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UBM Development | Anzeige
01/10/2022

So einfach kann smart sein

Man muss nicht zwingend High-Tech-Sensoren verbauen, um ein cleveres Büro hochzuziehen. Das beweisen die Planer von Infinitive Architecture bei The Vibes Office in Vietnam.

Wenn die zwei Schwierigkeiten vor, denen man als Architekt steht, „kleines Budget“ und „schlechte Lage“ sind, dann weiß man noch vor dem ersten Strich auf dem Reisbrett: Hier ist eine besondere Form der Kreativität gefragt. Vor allem, wenn es sich bei dem Projekt um ein Büro handelt, in dem Mitarbeiter möglichst konzentriert arbeiten und sich dabei auch noch wohlfühlen sollen.

The Vibes Office: Einmal Urlaub bitte!

Vor eben dieser Situation standen die Planer von Infinitive Architecture in An Phu in Vietnam. In einer engen Wohnstraße sollte mit möglichst geringem Aufwand ein trotzdem smartes Bürogebäude errichtet werden. Dabei sollte vor allem auf das Raumklima und das Wohlbefinden der zukünftigen Angestellten eingegangen werden. Vereinfacht ausgedrückt: Die Bauherrn wünschten sich, dass das neue Office eine konstante Urlaubsatmosphäre ausstrahlen sollte.

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Vor diesem Hintergrund entschieden sich die Architekten gleich einmal dazu, das gesamte Vorhaben in mehrere Zonen zu unterteilen. Und das gar auf Kosten der zur Verfügung stehenden Fläche. „Die Hauptfassade wurde weit nach hinten in das Grundstück hineinversetzt, um gleich einmal eine Pufferzone zur Straße zu generieren“, erklären die Planer ihr Grundkonzept. Zudem wurde der Zugang zum Foyer des gesamten Komplexes in weitere Raumeinheiten unterteilt: einem Vorgarten, einem schattigen Eingangsbereich und einem zentralen Garten.

So will man sicherstellen, dass sich jeder, der The Vibes Office, wie das Projekt offiziell heißt, besucht, spätestens beim Betreten der eigentlichen Bürosituation nicht mehr wie in einer Wohngegend fühlt. Vielmehr sollten die Menschen auf Anhieb in eine Art Oase entführt werden, die keinesfalls an Stress, Druck und harte Arbeit erinnert.

Wasserspiel und Pflanzen als Hilfsmittel

Um diesen Effekt zu maximieren, spaziert man nun flankiert von einem plätschernden Wasserspiel Richtung Foyer. Dieses wiederum verbirgt sich hinter grün-gelben Mandevilla-Pflanzen. Das sind kletterfreudige Gewächse, die schon kurz nach der Fertigstellung die gesamte Fassade für sich eingenommen hatten. Somit betritt jeder Mitarbeiter seine Arbeitswelt durch einen Blütenvorhang.

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Doch diese biologische Maßnahme hat nicht bloß psychologische Effekte. Vielmehr wird durch die Pflanzen in Kombination mit den unterschiedlichen Zonen des Objekts die Luft allmählich angepasst, um ein angenehmes Raumklima im Inneren zu schaffen. Auch das bereits erwähnte Wasserspiel trägt dazu bei. Schließlich wollte man von vornherein die Hitze der südvietnamesischen Sonne möglichst natürlich unter Kontrolle bringen.

Es ist ein Experiment, bei dem Architektur auf andere Art und Weise funktioniert, als wir es gewohnt sind.

Infinitive Architects

Das gelang zusätzlich durch das abgehängte Dach. Es schafft mit einer Fläche von über 200 m² einen schattigen Pufferraum zu den darunter liegenden Öffnungen im Grundriss. Diese sind allesamt als kleine Freiflächen konzipiert, die das Objekt in sich immer wieder brechen. Einerseits, um den Menschen jederzeit die Möglichkeit zu bieten, frische Luft zu schnappen. Und andererseits, um eine natürliche Luftzirkulation im gesamten Gebäude zu ermöglichen.

Natürliche Belüftung und Beleuchtung

So gelingt es, tatsächlich alle Räume natürlich zu belüften. Gleichzeitig strömt durch die konsequente Überlappung von Innen- und Außenbereichen in alle Räumlichkeiten auch natürliches Licht. Um der Hitze auch über die Erwärmung von Wänden keine Chance zu bieten absorbiert ein über die gesamte Fassade gespannter Sonnenschutz aus Bambus einen Großteil der Wärmestrahlung. Im Zusammenspiel mit diesen smarten Überlegungen werden quasi ganz nebenbei der Energieverbrauch für Beleuchtung und Klimaanlagen drastisch reduziert.  

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Doch die Bambushaut generiert für die Mitarbeiter nicht nur einen positiven Effekt hinsichtlich des Raumklimas. In Kombination mit transparenten Trennwänden im Inneren von The Vibes Office führt sie auch zu visuellen Effekten in den Arbeitsbereichen. Durch die wandernde Sonne entsteht so überall ein sogenannter Moiré-Effekt. Also ständig wandernde geometrische Schattenspiele, die eher an einen Unterschlupf am Strand erinnern sollen als an eine Schreibtischsituation.

The Vibes Office mit Special-Effects

Ein Hauch von Urlaubsfeeling, der zudem auch akustisch verstärkt wird. In die Bambushaut hat man nämlich Schallkugeln integriert, die bei jeder leichten Brise Wind sachte Vibrationsklänge von 20 bis 30 Dezibel in die Räume tragen. „Der verwendete Mechanismus ähnelt dem traditionellen vietnamesischen Musikinstrument „T'ru'ng oder einer Art Vibraphon“, erläutern die Architekten.

Das Auf- und Abschwellen dieses sanften Sounds sollen nicht nur sprachbildlich für Einklang unter den Bürokollegen sorgen. „Es ist ein Experiment, bei dem Architektur auf andere Art und Weise funktioniert, als wir es gewohnt sind“, sagen Infinitive Architects. Und zwar durch natürlich generierte Bewegungen und Klänge. Spätestens jetzt ist auch sonnenklar, warum dieses bioklimatische Bürogebäude The Vibes Office heißt.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: Infinitive Architecture

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