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12/18/2020

Wirtschaftsstandort Österreich: Mut zum Neustart

Acredia-Vorstände Gudrun Meierschitz und Ludwig Mertes im Interview

Österreich erlebt 2020 den schwersten Wirtschaftseinbruch seit einem dreiviertel Jahrhundert. Wie kann ein Neustart gelingen?

Ludwig Mertes: Zunächst: Ich bin überzeugt, dass uns eine Erholung gelingen wird. Ein Neustart verlangt wirtschaftspolitisches Handeln, das einerseits die Folgen der Pandemie-Krise abfedert und andererseits strategische Maßnahmen zur langfristigen Standort-Stärkung beinhaltet. Es muss beispielsweise gelingen, Mut zu Investitionen zu machen! Die Covid-19-Investitionsprämie ist dazu sicher geeignet, denn damit können aufgeschobene Investitionen rasch nachgeholt oder künftig geplante vorgezogen werden.

Welche Rolle spielt hier eine Kreditversicherung wie Acredia?

Gudrun Meierschitz: Während wir im öffentlichen Leben auf Abstand gehen (müssen), geht es in der Wirtschaft darum, enger zusammenzurücken, in Netzwerken zu arbeiten sowie eine Kreditversicherung wie eine Schutzmaske zu nützen. Covid-19 ist ein Game-Changer! Es liegen zweifellos noch herausfordernde Zeiten vor uns. Unternehmen, die gut auf den Umgang mit Risiken vorbereitet sind, werden sich stark profilieren, sofern sie ihr Unternehmen vor Zahlungsrisiken schützen. Dabei spielen wir als Kreditversicherung eine immer wichtigere Rolle.

Welche Risiken sind durch Corona besonders gegeben bzw. besonders hoch?

Ludwig Mertes: Erstmals sind in einer Krise alle Unternehmen weltweit und gleichzeitig betroffen. Aufgrund staatlicher Interventionen sehen wir meiner Meinung nach erst die Spitze des Eisbergs. Das Aussetzen der Insolvenzanmeldefrist ist dafür ein gutes Beispiel, sie setzt die natürlichen Marktmechanismen vorerst aus. Dennoch muss klar sein, dass diese Schutzmaßnahmen irgendwann auch wieder enden werden, enden werden müssen. Es besteht daher Handlungsbedarf! Wir wissen, dass die größte Sorge von UnternehmerInnen jene vor verspäteten Zahlungen ihrer Kunden ist, ganz einfach deshalb, weil das die schnellsten und spürbarsten Auswirkungen auf die eigene unternehmerische Handlungsfähigkeit hat.

Was ist daher aus Ihrer Sicht notwendig, um diese Risiken zu mindern?

Gudrun Meierschitz: Drei Schwerpunktbereiche spielen dabei eine entscheidende Rolle: Planung, Diversifizierung und die Investition in die Zukunftsfähigkeit!

  1. Planung: Es muss sichergestellt werden, dass zur Risikominimierung im Voraus gearbeitet wird. Dazu gehört die Planung bestimmter Szenarien, ein proaktives Cash-Management und ein guter Einblick in die Situation der eigenen Kunden. Acredia, als Teil des Netzwerkes des weltweit größten Kreditversicherers Euler-Hermes, verfügt über die entsprechende Länder- und Analyseexpertise zur Markteinschätzung. Dabei konzentrieren sich die ExpertInnen der größten österreichischen Kreditversicherung auf die Einschätzung möglicher Konsequenzen und Dominoeffekte.
  2. Diversifizierung: Ein guter Produkt- und Kundenmix ist sowohl unter dem Gesichtspunkt der Risikominimierung als auch unter dem Gesichtspunkt der Einnahmen wichtig. Vergleichbar mit einem Fonds, bei dem man eine Auswahl von Aktien hat und versucht, verschiedene Risikobereiche abzudecken.
  3. Zukunftsfähigkeit: Für eine positive Bonitätsbewertung ist vor allem auch die Beurteilung der Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens entscheidend. Und mit der Erfahrung aus diesem Jahr wissen wir: Digital ist das neue Normal! Daher appelliere ich an den unternehmerischen Mut und die Bereitschaft zur Digitalisierung beziehungsweise zur Implementierung einer tragfähigen Digitalisierungsstrategie!

Wir danken für das Gespräch!

Acredia ist mit einem Marktanteil von 55 % und einem Gesamtobligo von 29,9 Milliarden Euro Österreichs führende Kreditversicherung und schützt als solche offene Forderungen im In- und Ausland. Acredia steht im Eigentum einer Managementholding – 49 % hält die Euler Hermes AG, Hamburg und 51 % die Oesterreichische Kontrollbank AG, Wien. Der Umsatz der Acredia-Gruppe beträgt insgesamt 86,3 Millionen.

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