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Freizeit-Lifestyle
11/14/2020

40 Jahre Rubik's Cube: Der Zauber der Würfel

Brett- und Gesellschaftsspiele feiern derzeit Hochkonjunktur. Die Nachfrage nach dem Würfel von ist ebenso ungebrochen.

von Bernhard Praschl

Man muss weder mit ihm spielen noch ihn besitzen, um ihn zu kennen: Rubik’s Cube, der Zauberwürfel, der vor 40 Jahren die Welt wie im Sturm überrollte.

Zuerst war das Drehpuzzle der Hit in den Kinderzimmern, dann in den Schulklassen und auf Uni-Instituten, bis es die populäre Kultur eroberte: von Auftritten bei der gelben Comicfamilie  Simpsons bis zur Sitcom „The Big Bang Theory“. Jeder siebte Mensch auf der Erde hat angeblich schon mit ihm Kontakt gehabt, das sind über eine Milliarde und vermutlich mehr als jene, die schon einmal eine Schachpartie ausgetragen haben.

Ein Künstler bildete sogar das bekannteste Gemälde der Welt, Leonardo da Vincis „Mona Lisa“, aus tausenden Würfeln nach. So nach dem Motto: Spaß muss sein. Dabei geht es hier um eine hochkomplexe Angelegenheit.

Spielen ist ernst

"In Wahrheit ist Spielen eines der ernsthaftesten Dinge auf der Welt“, behauptet Ernő  Rubik, der Erfinder des aufsehenerregendsten bekanntesten Spieles der letzten Jahrzehnte.  Seine Sucht, in geometrischen Mustern Rätsel zu sehen, plagte ihn schon in der Schulzeit. „Mit Hilfe des Schachspiels wollte ich neue Rätselspiele kreieren oder andere lösen, die es bereits gab.“

Lange äußerte sich der ungarische Bildhauer, Architekt und Designer kaum zu seiner kleinen,  würfelförmigen Großtat. Jetzt hat  sich der mittlerweile 76-Jährige ein paar Lehren aus seinem Leben mit einem seltenen Geniestreich von der Seele  geschrieben.

Superstar wider Willen

Das sinnigerweise „Cubed“ genannte Buch wurde zum Bekenntnis eines Erfinders, den der Spieltrieb in den Status eines Superstars katapultierte – wider Willen. Denn, so Ernő Rubik: „Der ,Cube’ liebt es, im Rampenlicht zu stehen; ich nicht.“ Mehr noch: Er selbst wollte sich am liebsten unsichtbar machen, als das Spiel immer populärer wurde.
„Ich fühlte mich ein wenig wie der alte Holzschnitzer Geppetto, der mitansehen muss, wie seine Schöpfung (Anm. Pinocchio) zum Leben erwacht, mit nichts als Unsinn im Kopf und voller Abenteuerlust“, schreibt der Mann, den seine Erfindung um die Welt reisen ließ, der aber nach wie vor glücklich in seiner Heimatstadt Budapest lebt

Noch erstaunlicher aber ist, dass der Würfel, dieses 3x3x3-Drehpuzzle, nach wie vor so präsent ist. Von Ungarn aus hat es vor mehr als 40 Jahren seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Und nach dem ersten Hype Anfang der 1980er-Jahre wurde es tatsächlich etwas ruhig um das Spiel. Bis das Internet sowie zahllose „Magic Cube“-Apps ihm wieder ein neues Leben einhauchten. Die Spieler heißen seither nicht mehr „Spieler“, sondern „Cuber“.  

Der Boom hält an

„Erst das Aufkommen des Internets brachte die verstreuten Cuber auf strukturiertere Weise zusammen“, erklärt sich Rubik das Phänomen, dass sein Würfel nicht längst ganz unten in den Spieltruhen dieser Welt abgelegt ist.

Man kann die Sache drehen oder wenden, wie man will, es ist erstaunlich,  wie sehr etwa  Cube-Apps boomen.  Es gibt Abertausende von ihnen, ob sie nun „Cubesolver“ heißen, „3D-Cube Puzzle“ oder „Cube Timer“. Sie alle werden genutzt, gerade während dieser langen und oft einsamen Tage, Wochen und Monate.

Natürlich hat es geholfen, dass der Würfel immer wieder auch prominent in Filmen platziert wurde, etwa von Hollywoodstar Will Smith in „Das Streben nach Glück“ oder in  dem Film über Whistleblower Edward Snowden. Aber der Grund, warum er nie aus der Mode kam, liegt tiefer, in uns – im Homo ludens. Wir spielerisch veranlagten Menschen wollen einfach nicht einsehen, dass dieser scheinbar so simple Würfel sich als so komplex entpuppt, sobald wir ihn aus seiner Grundstellung drehen.

Er kann uns ärgern und beinahe verrückt machen, Es gibt  nämlich tatsächlich Trillionen von Möglichkeiten, ihn  zu drehen und zu wenden, bis seine Farben endlich wirklich zueinander passen.   

Beim Schachspiel sei der Wettkampf offenkundig, meint Rubik. „Doch das Spiel mit dem Cube ist etwas von Grund auf anderes. Wir sind allein mit dem Problem. Unser Gegner ist der Cube selbst und sein komplexes Wesen.“

„Ich bin in der Cubertät“

Dabei macht der Würfel auch Spaß. Ernő  Rubik bringt noch immer eine Karikatur zum Schmunzeln, die er in einer Zeitung sah: Sie zeigte ein Mädchen in einem T-Shirt mit der Aufschrift „Ich bin in der Cubertät.“

Die kniffelige Erfindung verschaffte Rubik „finanzielle Sicherheit, noch bevor ich vierzig war“. Aber ein Ausruhen auf diesem Erfolg kam nicht in Frage. Schon allein, weil der Zauber des Würfels ihn immer wieder aus dessen Schatten hervorholte. 2009 erzählte ihm jemand, dass die Milliardäre von Silicon Valley beim Musikfestival „Burning Man“ in der Wüste von Nevada unter einem riesigen „Groovik’s Cube“ gefeiert haben. „Eine voll spielbare, mehr als zehn Meter große Skulptur, die von meinem Puzzle inspiriert war.“

Im Museum of Modern Art

Eine Anerkennung wie diese ist  für einen Erfinder wie Rubik Lohn genug. An all den Abertausenden Applikationen für Smartphones und Tablets verdient er jedenfalls keinen Cent. Dafür ist er mit seinem Cube im Museum of Modern Art in New York genauso präsent wie in den Köpfen zahlloser Spieler.

Rubik: „Dank einer interessanten Mischung aus Komplexität und Allgegenwärtigkeit wurde der Cube zum ultimativen Symbol für Intelligenz und Problemlösung.“

Das ist er noch heute, selbst wenn zur Zeit seiner Erfindung  noch gar nicht absehbar war, dass so viele Möglichkeiten in diesem kleinen Ding stecken. „Der Cube baut auf kognitiven und emotionalen Fertigkeiten auf, die im 21. Jahrhundert von zentraler Bedeutung für Lernen und Erfolg sind“, weiß Rubik. Denn: „Das Lösen des Cubes erfordert und verbessert das visuelle Arbeitsgedächtnis.“

Millionen Fans

Durchforstet man die Internetplattform YouTube nach dem  „Rubik’s Cube“ stößt man auf die Stars der Szene: „Speedcuber“ und all jene, die einem Rätsel dieser ständigen Verschiebung anbieten. Millionen Mal werden diese Clips aufgerufen, einer  21 Millionen Mal. Mitunter staunt da auch  der Erfinder: „Dort habe ich einen 100 x 100 x 100-Cube in Bewegung gesehen!“

Staunen kann man auch über Mateo, den jungen Zauberkünstler, der - siehe YouTube-Clip unten - auf sympathische Weise Schritt für Schritt seine Späße mit dem Würfel treibt.

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