Flaschenpost
11/13/2020

Barocke Kletzen

Er ist kein Winzerliebling, dafür lässt ihn die Klimaerwärmung kalt: der Zierfandler

von Juliane Fischer

Die Tatsache, dass ich mich zum Zeitpunkt im Casino Baden befand, mag unterbewusst damit zu tun haben. Zur Thermenregion fielen mir Spielkarten ein. Die vier Rebsorten stellen das glücksbringende Kleeblatt des Weinbaugebiets dar: Rotgipfler und Zierfandler als Herz und Ass, Pinot Noir und Sankt Laurent als Pik und Kreuz.


Während ich diese freundliche Assoziation habe, schlägt Kollege Willi Balanjuk scherzhaft bei der Verkostung ein nordkoreanisches Umerziehungslager für Jungwinzer vor. Möglichst viele sollten sich der autochthonen Sorten annehmen. Sie würden sich am Weltmarkt vom 857sten Chardonnay abheben, meint er.

Kein Winzerliebling

Die Thermenregion hatte einmal mehr als 150 Hektar Zierfandler, momentan gibt es zirka die Hälfte. Die regionale Spezialität ist allerdings kein Winzerliebling, denn er will die besten Böden und reift nicht homogen. Innerhalb der Traube sind manche Beeren schon süß und andere noch unreif. Bei der Lese gehört streng selektioniert, die Erträge sind nicht besonders hoch. Dafür lässt ihn die Klimaerhitzung kalt.

Trockenheit kann dem Zierfandler nichts anhaben. Er kombiniert satte Gelbfruchtigkeit mit aromatischer Intensität. Eine Art Riesling-Lebendigkeit lockert die barocke Fülle auf. Und lagerfähig kann er auch sein: Beim 2015er Jahrgang vom Weingut Stadlmann fallen die fünf Gramm Restzucker nicht auf. Die Süße der Jugend ist langsam kandiert. Passend zu den Kletzen, die jetzt bald ins Früchtebrot geschnitten werden.
 

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