglich eine Reliquienhalle, wurden die oberen Stockwerke des „Goldenen Pavillons“ vollständig mit Blattgold überzogen. Umgeben von einer weitläufigen, mit Bäumen und Sträuchern bepflanzten Grünanlage, liegt der Kinkaku-ji am Rande eines Teichs, in dem massenhaft Kois schwimmen. In Japan gelten sie als Glücksbringer und offenbaren eine weitere Eigenheit der Inselbewohner. Kaum ein Volk ist so abergläubisch wie die Menschen im Land der aufgehenden Sonne. Keine Tempelanlage kommt ohne Verkaufsstände für Glücksbringer aus. Miko hat mehrere davon. Sie trägt Armbänder, die Gesundheit und Glück im Beruf bringen sollen. Ein Schlüsselanhänger soll für Wohlstand sorgen. „Kauft euch einen“, ermutigt sie uns. „Es wirkt.“ Wenn man dran glaubt, bestimmt. Vielleicht im nächsten Tempel, der ebenfalls im Nordwesten von Kyoto liegt. Im Ryoanji-Tempel ziehen wir die Schuhe aus, bevor wir ihn betreten. Schließlich gehört der Zen-Tempel zum Weltkulturerbe „Historisches Kyoto“ und beherbergt den wohl berühmtesten Zen-Garten Japans. Im fein gerechten Kies stehen 15 scheinbar zufällig platzierte Steine. Alles hat seinen Sinn. Um ihn zu verstehen, müsste man aber wohl Monate bleiben. Immerhin: Der Anblick beruhigt. Wenn wir vielleicht einmal im Herbst wiederkommen leuchten die Blätter des japanischen Ahorns in der Tempelanlage rot wie Blut – neben der Kirschblüte im Frühling eines der vielen Naturschauspiele des Landes. Japan hat während aller Jahreszeiten seinen Reiz.

Miko lässt nicht locker. Wir müssen heute unbedingt noch einen Tempel sehen. „Glaubt mir, es zahlt sich aus.“ Als wir den Kiyomizu-dera-Tempel erreichen, ist es schon Abend. Bei Dämmerung ist er besonders schön. Die Anlage wird von bunten Lichtern erleuchtet. Von der einzigartigen Atmosphäre wissen leider nicht nur wir – und so schieben wir uns mit hunderten anderen Besuchern durch die Dunkelheit.

Am nächsten Morgen steht auf dem Weg zur Insel Naoshima noch Okayama auf dem Programm. „Wir besuchen eine der drei größten Gartenanlagen unseres Landes“, sagt Miko stolz und hat nicht zu viel versprochen. Riesige Grünflächen, Bäche und Seen, Wasserfälle, hölzerne Brücken, künstliche Anhöhen – sogar eine Feld zum Reisanbau, eine kleine Teeplantage und Bambuswälder hat der Wandelgarten zu bieten. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Zum Lustwandeln bleibt aber kaum Zeit, weil die Fähre nach Naoshima wartet.

Die Museumsinsel Japans ist eines der Highlights unserer Reise, vor allem, weil der Massenansturm hier noch nicht eingesetzt hat. Der japanische Stararchitekt Tadao Ando hat einzigartige Museen für avantgardistische Kunst entworfen. Auf das Minimum reduzierte Architektur, zeitgenössische apanische und westliche Kunst und ein einzigartiges Hotelmuseum. Dazu zahlreiche Skulpturen und Installationen unter freiem Himmel. Das Kunstmuseum Chichu beherbergt Wasserlilien-Ölbilder von Claude Monet. In den Raum fällt nur natürliches Licht. Die Schönheit der Gemälde lässt sich kaum beschreiben. Doch das schönste Kunstwerk hat die Natur gemalt. Einen Sonnenuntergang in der Bucht, der das Meer orangerot färbt.


Anderntags geht es weiter nach Miyajima, einer Insel 20 Kilometer südwestlich von Hiroshima. Ihr Wahrzeichen ist ein zinnoberrotes Tor aus Holz, Toori genannt, das die Grenze von Profanem und Sakralem markiert. Es steht vor dem Itsukushima-Schrein, einer religiösen Stätte des Shinto. Der Shintoismus gilt in Japan neben dem Buddhismus als bedeutendste Religion. Der Schrein gehört auf Miyajima zum Pflichtprogramm. Genauso wie ein Foto vor dem Toori bei Ebbe, das zahme Wild zu streicheln, das auf der Insel lebt, per Seilbahn die Insel von oben zu sehen und die kulinarische Spezialität von Miyajima, gegrillte Austern zu essen. Selbst wer glaubt, Austern zu hassen, wird sie lieben. Zufrieden geht es zurück nach Hiroshima, wo wir der tragischen Geschichte des Landes begegnen. 70 Jahre sind seit den Atombombenabwürfen auf Nagasaki und Hiroshima vergangen. Der Atombombendom im Friedenspark Hiroshima erinnert noch heute daran. Obwohl das Gebäude nur 140 Meter vom Explosionspunkt der „Little Boy“ entfernt stand, blieb es zum Großteil erhalten. Es wird bis heute in seinem damaligen Zustand konserviert. „Als Mahnmal“, sagt Miko. „Damit wir nie vergessen, wie wichtig Frieden ist.“ Ein schöner Gedanke, um heimzureisen, ein schöner Gedanke, um zurückzukehren.

- An den Namen von Frauen oder Männern wird ein höfliches „san“ angehängt. Gestatten: Barbara san.

- Händeschütteln ist in Japan unüblich. Stattdessen mit geradem Rücken leicht verbeugen.

- In manchen Restaurants gibt es Toilette-Pantoffel. Sie sind nur für das stille Örtchen gedacht und müssen wieder ausgezogen werden.

- Japaner lieben Visitenkarten. Sie gelten als Teil der Persönlichkeit und werden dem Gegenüber mit beiden Händen überreicht.

- Japaner sagen nie Nein. Bitte daher nicht mit außergewöhnlichen Wünschen kompromittieren – und selbst auch nicht Nein sagen.

- Kommen Sie bitte nie zu spät. Zu früh aber auch nicht.

- Naseputzen in der Öffentlichkeit ist verpönt. Man schnieft (leider Gottes) und unterdrückt auch das Niesen, weil es als unhöflich gilt.

- Hotel überbucht? Flug verpasst? Gefühlsausbrüche unerwünscht. Bewahren Sie Haltung und schimpfen Sie nicht. Japaner sind sehr empfindsam.

Essen in Japan ist ein eigenes Kapitel. In typisch japanischen Hotels bekommt man zum Frühstück Misosuppe, Makrelen und andere asiatische Schmankerln serviert. Alleine der Geruch ist frühmorgens gewöhnungsbedürftig. Japanische Restaurants sind auch nicht mit denen in Europa vergleichbar. In Japan gehören etwa Makis mit Garnelenhirn zum guten Geschmack – oder gebratenes Fleisch, das man durch rohes Ei zieht. Oft sind Speisen für Europäer auch nicht definierbar. Überraschungen vorprogrammiert. Wichtige Regeln für den Restaurant-Besuch: Essstäbchen niemals senkrecht ins Essen stecken. Das macht man nur bei Opfergaben für Tote. Wer von einer gemeinsamen Platte nimmt, verwendet das Stäbchenende. Getränke werden von der Begleitung nachgefüllt – und umgekehrt. Sonst gilt man schnell als Säufer. Trinkgeld wird in Restaurants nicht erwartet. Der Service soll immer so gut sein, dass man ihn nicht extra honorieren muss. Und: Asiaten schlürfen! Was für uns unhöflich ist, gehört für sie zum guten Ton.

Anreise: Austrian Airlines fliegen fünf Mal pro Woche von Wien direkt nach Tokio. Preis: ab 633 € hin und retour. Der Flug dauert elf Stunden und startet mittags.

Unterkunft Tokio
Conrad Hotel: Hilton-Gruppe. Highlights sind der Blick auf die Bucht von Tokio und das westliche Frühstück. Zimmer mit Bucht-Blick ab ca. 500 € pro Nacht inkl. Frühstück.conradhotels3.hilton.com

Sightseeing Tokio

Tokyo Skytree: 634 Meter hoher TV- und Rundfunksendeturm. Nach dem Burj Khalifa in Dubai zweithöchstes Bauwerk der Erde. Sensoji-Tempel: Tokios ältester und bedeutendster Tempel. Bootsfahrt: Auf dem Fluss Sumida geht es mit dem Boot bis zum Hamarikyu-Garten. Unbedingt ein Teehaus besuchen.

Unterkunft Kyoto
Hot Spring Hatoya Zuihokaku: Hotel fünf Minuten vom Bahnhof entfernt. Japanische Zimmer und Onsen – heiße Quelle zum Baden – vorhanden. Kein Zutritt mit Tattoos. Sie sind in Japan verpönt. www.kyoto-hatoya.jp/en

Sightseeing Kyoto
Kiyomizudera-Tempel: Besonders bei Nacht sehenswert.
Kinkakuji-Tempel: Mit Blattgold überzogen, an einem See gelegen.
Ryoanji-Tempel: Mit dem wohl bekanntesten Zen-Garten Japans.
Maiko-Experience: Eine Art Lern-Geisha tanzt und singt in Restaurants. Sehr ursprünglich!

Sightseeing Okayama
Korakuen-Garden: Einer der drei größten Gärten Japans.

Sightseeing Naoshima
Museumsinsel: Mit jeder Menge Kunst. und Museumshotel Benesse House. Zimmer ab ca. 300 €.
www.benesse-artsite.jp/en

Unterkunft Hiroshima
Grand Prince Hotel: Mit Blick auf das Seto-Binnenmeer, viele asiatische Gäste.
www.princehotels.com/en

Sightseeing Hiroshima
Friedenspark und Atombombendom.
Hiroshima Castle: Museum mit Möglichkeit, Fotos als Shogun und Geisha zu machen.
Reise zur Insel Miyajima südwestlich von Hiroshima.

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