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UBM Development | Anzeige
08/23/2021

Wo New York zu New Work wird

Der neue Co-Working-Space Hammerbrooklyn in Hamburg soll ein Ort der Inspiration und Kreativität sein. In der kuratierten Community ist Leidenschaft ebenso gefragt wie Innovationswille und Zukunftsdrang. Verbunden mit einem Gefühl von Aufbruch, Hoffnung, Zeitenwende.

Upcycling, also die Auf- und Wiederverwertung unbrauchbar gewordener Gegenstände, liegt ja im Trend. Aus alten Fischfuttersäcken werden hippe Rucksäcke. Aus U-Bahn-Rolltreppen Tische und Bänke. Warum sollte dann nicht aus einem früheren Weltausstellungsgebäude eine der spannendsten Büroflächen Deutschlands werden?

Vorzeigeprojekt

Dabei stand der US-amerikanische Pavillon bei der Expo 2015 in Mailand unter massiver Kritik: Der Stahlskelettkonstruktion, die dank ihrer grellen Beleuchtung an das Gambler-Paradies Las Vegas erinnerte, fehle es komplett am Gedanken der Nachhaltigkeit. Doch nach der Demontage (2017), dem Transport über die Alpen und dem Wiederaufbau im 1.100 Kilometer entfernten Hamburg gilt der von Architekt James Biber entworfene Bau plötzlich als Vorzeigeprojekt.

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Seit Mai 2021 wird dem Pavillon nun an einem malerischen Elbkanal, genauer gesagt am Stadtdeich 2 – 4, neues Leben eingehaucht. Mit einer Fläche von 7.317 Quadratmetern auf fünf Stockwerken bildet der Digital Pavillon das Herzstück von Hammerbrooklyn, einem neuen Think Tank in der norddeutschen Hansestadt.

Neues Leben für alte Bretter

Doch damit noch nicht genug der architektonischen Romantik: Die im Gebäude verlegten Holzböden stammen ursprünglich aus dem Staat New York. Sie waren früher Holzplanken des Coney Island Boardwalk, der 2012 durch Hurricane Sandy zerstört wurde, und wurden nach dem Unwetter wieder an den Strand gespült.

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Der Digital Pavillon ist gleichzeitig der Beginn eines wesentlich größer gedachten Projekts und Teil einer ambitionierten Stadtentwicklung. Bis 2028 soll das Areal um vier Gebäude mit einer projektierten Fläche von rund 55.000 Quadratmeter erweitert werden. Eines davon ist der 14 Stockwerk hohe Treetop Tower mit seiner Holz- und Glasfassade. Überhaupt soll bei allen verwendeten Materialien das Thema Nachhaltigkeit eine wesentliche Rolle spielen. Eine klimaneutrale Energieversorgung soll die bauliche Brücke in die Zukunft spannen.

Smart Building mit Affinität für Sensorik

Im Erdgeschoß von Hammerbrooklyn sind Labs, Creative Offices und Tonstudios untergebracht (oder geplant). Auf den Ebenen 1 bis 4 gibt es neben Co-Working-Spaces zum Teil auch Open Spaces sowie Projekt- und Seminarräume. Ganz oben auf Level 4 wartet zusätzlich eine begrünte Dachterrasse. Dazu bietet der Digital Campus eine Town Hall für Veranstaltungen mit bis zu 800 Personen.

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Hammerbrooklyn ist ein Smart Building mit hoher Affinität für Sensorik und jeder Menge Schnittstellen für das Internet-of-Things (IoT). Der Sauerstoffgehalt im Gebäude wird genauso gemessen und geregelt wie die Temperatur. Zudem werden die Bewegungen der Mieterinnen und Mieter über ein Inhouse-Navigationssystem getrackt. Alles datenschutzkonform, versteht sich.

Smart Building mit Affinität für Sensorik

Sinn der Übung ist es, so viele Daten aus unterschiedlichen Technologien wie möglich zu sammeln, um sie in weiterer Folge verwertbar zu machen. Eine eigene App (aus dem Hause Pinestack) hilft, die Community miteinander zu vernetzen, Gruppen zu bilden, Räume zu mieten und Events zu planen.

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Außenstehenden, also Nicht-Hamburgern, mag der Name vielleicht wie ein Marketing-Wortungetüm erscheinen. Er erschließt sich aber, wenn man Hammerbrooklyn genauer verortet – nämlich im Stadtteil Hammerbrook mit seinen vielen kleinen Elbkanälen, angrenzend an die Altstadt und die HafenCity.

Aus der Asche auferstanden

Hammerbrook gehört zum Bezirk Hamburg-Mitte und wurde 1943 von alliierten Flugstreitkräften in Schutt und Asche gebombt. Was nach Ende des Zweiten Weltkrieges lange Zeit brach liegengelassen wurde und praktisch unbewohnt war, verwandelte sich in den 1980er-Jahren unter dem Namen City Süd in einen aufstrebenden Bürostandort.

Verbunden mit einem Gefühl von Aufbruch, Hoffnung, Zeitenwende.

Hammerbrooklyn

Tatsächlich geht es den Projektverantwortlichen mit dem Wortspiel aber um mehr: Der Name Hammerbrooklyn soll eine Brücke zwischen alter Welt – Hamburg – und der neuen mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten – New York – schlagen.

Kein Traum mehr

„Verbunden mit einem Gefühl von Aufbruch, Hoffnung, Zeitenwende“, heißt es auf der eigenen Homepage, könne kein anderer Name das ambitionierte Projekt zwischen Deichtorhallen und Großmarkt so punktgenau beschreiben: „An diesem Ort ist die Stadt der Zukunft nämlich kein Traum mehr, sondern bereits Realität. An diesem Ort wird nicht bloß fantasiert, sondern angepackt und umgesetzt.“

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Als Innovationsmotor steht mit der Factory Berlin einer von Europas führenden Campus-Betreibern hinter Hammerbrooklyn. An zwei Hauptstadt-Locations finden über 150 Startups (und Partner wie Google for Startups, Siemens und Audi) aus mehr als 70 Ländern Raum für kreative Innovationen. Zu den Mietern zählen und zählten Firmen wie Twitter, Uber und SoundCloud.

Neue Welten in Hammerbrooklyn

Geleitet wird die Factory Berlin – und damit auch die Hamburger Dependance Hammerbrooklyn – von den beiden CEOs Martin Eyerer, einem hippen Techno-DJ, und Nico Gramenz, einem früheren Siemens-Manager (Strategieleiter für Mobilität). Ihren Namen verdankt die Ideenschmiede Andy Warhols legendärer 1970er-Jahre „Factory“ in New York, und damit einem Ort, an dem durch unkonventionelle Kollaborationen neue Welten entstehen konnten.

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Nico Gramenz weiß, warum Kreativzellen wie die Factory und Hammerbrooklyn auch für internationale Konzerne von großer Bedeutung sind: „Sie suchen zunehmend die Nähe zu unserem Netzwerk. Sie wissen, dass sie hier Inkubatoren finden, um ihre zum Teil überholten Geschäftsmodelle und -prozesse einem Zukunftstest zu unterziehen. Ich war ja selbst sehr lange bei Siemens und weiß daher, wie träge große Strukturen in Sachen Innovation und Veränderung sind.“

Kuratierte Community

Dafür, ergänzt Kollege Eyerer, reicht es aber nicht, einfach nur Büroflächen zu vermieten. Das entscheidende Stichwort lautet kuratierte Community: „Wir suchen Menschen mit Innovationswillen und Zukunftsdrang, die bereit sind, sich selbst einzubringen, dem Netzwerk etwas zu geben und Wissen zu teilen. Diesen Effekt erreichen wir nicht, wenn wir einfach nur Tische und Stühle aufstellen und diese dann vermieten. Klar gehören auch die Räume dazu, aber der Kern unseres Business besteht darin, die Leute aktiv zusammenzubringen und ein relevantes soziales Netzwerk aufzubauen.“

Wir suchen Menschen mit Innovationswillen und Zukunftsdrang.

Martin Eyerer

Ein wichtiger Baustein am Weg zum passenden Netzwerk war in den vergangenen Monaten verstellt, sollte aber schön langsam wieder zum Erfolg führen: In der Factory Berlin fanden vor Ausbruch der Corona-Pandemie rund 400 Veranstaltungen pro Jahr statt. Martin Eyerer fasst die Philosophie und Hoffnung für die Zukunft des vernetzten Arbeitens knapp zusammen: „Der Funke der Begeisterung muss überspringen. Das geht am besten bei Events. Denn gute Leute bringen gute Leute mit.“

Text: Hannes Kropik Fotos: Hammerbrooklyn, Factory Berlin, Julia Schwendner

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