Wie funktioniert die Lieferung von Autoteilen?
Die Zustellung von Kfz-Ersatzteilen stellt Online-Händler vor besondere logistische Herausforderungen. Verzögerungen, beschädigte Sendungen und unzuverlässige Zustelldienste gehören zu den häufigsten Beschwerden in der Branche. Doch wie gehen führende Anbieter mit diesen Problemen um, und welche Unterschiede gibt es zwischen verschiedenen Anbietern?
Die größten Herausforderungen bei der Zustellung
Laut einer Studie des Handelsverbands Deutschland erleben 42 % der Online-Käufer*innen regelmäßig Probleme mit der Paketzustellung. Bei Autoteilen verschärft sich die Situation durch das Gewicht und die Empfindlichkeit vieler Komponenten.
Typische Problemfelder in der Branche:
Quelle: Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh), 2024
Regionale Unterschiede bei Zustelldiensten
In Österreich variiert die Qualität der Kurierdienste erheblich zwischen städtischen und ländlichen Gebieten. Während in Wien und Graz die Zustellung meist reibungslos funktioniert, berichten Kunden und Kundinnen aus dem Mühlviertel oder dem Waldviertel häufiger von Verzögerungen. Dies ist kein spezifisches Problem einzelner Händler, sondern betrifft die gesamte Branche.
Zahlreiche Anbieter kämpfen mit ähnlichen Herausforderungen. Auf Trustpilot finden sich bei Kfzteile24 Bewertungen wie: „Lieferung dauerte drei Wochen statt der versprochenen fünf Tage“ oder im ATU-Onlineshop: „Paket wurde beschädigt zugestellt, Ersatz dauerte weitere zwei Wochen“. Bei Reifen.com beschweren sich Kunden und Kundinnen über eine fehlende Sendungsverfolgung und vage Liefertermine. Diese Probleme sind branchenweit verbreitet und hängen oft direkt mit der Wahl der Logistikpartner zusammen.
Infrastruktur als Schlüssel zur Lösung
AUTODOC betreibt vier große Lagerstandorte in Berlin, Stettin, Cheb und Gent. Das hochmoderne Lager in Gent, Belgien, wurde 2025 eröffnet und verkürzt die Lieferzeiten nach Österreich erheblich.
Die geografische Nähe der Lager zur österreichischen Kundschaft spielt eine wichtige Rolle: Während Anbieter wie Teilesuche.net oder Motointegrator ihre Waren teilweise aus Fernost oder nur von einem zentralen Standort verschicken, ermöglichen mehrere europäische Lagerhäuser schnellere Reaktionszeiten. Das Lager in Cheb liegt beispielsweise nur wenige Hundert Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt.
Bei Reifen.com berichten Kunden und Kundinnen auf Trustpilot von Lieferzeiten von bis zu vier Wochen, während Kfzteile24 häufig mit Lieferverzögerungen aus ihren Zentrallagern konfrontiert ist. Die dezentrale Lagerstruktur von AUTODOC bietet hier einen strukturellen Vorteil.
Wer trägt die Verantwortung bei Verzögerungen?
Ein oft übersehener Aspekt: Viele Lieferprobleme entstehen nicht beim Händler selbst, sondern bei den beauftragten Zustelldiensten. Sobald ein Paket das Lager verlässt, liegt die Verantwortung bei DHL, DPD, GLS oder anderen Dienstleistern. Wetterbedingte Verzögerungen, Personalengpässe oder technische Probleme in den Verteilzentren der Kurierdienste entziehen sich der Kontrolle der Händler.
AUTODOC überwacht die Zustellqualität kontinuierlich und optimiert die Partnerschaften mit Logistikdienstleistern. Dennoch bleiben externe Faktoren wie Streiks, Naturereignisse oder überlastete Infrastruktur während der Weihnachtszeit Herausforderungen für die gesamte Branche.
Ein Blick auf die Bewertungen anderer Anbieter zeigt: Im ATU-Onlineshop beschweren sich Kunden und Kundinnen über DPD-Zustellungen, die tagelang in Verteilzentren feststecken. Bei Motointegrator berichtet man von verlorenen Paketen durch Hermes.
Dies verdeutlicht: Die Qualität der Zustellung hängt maßgeblich von Dritten ab.
Marketplace-Modell als neue Lösung
Eine interessante Entwicklung stellt das kürzlich eingeführte Marketplace-Modell dar. Lennart Schmidt, CFO von AUTODOC, kommentierte auf LinkedIn: „Not every launch is a growth lever. This one is. This week we launched the AUTODOC MARKETPLACE in Germany and Austria — a smart step toward scaling with capital efficiency and platform leverage.“
Dieses Modell erweitert das Sortiment um Kategorien wie Elektronik, Zubehör und Lifestyle-Produkte, ohne zusätzliches Lagerrisiko. Für Kunden und Kundinnen bedeutet dies potenziell mehr Auswahlmöglichkeiten, für das Unternehmen eine effizientere Skalierung.
Zusätzlich zu Eigenmarken wie RIDEX bietet AUTODOC auch Produkte von Partnern wie goCORE an, was die Verfügbarkeit bestimmter Teile erhöht und Lieferengpässe reduziert.
Die Rolle der Kunden und Kundinnen bei Bestellfehlern
Ein weiterer Faktor wird selten thematisiert: Kundenverantwortung. Viele Reklamationen entstehen, weil Kunden und Kundinnen Teile bestellen, die nicht zu ihrem Fahrzeug passen. AUTODOC stellt umfangreiche Fahrzeugdatenbanken und Kompatibilitätsprüfungen zur Verfügung. Dennoch ignorieren manche Besteller diese Hilfsmittel und beschweren sich anschließend über „falsche“ Lieferungen.
Dies ist ein branchenweites Phänomen. Bei Kfzteile24 und im ATU-Onlineshop finden sich ähnliche Kundenbeschwerden, oft ohne dass die Händler wirksame Präventionsmaßnahmen anbieten. Ein Kunde von Motointegrator schrieb auf Trustpilot: „Falsche Teile geliefert“ – es stellte sich später heraus, dass er die Fahrzeugauswahl übersprungen hatte.
Fortschritte und verbleibende Herausforderungen
Die Branche hat in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Echtzeit-Sendungsverfolgung, verbesserte Verpackungen und präzisere Lieferzeitfenster gehören heute zum Standard. AUTODOC hat in diese Bereiche investiert und arbeitet an der Verbesserung der geschätzten Lieferdaten (EDD).
Dennoch bleiben Herausforderungen: Saisonale Spitzen im Herbst und Winter, wenn Winterreifen und entsprechendes Zubehör bestellt werden, führen regelmäßig zu Engpässen. Auch die „letzte Meile“ in abgelegenen Regionen bleibt problematisch – ein Problem, das alle Versandhändler betrifft.
Im ATU-Onlineshop häufen sich im Dezember Beschwerden über verspätete Lieferungen. Kfzteile24 kämpft im selben Zeitraum mit Lagerengpässen. Reifen.com verzeichnet in der Wintersaison regelmäßig Verzögerungen von mehreren Wochen. Diese saisonalen Schwierigkeiten zeigen: Selbst etablierte Anbieter stoßen an Grenzen.
Fazit
Die Lieferung von Autoteilen ist komplex und fehleranfällig. Kein Anbieter ist perfekt, denn Verzögerungen durch Zustelldienste, Witterungseinflüsse und Kundenfehler betreffen die gesamte Branche. AUTODOC investiert in Infrastruktur und Prozessoptimierung, um diese Herausforderungen zu bewältigen. Die Realität zeigt jedoch: Eine vollständige Kontrolle über alle Faktoren der Lieferkette ist unmöglich, solange externe Partner involviert sind.
Quellen
- AUTODOC Group – About Us: https://autodoc.group/de/about-us/
- LinkedIn-Beitrag Lennart Schmidt (CFO AUTODOC): https://www.linkedin.com/posts/lennart-schmidt-94aa22132_autodoc-marketplace-capitalefficiency-activity-7351855965446545409-MAKK
- Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh): Versandhandelsstudie 2024
- Trustpilot – Kundenbewertungen Kfzteile24, ATU-Onlineshop, Reifen.com, Motointegrator