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11/08/2021

Wo Landepisten zu grünen Boulevards werden

Ein internationales Konsortium rund um Karres en Brands hat die Ausschreibung für die Umwandlung des aufgelassenen Flughafens Saratow Centralny gewonnen. Die neue russische Megastadt wird über viel Parkfläche und diverse Wohntypologien verfügen. Jetzt kann’s mit dem Bau losgehen.

Es ist eigentlich naheliegend: Dass bereits vorhandene Start- und Landebahnen die späteren Straßen eines entstehenden urbanen Zentrums werden. Schließlich lassen sich die Pisten leicht als Ausgangspunkt für künftige Verkehrs- und Lebensadern planen und nehmen.

Aber, so wie im kongolesischen Walikale, wo Straßenverkehr und Luftfahrzeuge sich die normalen Straßen teilen, ist es im Fall von Saratow, einer Stadt im europäischen Teil Russlands an der mittleren Wolga, nicht: Der internationale Flughafen Saratov-Tsentralny, mit einst vereinzelten Direktverbindungen ins Ausland sowie regelmäßigen Flügen in andere russische Metropolen, wurde bereits 2019 stillgelegt.

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Flugplatz als Ausgangspunkt für das neue Saratow

Und der aufgelassene Flugplatz ist nun Ausgangspunkt für ein neues, urbanes Stadtviertel. Für dessen Gestaltung hat sich das internationale Konsortium aus Karres en Brands, Mandaworks und Kosmos gemeinsam mit Citymakers mit dem Vorschlag „Weaving Saratov" bei einem großen internationalen Wettbewerb durchgesetzt. Eingereicht haben nicht weniger als 67 Teams aus 24 Ländern.

Das Team erhielt außerdem den Zuschlag für die Gestaltung des „Öko-Stadtparks” im Herzen Saratows. Zusammen werden diese beiden Schlüsselideen „neue Maßstäbe für nachhaltiges Stadtdesign und State of the Art-Praktiken sowohl im öffentlichen Raum als auch in der Stadtplanung setzen”, heißt es.

„Weaving Saratov” (dt. etwas weben, verflechten) kombiniere groß angelegte Stadtentwicklung mit Landschaftsökologie und architektonischen Eingriffen für ein Modell der russischen Stadt des 21. Jahrhunderts.

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Fünf Kerngebiete der neuen Stadt Saratow

Auf dem insgesamt 688 Hektar großen Areal soll die Stadt Saratow neu erblühen, indem ihre Verbindung mit der natürlichen Umgebung als auch mit dem kulturellen Erbe hergestellt wird. Vor allem Letzteres kann sich sehen lassen: Saratow wurde 1590 als Zarenfestung gegründet. Zuvor war die Stadt „Hauptstadt“ der Goldenen Horde, eines historischen mongolischen Teilreichs in Osteuropa und Westsibirien. Während ihrer Blütezeit im 19. Jahrhundert gehörte die Stadt zu den größten des Russischen Reiches.

An den ehemaligen Glanz scheint man wieder anknüpfen zu wollen. Dafür wurden fünf Kernareale definiert: Ein neuer 240 Hektar großer Stadtteil direkt auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens, ein 275 Hektar großer Öko-Park auf Ostrov Zeleny (Grüne Insel), der Park Pobedy (Siegespark), die Glebuchev-Schlucht (Glebuchev Ovrag) sowie die Pokrovskie Peski Insel. Sie werden die verschiedenen urbanen und ökologischen Ansprüche des neuen Saratow vereinen.

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Den Rahmen gibt – wie gesagt – die vorhandene Flughafeninfrastruktur vor. Aus den Start- und Landebahnen werden die wichtigsten öffentlichen Verkehrsadern, die stillgelegten Flughafen-Gebäude werden in öffentliche Räume umgewandelt. Die neuen „grünen Arterien”, die begrünten Boulevards, erstrecken sich über das gesamte Planungsgebiet und darüber hinaus – und stellen so die Verbindung zum Umland her.

Klimaschutz darf spielerisch sein und Spaß machen

Auf einer Fläche von mehr als drei Millionen Quadratmetern entsteht im Nutzungsmix aus Wohnungen und Geschäften ein attraktiver Stadtkern mit öffentlichen und kulturellen Einrichtungen sowie Freizeitangebot.

Das grüne Erholungsnetz, das die vier Parks bilden werden, fördere die biologische Vielfalt und trage zum Klimaschutz bei, betonen die Planer bei Karres en Brands.

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In der Glebuchev-Schlucht leitet einen Großteil des Regenwassers von Saratov in die Wolga und bildet derzeit eine Barriere zwischen dem historischen Zentrum und den neuen Stadterweiterungsgebieten im Osten, einschließlich des Flughafengeländes.

Sie fungiert auch als natürliches Becken für Wasserspeicherung, -versorgung und aufbereitung. Künftig stehen den Bewohnern dort „aufregende Möglichkeiten für Spiel und Freizeit” zur Verfügung: Plazas, Museen, Spielplätze, Terrassen-Cafés, .... Die zahlreichen Brücken und Fußwege mäandern sich zum Wolga-Ufer und heften dabei die jeweils gegenüberliegenden Seiten der Stadt gleichsam zusammen.

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Der Pobedy-Park mit seinem komplexen System von Wegen und Hanggärten helfe, Erdrutsche zu verhindern. Der derzeit noch etwas isolierte Hügel wird künftg unter anderem dank einer Seilbahn leicht zugänglich sein. Oben befindet sich ein Militärmuseum, dessen Ausstellungsstücke sich in die gartenähnliche Landschaft integrieren.

Inseln als Öko-Natur-Juwel

Die Peski-Insel wird mit zahlreichen Piers und Ponton-Brücken vor Erosion geschützt. Mit den malerischen Dünen und dem umfassenden Sport-Angebot werde die Insel zum Anziehungspunkt für die Erholung suchenden Stadtbewohner. Die Zelenyi-Insel bleibe das „ökologische Juwel in der Mitte der Wolga”, wo der Lebensraum für Flora und Fauna erhalten bleibt und dem Menschen nur ein Minimum an Wegenetz Öko-Wanderungen und naturnahes Campen ermögliche.

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In den kommenden zehn Jahren soll sich so das alte Flughafen-Gebiet schrittweise zu einem pulsierenden, modernen städtischen Lebensraum mausern. Die einst deutlich abgesetzten einzelnen Areale werden sich zu einem gut durchdachten gemeinsamem Ganzen mit hoher Lebensqualität verweben.

Text: Linda Benkö Renderings: Karresen Brands, Mandaworks, Kosmos, VividVision, Fronttop

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