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09/08/2021

Wahrzeichen unserer Zeit

Die Architekten von Snøhetta haben für die chinesische Metropole Shenzhen ein Bauwerk in Form einer Satellitenschüssel entworfen. Unter dem Namen „Lunar“ soll es als Wahrzeichen die Zeit in der wir leben spiegeln.

Es ist wohl ein Begriff, den sich Städte sehr gerne für spektakuläre Bauten schnappen. Es sind oftmals Objekte, die das jeweilige Stadtoberhaupt als immerwährende Duftnote in der Welt hinterlassen möchte. Wahrzeichen.

Aber wenn man den Begriff etwas ernster nimmt und in der Geschichte ein paar Hundert Jahre zurückblättert, bekommt diese Bezeichnung einen gänzlich anderen Anstrich. Sie wurden seit jeher als Orientierungshilfen und Erkennungszeichen errichtet. Gerade in der Historie des Handwerks spielten diese Städtewahrzeichen eine große Rolle. Sie ermöglichten es den wandernden Gesellen durch die Kenntnis der Wahrzeichen ihren Aufenthalt in fremden Städten zu belegen.

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Nun haben die Architekten von Snøhetta eine eigene Definition eines „Wahrzeichens“ gefunden. Eine, die sich jedoch eher an der ursprünglichen Idee anlehnt als an der leichtfertigen Verwendung des Wortes. „Ein Wahrzeichen ist ein Produkt seines Kontextes. Es ist eine Manifestation der Technologie seiner Zeit. Ein Wahrzeichen markiert sein Land, aber auch seine Zeit,“ sagen Snøhetta.

Lunar als Wahrzeichen für Raum und Zeit

Der Grund für diese architektonisch getriebenen Überlegungen liegt naturgemäß in einem eigenen Projekt, um dessen Realisierung man gerade rittert: Beim Designwettbewerb der chinesischen Stadt Shenzhen und deren Stadtteil Qianhai reichten sie ihr Konzept „Lunar“ ein. Ein Bauwerk, das als Wahrzeichen gedacht ist. Das als markantes Merkmal für die Region – aber eben auch für die Zeit, in der wir leben, konzipiert ist.

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Inspiriert von der technologiegetriebenen Vergangenheit und Zukunft der Stadt, soll Snøhettas Plänen nach schon bald eine gigantische Satellitenschüssel die Skyline der Stadt prägen. Sie soll für das Zeitalter, in dem die Menschen dieser Stadt leben, stehen. Für Technologie. Daten. Und den digitalen Transfer derselben. Das Studio freilich sagt nicht Satellitenschüssel zu ihrem Design. Es formuliert folgendermaßen: „Die Daten der Greater Bay Area und sogar des ganzen Landes werden durch diesen einen Mond reflektiert. Durch Lunar.“

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Für ihr Designkonzept hat sich das Architekturbüro eben intensiv mit Fragen wie "Was ist ein Wahrzeichen? Markiert ein Wahrzeichen das Land? Oder kennzeichnet es seine Zeit, seine Epoche?" beschäftigt. Entstanden ist das nun präsentierte Konzept schlussendlich aus der Beantwortung dieser Fragen durch das Architekturstudio.

Lunar als Schiff mit Daten an Deck

Dieses Objekt beschreibe auf einen Blick, dass die Stadt historisch gesehen als das Pilotgebiet der nationalen Politik Chinas gilt. Und seit über 500 Jahren mit der Außenwelt in Kontakt steht. Also führen Snøhetta weiter aus: „Das Lunar ist ein Überbleibsel eines Schiffes, das Daten in die Welt und für die Welt überträgt".

Parallelen zum Eifelturm

Selbstbewusst ziehen die Star-Architekten in ihrer offiziellen Beschreibung gar eine Parallele zu einem der berühmtesten Wahrzeichen der Welt. Ähnlich wie der Eiffelturm nach seiner Fertigstellung zu einem, für die ganze Welt sichtbaren Symbol der industriellen Leistungsfähigkeit Frankreichs wurde, seien wir nach 130 Jahren nun im Zeitalter der Daten angekommen. Und Lunar würde eben dies verkörpern.

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Einziges Problem bei der ganzen Sache: Aus dem Wettbewerb ist bis dato kein Sieger hervorgegangen. Vielmehr entschied sich die Jury dafür, auf die Verleihung eines "ersten Preises" zu verzichten. Stattdessen zeichnete sie sowohl Snøhetta als auch ein Konzept von Architekten Sou Fujimoto aus.

Wann wird was gebaut?

Welches Konzept nun gebaut wird, steht noch in den Sternen. Aber wenn man sich die jüngste Vergangenheit von Shenzhen ansieht, darf man getrost hoffen, dass beide Projekte realisiert werden. Schließlich gibt es gefühlt aktuell keine andere Stadt auf unserem Planeten, in der so viele spektakuläre Projekte gleichzeitig realisiert werden wie in dieser. Und da darf ein waschechtes Wahrzeichen wahrlich nicht fehlen.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Snøhetta

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