VMware kaufen: Der Ausweg aus der Abo-Falle

Ein Computerbildschirm mit einer Wolke und einem Wolken-Icon.
Broadcom setzt auf Abos. Doch wer gebraucht VMware kaufen kann, spart massiv Kosten. Eine legale Alternative für Firmen.

Die Übernahme von VMware durch den Chip-Giganten Broadcom Ende 2023 hat die IT-Landschaft nachhaltig erschüttert. Was als strategische Akquisition begann, entwickelte sich für viele langjährige Unternehmenskunden schnell zum Kostenschock. Broadcom stellte das Lizenzmodell radikal um: Die beliebten dauerhaften Kauflizenzen (Perpetual Licenses) wurden gestrichen und durch ein reines Abonnement-Modell (Subscription) ersetzt.

Für viele IT-Abteilungen in Österreich und dem Rest Europas bedeutet das nicht nur einen administrativen Mehraufwand, sondern vor allem massiv steigende Lizenzkosten. Wer seine Virtualisierungsumgebung weiter betreiben will, muss nun regelmäßig zahlen - oft deutlich mehr als zuvor. Doch in diesem Umbruch erlebt ein Nischenmarkt eine unerwartete Renaissance: Der Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen.

Gebraucht VMware kaufen statt mieten

Während Broadcom den direkten Verkauf von Dauerlizenzen eingestellt hat, sind diese auf dem Zweitmarkt weiterhin verfügbar. Unternehmen, die ihre Lizenzen in der Vergangenheit erworben haben, besitzen ein dauerhaftes Nutzungsrecht. Wenn diese Firmen auf andere Technologien umsteigen oder in die Cloud migrieren, werden ihre Lizenzen frei - und können legal weiterverkauft werden.

Für Käufer ist das attraktiv: Sie erhalten genau jene „Perpetual“-Lizenzen (wie vSphere 7 oder 8), die der Hersteller selbst nicht mehr anbietet. Das ermöglicht den Weiterbetrieb bewährter Infrastrukturen ohne den Zwang, auf das neue, oft teurere Mietmodell umzusteigen. IT-Verantwortliche gewinnen so Planungssicherheit und machen sich ein Stück weit unabhängiger von den Preisdiktaten des Herstellers.

Rechtliche Sicherheit durch EU-Urteil

Viele Unternehmen zögern zunächst beim Begriff „gebrauchte Software“. Ist das legal? Die Antwort ist ein klares Ja, sofern man sich im Europäischen Wirtschaftsraum bewegt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat bereits 2012 in einem wegweisenden Urteil (C-128/11) bestätigt, dass der Weiterverkauf von Softwarelizenzen rechtmäßig ist.

Das Prinzip ist einfach: Mit dem ersten Verkauf erschöpft sich das Verbreitungsrecht des Herstellers. Er kann den Weiterverkauf nicht verbieten. Wichtig ist jedoch die korrekte Abwicklung. Experten wie der österreichische Anbieter Software ReUse betonen die Wichtigkeit einer lückenlosen Dokumentationskette.

Damit die Lizenz „audit-sicher“ ist, müssen mehrere Kriterien erfüllt sein:
  1. Die Software muss ursprünglich mit Zustimmung des Rechteinhabers in der EU oder dem EWR in den Verkehr gebracht worden sein.
  2. Die Lizenz muss unbefristet sein (kein Mietmodell).
  3. Der Voreigentümer muss die Software vollständig von seinen Systemen gelöscht haben.
Porträt von Mag. Stefan Tauchhammer, Geschäftsführer von Software Reuse

„Der Kauf von gebrauchten VMware-Softwarelizenzen gewinnt in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten stark an Bedeutung, um IT Budgets zu entlasten.“
Mag. Stefan Tauchhammer, Geschäftsführer von Software Reuse

Wirtschaftliche Entlastung

Der größte Treiber für den aktuellen Boom ist jedoch der Preis. Viele IT-Entscheider wollen heute bewusst gebrauchte Software kaufen, denn diese Lizenzen sind in der Regel deutlich günstiger als der Neupreis der ehemaligen Kauflizenzen - und erst recht günstiger als die kumulierten Kosten eines jahrelangen Abonnements. In wirtschaftlich angespannten Zeiten ist dies ein Hebel, um IT-Budgets kurzfristig zu entlasten, ohne bei der Leistung Abstriche machen zu müssen.

Zudem entfällt der Zwang zu ständigen Updates. Während Abo-Modelle oft Updates erzwingen, die wiederum neue Hardware erfordern können, erlaubt die gebrauchte Kauflizenz das „Einfrieren“ eines funktionierenden Status quo. Das ist besonders für Unternehmen relevant, die stabile Umgebungen für Legacy-Anwendungen benötigen.

Wie der Transfer funktioniert

In der Praxis läuft der Kauf ähnlich ab wie bei neuer Software, nur dass die Lizenzschlüssel aus zweiter Hand stammen. Seriöse Anbieter wie Software ReUse übernehmen dabei die bürokratische Arbeit. Sie prüfen die Löschung beim Vorbesitzer und übermitteln dem Käufer alle notwendigen Nachweise, etwa Auszüge aus dem Broadcom-Lizenzportal und Vernichtungserklärungen.

Für heimische Unternehmen bietet sich hier eine interessante Option: Statt dem Druck des Herstellers sofort nachzugeben, kann der Erwerb gebrauchter Lizenzen als Brückentechnologie dienen. Es kauft Zeit, um langfristige Strategien zu entwickeln - sei es der spätere Wechsel in die Cloud oder der Umstieg auf alternative Hypervisoren. Bis dahin bleibt die „alte“ VMware-Welt dank des Gebrauchtmarktes am Leben - und bezahlbar.