Wie moderne Medizinprodukte bei Herzstillstand Leben retten

Sanitäter laden einen Patienten in einen Krankenwagen.
Jede Minute zählt: Innovative Notfalltechnik und mutige Ersthelfer:innen sichern Patient:innenversorgung.

Medizinprodukte sind ein zentraler Pfeiler der Gesundheitsversorgung in Österreich. Sie stehen oft im Hintergrund, doch ohne ihren Beitrag wären Diagnostik, Therapie, Monitoring und Rehabilitation über die gesamte Versorgungskette hinweg nicht möglich. Die Produktvielfalt ist groß und reicht vom Blutdruckmessgerät in der Ordination über bildgebende Systeme im Krankenhaus bis hin zu Implantaten oder Infusionspumpen. 

Medizinprodukte unterstützen damit standardisierte Abläufe, verbessern die Patient:innensicherheit, liefern objektive Messwerte für klinische Entscheidungen und entlasten Fachpersonal durch präzisere und effizientere Abläufe“, sagt KommRat Mag. Alexander Hayn, MBA, Obmann für den Medizinproduktehandel in der Wirtschaftskammer Wien. 

Wie wichtig das ist, lässt sich auch in Zahlen beziffern: Allein in Österreich erzielen rund 1.800 Medizinproduktehändler jährlich einen Umsatzerlös von etwa 4,6 Milliarden Euro und sind ein wichtiger Arbeitgeber und Wirtschaftsmotor. Gerade angesichts des demografischen Wandels, der Personalknappheit im Gesundheitswesen und steigenden Versorgungsanforderungen sind sie auch ein wesentlicher Hebel, um Qualität, Ergebnisorientierung und Wirtschaftlichkeit miteinander zu verbinden.

Sanitäterin mit Notfallrucksack und Defibrillator bei einem Rettungseinsatz.

In medizinischen Notfällen machen Medizinprodukte die Versorgung schneller, sicherer und näher am Patient:innen möglich.

So retten Ersthelfer und Defibrillatoren Leben

Wie das konkret in der Praxis aussieht, zeigt sich am Beispiel des Rettungsdienstes. Hier entscheidet sich oft in wenigen Minuten, ob ein Mensch überlebt oder wie gut er nach einem Unfall oder medizinischem Notfall weiterleben kann. Medizinprodukte sind in diesem Fall praktische Werkzeuge, die eine Versorgung schneller, sicherer und näher am Patient:innen möglich machen. 

Was das im Falle eines Herz-Kreislauf-Stillstands bedeutet, erklärt Dr. Mario Krammel, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Ärztlicher Leiter der Berufsrettung Wien: „Die Rettungskette bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand umfasst vier Glieder. Die ersten drei betreffen den Ersthelfer, der den Kreislaufstillstand erkennt, mit der Herzdruckmassage beginnt sowie, wenn vorhanden einen Defibrillator einsetzt. Danach folgt die Übernahme durch den professionellen Rettungsdienst, der in Wien im Schnitt in nur sechs bis sieben Minuten am Einsatzort ankommt.“ 

Der Defibrillator ist ein Medizinprodukt, das bei einem plötzlichen Herzstillstand das Überleben sichern kann: Er prüft den Herzrhythmus und kann, wenn das erforderlich ist, einen kurzen Stromstoß abgeben, um das Herz wieder in den „richtigen“ Rhythmus zu bringen. Defibrillatoren gibt es nicht nur im Krankenhaus, sondern sie stehen auch für Laien zur Verfügung. Sie werden als AED – automatisierter externer Defibrillator – bezeichnet und leiten den Ersthelfer mit klaren Sprachanweisungen durch die Bedienung. 

„Am wichtigsten bleibt dennoch, immer sofort 144 rufen und mit der Herzdruckmassage zu beginnen“, sagt Krammel. Zeit ist ein wesentlicher Faktor, denn pro Minute ohne Hilfeleistung sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa zehn Prozent. „Es reicht aber nicht, dass ein Defibrillator verfügbarist. Es braucht auch mutige Menschen, die sich eine Reanimation zutrauen, denn rund 80 Prozent der Ereignisse passieren in den eigenen vier Wänden. Unwissenheit und Angst sind die größten Hemmschuhe.“ Daher wünscht sich der Mediziner, dass Wiederbelebung schon im Schulunterricht auf dem Plan steht.

Ein Mann wird von medizinischem Personal untersucht.

Ein mobiler Ultraschall zeigt die Schwere der Verletzung.

Flächendeckendes Defibrillator-Netz in Wien

Die Laiendefibrillatoren sind in der Öffentlichkeit an vielen Orten 24/7 zugänglich. „In Wien haben wir Pionierarbeit geleistet und rund 1.000 registrierte Geräte im Einsatz. In der Datenbank Definetzwerk.at können Standorte registriert werden, die mit den Leitstellen von Rettungsorganisationen direkt verbunden sind“, beschreibt Krammel. Mit der nahezu flächendeckenden Verfügbarkeit der Medizinprodukte wie etwa in Polizeifahrzeugen, bei Feuerwehren, Banken oder Einkaufszentren und sogar in 60 Wiener Gemeindebauten konnte die Überlebensrate nach einem Herzstillstand um in den letzten Jahren um zehn Prozentpunkte gesteigert werden. 

Hier spielt auch der Verein PULS eine wichtige Rolle, der sich für Aufklärung, Schulung und die Verfügbarkeit der Defis engagiert, denn die öffentlich zugänglichen Geräte helfen nur dann, wenn sie auch gut gewartet um in Ernstfall betriebsbereit sind. PULS hat dazu den sogenannten „Wiener Schrank“ entwickelt – ein System, das öffentliche AEDs technisch überwacht und immer in Echtzeit über die Einsatzbereitschaft informiert ist.

Porträt von Dr. Mario Krammel, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Ärztlicher Leiter der Berufsrettung Wien

„Im Falle eines Herzstillstandes gilt: Sofort 144 rufen und mit der Herzdruckmassage beginnen. Sobald ein Defi zur Verfügung steht – einfach den Anweisungen folgen,“ so Dr. Mario Krammel, Facharzt für Anästhesie und Intensivmedizin und Ärztlicher Leiter der Berufsrettung Wien.

Innovative Medizinprodukte im Einsatz 

Ist die Rettungsmannschaft am Einsatzort, so sind Defibrillatoren und Reanimationshilfen elementare Bausteine in der Rettungskette, weil sie bereits vor Eintreffen im Spital eine lebensrettende Therapie ermöglichen. Während früher die Funktion der Rettungsautos vorwiegend „nur“ derrasche Transport zum Krankenhaus war, sind sie heute top ausgestattet und und haben viele Komponenten aus der Klinik an Bord: Überwachungssysteme, Beatmungsgeräte, Sauerstoffsysteme, Absaugpumpen und medikamentöse Applikationssysteme stabilisieren kritisch Erkrankte während des Transports und der Übergabe. 

„Auch mobile Ultraschallgeräte oder kleine Laborsysteme sind direkt am Einsatzort die Basis für rasche, sichere Entscheidungen. Die Geräte werden immer kleiner und bringen Leistungen, die vor rund zehn Jahren nur im Spital möglich waren. Heute kommen sie mit dem Rettungswagen auf die Straße und damit rasch und sicher zum Patient:innen“, betont Krammel und ergänzt: „Das erfordert auch immer mehr Training und Schulung bei den Einsatzteams.“ 

Für beide Seiten – sowohl das medizinische Personal als auch den Hersteller und Händler von Medizinprodukten – ist die Zusammenarbeit ein zentraler Baustein, um heute schon Medizinprodukte von morgen zu entwickeln: „Der fachliche Austausch und das Feedback aus der Praxis helfen uns, punktgenaue Anwendungen zu entwickeln. Strenge gesetzliche Regulatorien sorgen dafür, dass die Produkte ebenso sicher wie anwenderfreundlich sind“, ergänzt Hayn abschließend.

Porträt von KommRat Mag. Alexander Hayn, MBA, Obmann für den Medizinproduktehandel in der Wirtschaftskammer Wien

„Lebensrettung ist Teamarbeit – zwischen moderner Medizintechnik, bestens geschultem Personal, den Partnerorganisationen, raschen Entscheidungen und einer sehr gut funktionierenden Spitalsinfrastruktur,“ sagt KommRat Mag. Alexander Hayn, MBA, Obmann für den Medizinproduktehandel in der Wirtschaftskammer Wien.

Das rote Logo von WKOI mit dem Slogan „Foto • Optik • Medizinprodukte“.