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FREIZEIT
08/03/2019

Aufgeblättert: Dichter, Denker & der Wald

Adalbert Stifter war er Heimat. Stephen King ist er Ort des Horrors. Von sagenhaften Spuren und mystischen Momenten in sattem Grün.

von Bernhard Praschl

Manch einer geht  durch den Wald und sieht nichts als Brennholz“, unkte Leo Tolstoi einmal. Der  russische Erzähler konnte damit weder den Waldbauernbuben Peter Rosegger noch   Adalbert Stifter  gemeint haben.  Denn auch letzterer  entpuppte sich literarisch geradezu als kompletter Waldschrat. Man nehme nur seine Romane „Der Hochwald“, „Der Waldsteig“, „Der Waldgänger“. Dazu gibt es zahlreiche Erzählungen, die den Wald im Titel tragen.

Blättert man etwa beim „Hochwald“ ein wenig rein, möchte man gleich losmarschieren. „Dieser auch jetzt noch große Wald hat in seinen Niederungen vornehmlich die Buche, höher hinauf das Reich der Tanne und des ganzen Geschlechtes der Nadelhölzer, und endlich auf dem Grate der Berge auch oft Knieholz, nicht der Berghöhe, sondern der kalten Winde wegen, die gerne und frei hier herrschen.“

Stifter war der erste Entschleuniger“, sagt Ulrike Berger von der Tourismusregion Böhmerwald. Er nämlich erkannte frühzeitig den Wald als Erholungsort und Selbstfindungsquelle. Zu den Bäumen  wandern und sich dabei finden, ist das überhaupt möglich?

Leben in den Wäldern

Ja, durchaus. Zu seinem 202. Geburtstag darf man dabei an Henry David Thoreau erinnern. Der als Sohn eines Bleistiftfabrikanten am 12. Juli 1817 in Concord/Massachusetts geborene US-amerikanische Philosoph und Schriftsteller entwickelte seine Gedankenwelt über den Staat und seine Bürger im Wald. Mitte des 19. Jahrhunderts wurde er mit dem Werk „Walden oder Leben in den Wäldern“ berühmt. Nun, Robert Walser hatte vermutlich  Recht, als er behauptete: „Menschen, die leiden, besuchen gerne den Wald.“

Die Gebrüder Grimm ließen lieber andere im Wald leiden, Hänsel und Gretel zum Beispiel: Die Geschwister werden im Wald ausgesetzt. Ein Thema, das Horrorspezialist Stephen King in seiner Novelle „Das Mädchen“ variiert. Hier verirrt sich die Heldin heillos - im Wald.

Wandern für Worte

Fast fanatisch erwandert Simone de Beauvoir  ab 1931, als sie  Philosophie unterrichtet,  die gesamte Umgebung Marseilles. „Anfangs ließ ich es bei einem Marsch von fünf bis sechs Stunden bewenden. Später stellte ich Touren von neun, zehn Stunden zusammen. Manchmal schaffte ich über vierzig Kilometer.“

Sie schlug sich in Segeltuchschuhen durch Büsche, dichte Farne und kleine Wälder, immer mit einem höheren Ziel –  „jeder Ausflug war ein Kunstwerk.“

Ähnlich der frankophile Peter Handke in seinem Exil bei Paris. Hier mutierte der Dichter geradezu zu einem „Waldmenschen“. Von Spaziergängen über Wanderungen bis hin zu Märschen säumen seine Werke. Nicht zufällig trägt die gelungene Filmdoku von Corinna Belz über den Schriftsteller den überlangen Titel: „Bin im Wald. Kann sein, dass ich mich verspäte."

Einen Baum umarmen

Seit Bruder Baum immer mehr unter den Folgen des Klimawandels leidet, veränderte  sich auch die Motivation der „Waldmenschen“. Der Gang ins Grün dient nicht nur  zur eigenen Erbauung. Der deutsche Förster Peter Wohlleben regte schon vor Jahren an, dass wir  einmal einen Baum umarmen. Weil ER unser Mitgefühl braucht. Und WIR die Natur.

Mit seinem Buch „Das geheime Leben der Bäume“ – 700.000 verkaufte Exemplare – schuf Wohlleben eine neue Generation „Waldmenschen“.

Aber halt, bevor es los geht, leihen wir uns von Stephen King ein Geleitwort aus:  „Die Wälder selbst sind real. Sollten Sie sie im Urlaub besuchen, nehmen Sie einen Kompass, nehmen Sie gute Karten mit ... und versuchen Sie, auf dem Weg zu bleiben.“

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