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UBM Development | Anzeige
09/13/2021

Wenn Grenzen verschwimmen

Um den Blick auf den landwirtschaftlichen und technologischen Fortschritt Chinas zu lenken, haben CLOU Architects das Sanya Farm Lab entwickelt. Ein Museum mit Bonusmaterial.

Welche Prioritäten ein Land oder eine Stadt für sich setzt, lässt sich daran erkennen, was bewusst zur Schau gestellt wird. Es verwundert also nicht, dass in der Audi-Heimat Ingolstadt ein spektakuläres Automuseum steht. München wiederum präsentiert sich mit dem weltgrößten Technikmuseum als Mekka deutscher Fertigungskunst. Und Wien zeigt in weltberühmten Häusern Kunst und Kultur.

Landwirtschaft vor den Vorhang

Man wird umso neugieriger, wenn eine international berühmte Tourismusregion wie Sanya in China mit einem Landwirtschaftsmuseum namens Sanya Farm Lab aufhorchen lässt. Im Nanfan-Bezirk haben CLOU Architects ein 4000 Quadratmeter großes Objekt errichtet. Es bietet auf vier Etagen Ausstellungsflächen zu landwirtschaftlichen Themen. Ein Bau, der aktuell in der Architekturwelt für Aufsehen sorgt. Und etwa beim Loop Design Award soeben besonders hervorgehoben wurde.

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Dazu später. Kommen wir zurück zum Motiv, ein derartig groß dimensioniertes Museum der Agrikultur zu widmen. Tatsächlich hat sich der Nanfan-Bezirk von Sanya in den vergangenen Jahren zu einem Zentrum wissenschaftlicher Forschung im Bereich der tropischen Landwirtschaft entwickelt. Sagen die Bauherren.

Fragen und Lösungen

Die örtliche Regierung investiert intensiv in die Erforschung von Umweltveränderungen. Versucht Lösungen für Land- und Wasserknappheit zu finden. Und Fragen der Nahrungsmittelproduktion zu beantworten. Außerdem steigt in Chinas Mittelschicht der Wunsch, sich stärker der Natur und den ländlichen Gebieten zuzuwenden. Zurück zum Ursprung. So könnte man den Trend, den man in dieser Region verzeichnet, in drei Worten beschreiben.

Sanya Farm Lab sucht Antworten

Genau darauf reagiert man nun mit dem Sanya Farm Lab. Und das auf eine Art und Weise, die das Wort Museum wohl nicht wirklich beschreibt. Auch wenn es dafür zumindest in den Übersetzungen herhalten muss.

Vielmehr bestand die Aufgabe für das Architekten-Team darin, ein Areal zu schaffen, das Hightech-Ausstellungen über Themen wie landwirtschaftliche Robotik und vertikale Indoor-Landwirtschaft genauso ermöglicht. Stichworte wie Farm-to-Table-Erfahrungen fallen. Sprich: hier soll den Besuchern nicht nur gezeigt werden, wie das Essen auf den Teller kommt. Sie sollen vor Ort erleben können, wie das passiert. Nach dem Motto: Wer das Zentrum betritt, wird selbst zum Farmer. Der Gast verspeist am Ende die Früchte seiner eigenen Saat.

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Die Architekten erklären ihre Herangehensweise so: „Der Wunsch unseres Entwurfs ist es, die fortschrittlichen Technologien der Öffentlichkeit in Echtzeit zu präsentieren. Es soll der Fortschritt verdeutlicht werden, durch den landwirtschaftliche Technologien unseren Lebensstil prägen.“

Das Design kombiniere die klimatischen Eigenschaften von Sanya. Es integriere die regionalen wissenschaftlichen und technologischen landwirtschaftlichen Elemente. Zudem schaffe es ein multifunktionales Forschungsgelände neben einer kommerziellen Ausstellungsfläche.

Forschung neben der Show

Es geht also nicht nur darum, modernste Errungenschaften zur Schau zu stellen. Vielmehr soll hier an dem geforscht werden, was uns morgen nachhaltiges Essen bescheren wird. „Das Hauptaugenmerk des Sanya Farm Lab liegt darauf, die Grenzen zwischen drinnen und draußen zu verwischen. Es soll die Kommunikation und Interaktion der Besucher innerhalb und außerhalb des architektonischen Gebäudes maximieren“, heißt es.

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Was man sich darunter aus architektonischer Sicht vorstellen kann, wird anhand der verwendeten Baumaterialien und ihrem intelligenten Einsatz offensichtlich. Holz und Glas dominieren den Bau. Beide werden so genutzt, dass sie möglichst viel Transparenz erzeugen. Und gleichzeitig den Betrieb des Baus emissionsreduziert ermöglichen.

Wo Licht, da auch Schatten

So ist das Objekt als eine Zusammenstellung aus drei kubischen Hauptteilen gedacht. Diese hat man so ineinander verschachtelt, dass natürliche Auskragungen entstehen. Sie schützen die teilweise öffentlichen Bereichen vor Regen und Sonneneinstrahlung. Zudem wurden die gläsernen Raumquader mit einer 80 Zentimeter tiefen Dachgitterstruktur aus Holz eingerahmt.

Das sieht nicht nur imposant aus. Diese Maßnahme absorbiert das eindringende Sonnenlicht um ganze 70 Prozent. Vor allem aber würde so an jeder Stelle des Gebäudes ein ungehinderter Blick in die umliegende Natur ermöglicht werden.

Alter Tradition entlehnt

Doch dieses gigantische Holzgitter ist keineswegs eine neue smarte Erfindung der Planer und Konzeptionisten. Vielmehr ist es eine Weiterentwicklung der traditionellen Fassaden von Häusern der Li-Minderheit, die in dieser Region lebt.

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Auf diese Weise will man die Grundidee des Sanya Farm Lab architektonisch einzementieren. Das Verschwimmen von Grenzen. Zwischen Stadt und Land. Technik und Landwirtschaft. Produzenten und Konsumenten. Und zwischen ungleichen Bevölkerungsgruppen. Alles Aspekte, die dieser Region Chinas offenbar besonders wichtig sind. Sonst würde man sie nicht zur Schau stellen wollen.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: v2com; CLOU Architects & SAN LAB

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