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07/26/2021

"Smart ist, wenn etwas mit mir kommuniziert"

Alan Hofmann ist Bauingenieur und Holzbaumeister aus Österreich. Mit seinem Unternehmen Woodplan füllt er eine digitale Nische bei internationalen Bauprojekten aus. Im Interview erzählt er, was er unter einem intelligenten Office versteht und wie smart ein Büro im Altbau sein kann.

Woodplan ist ein höchst vernetztes Unternehmen. Das Büro in Österreich fungiert als Drehscheibe für die Planung, Entwicklung und Umsetzung von Holzbauten. Es ist die Kommunikationsbrücke zwischen den verschiedenen Teilhabern an einem Projekt: Architekten, Statikern, Bauherren und Baufirmen. Die Bandbreite der Leistungen reicht vom digitalen Abbild eines realen Gebäudes bis zur maßfertigen und mit QR-Code erfassten Auslieferung des Materials.

Hoch und smart

Einen Großteil seiner Kunden hat Geschäftsführer Alan Hofmann in Skandinavien, wo mehrstöckige Bürogebäude aus Holz mittlerweile zum alltäglichen Erscheinungsbild gehören. So hat sich sein norwegischer Business-Partner Woodcon im höchsten Holzhaus der Welt ein besonders smartes Office eingerichtet. Hofmann und sein neunköpfiges Team residieren hingegen in einem Altbau-Büro in der Grazer City im Süden Österreichs. Aber auch das hat seine Vorzüge, wie er im Gespräch berichtet.

Wie smart lässt sich Holz in Gebäuden und speziell in Offices einsetzen?

Alan Hofmann: Da stellt sich zuerst einmal die Frage, was mit smart überhaupt gemeint ist. Für mich bedeutet es, dass etwas intelligent und interaktiv ist. Also dass etwas mit mir kommuniziert. Ein Baumaterial wie Holz selbst ist ja noch nichts Digitales, aber es kann mit mir „interagieren“ und eine positive Wirkung auf mein Nutzerverhalten haben. Denn in einem smarten Office geht es auch darum, die Mitarbeiter dabei zu unterstützen, dass sie zufriedener, einsatzbereiter und produktiver sind. Und da bringt ein nachhaltiger Rohstoff wie Holz viele Vorteile mit sich.

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Welche Vorzüge wären das?

Alan Hofmann: Holz an sich ist ein sehr intelligenter Baustoff. Die Natur hat sich da schon das Richtige überlegt. So gibt es eine wissenschaftliche Studie, dass Holz nachweislich die Herzfrequenz senkt. Kurz zusammengefasst, wurden dafür in einer Schule in der Steiermark zwei Klassenräume speziell mit Vollholz ausgestattet. Beim Vergleich mit zwei Klassen ohne diese Ausstattung wurde belegt, dass die Kinder sowohl niedrigere Pulsfrequenzen hatten als auch bessere Noten schrieben. Es gibt auch eine spannende Kurz-Doku auf BBC über norwegischen Schulen aus Holz.

Was spricht sonst noch für Holz im Arbeitsalltag?

Alan Hofmann: Es hat eine feine Haptik. Ich fühle mich wohl, wenn ich es angreife. Die Optik spielt ebenfalls eine Rolle. Überhaupt kann ich dadurch, dass ich Holz in einem Raum sichtbar mache, die operative Raumtemperatur gegenüber mineralischen Baustoffen um zirka ein Grad Celsius senken. Das hat damit zu tun, dass sich eine Beton- oder verputzte Ziegelwand immer eher kalt „anfühlt“. Bei Holz dagegen habe ich das Gefühl, dass es warm ist und mir nicht permanent die Wärme entzieht. Daher kann ich bei der Beheizung um ein Grad hinuntergehen. Und Holz atmet: Es nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder ab.

Es gibt eine wissenschaftliche Studie, dass Holz nachweislich die Herzfrequenz senkt.

Alan Hofmann, Holzbaumeister

Und dem Klimaschutz dient es auch.

Alan Hofmann: Wir alle wissen, dass Holz ein CO2-Speicher und -Senker ist. Um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir daher vermehrt solche Baumaterialien verwenden. Auch weil es der einzig schnell nachwachsende Rohstoff ist. Natürlich vorausgesetzt, dass man so nachhaltig wirtschaftet wie in Österreich. Laut Berechnungen wächst bei uns jede Sekunde ein Kubikmeter Holz nach, und für ein Einfamilienhaus aus Holz benötigt man rund 40 Kubikmeter. Noch dazu ist Holz bei uns fast überall verfügbar und hat kurze Transportwege. Zudem lässt es sich gut wiederverwerten. Das geht so weit, dass wir in unseren Projekten mittlerweile alle Holzbauteile und Ressourcen wie Schrauben digital erfassen, die real verbaut werden. Das heißt, unsere Daten sind auch für das Wiederverwendung in 50 bis 100 Jahren relevant, wenn ein Gebäude das Ende seiner Lebenszeit erreicht hat.

Was genau ist die Haupttätigkeit Ihres Büros?

Alan Hofmann: Wir sitzen an der Schnittstelle zwischen Architekt, Bauphysiker, Statiker, Bauherr und Baufirma. Wir sammeln alle Infos wie in einer Black Box und kreieren ein digitales Abbild des realen Gebäudes. Wobei wir uns auf Konstruktionen mit Holz und die Fertigung des Rohbaus beschränken. Wir planen dabei, welche Holzelemente benötigt werden und lassen sie produktionsfertig herstellen. Holz lässt sich nämlich sehr gut vorfertigen und mithilfe von modernen CNC-Fräsen (Anm.: Abkürzung steht für Computerized Numerical Control) millimetergenau zuschneiden.

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Das heißt, Sie müssen dafür selbst gar nicht auf die Baustelle kommen?

Alan Hofmann: Stimmt, viele unserer Projekte sind in Norwegen, wo unser Partner Woodcon sitzt – wobei „con“ für Construction steht. Wir sind Woodplan, also die Planer. So legen wir etwa in der Planung eine Nummernreihenfolge für die Verladung der Holzteile fest. Das hilft dem Bauleiter enorm, wenn auf einem LKW 50 oder 100 Stück an tonnenschweren Teilen geliefert werden. Denn auf dem Holzelement selbst befindet sich noch ein QR-Code, der sich mit dem Smartphone scannen lässt. Dadurch weiß man ganz genau, wo jedes Teil hinkommt. Weiters sieht auch der Kranfahrer auf seinem Display, welches Element an welche Stelle gehört.

All das setzen Sie mit Ihrem neunköpfigen Team aus Ihrem Büro im Zentrum von Graz um. Wie smart kann ein Altbau sein?

Alan Hofmann: Das Gebäude selbst ist etwa 150 Jahre alt und daher von seiner Lebenszeit-CO2-Bilanz schon einmal sehr smart. Als expandierendes Unternehmen war diese Wahl für uns in erster Linie eine Platzfrage, denn in Graz gibt es leider nur wenige Holzgebäude mit entsprechenden Büroräumlichkeiten. Zudem hat ein Altbau auch viel Flair und Charme, was sich wiederum auf die Zufriedenheit auswirkt.

Sind Altbauten besser als ihr Ruf?

Alan Hofmann: Auf jeden Fall. Wir haben im Büro ein irrsinnig tolles Raumklima, weil in den 3,50 Metern hohen Räumen die Luft nie steht, sondern permanent zirkuliert. Zudem sind die dicken Außenwände von der Speichermasse her top. Wenn es im Sommer draußen heiß ist, heizen sie sich nicht so schnell auf. Klar würde ich mir bei einem Altbau wünschen, dass er energetisch effizienter ist und dass wir im Winter bei der Beheizung der Räume noch bessere klimatechnische Finessen umsetzen könnten.

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Ein Altbau hat auch viel Flair und Charme, was sich wiederum auf die Zufriedenheit auswirkt.

Alan Hofmann, Bauingenieur

Auch deshalb, weil bei den alten Kastenfenstern die Wärme hinauszieht?

Alan Hofmann: Das stimmt, dass die Kastenfenster rein energetisch nicht am neuesten Stand sind, aber dafür schützen sie vor Schimmel, weil immer eine natürliche Belüftung herrscht. Es ist ja mittlerweile so, dass wir in modernen Bauten die Wirkung von Kastenfenstern imitieren, weil unsere Gebäudehüllen schon so dicht sind, dass wir diese künstlich belüften müssen. Zum Teil müssen wir sogar minimale Lüftungsschlitze in die Fenster einbauen, um die Feuchtigkeit hinauszubekommen, die im Alltag beim Kochen, Atmen und so weiter entsteht. Selbst in modernen Holzgebäuden kommen wir nicht komplett ohne künstliche Belüftungssysteme aus.

Sind die Leitungen im Altbau stark genug für die große Rechenleistungen Ihrer Bauprojekte?

Alan Hofmann: Von der Kommunikation her brauchen wir diese umfangreichen fixen Datenleitungen nicht mehr. Das meiste funktioniert heutzutage schon einwandfrei auf WLAN-Basis mit 5G-Netzen. Und warum soll ich eine künstliche Smartheit verbauen, wenn wir diese sowieso nicht nutzen weil längst andere Lösungen vorhanden sind. Da geht es mir viel mehr darum, dass sich die Mitarbeiter aufgrund des Flairs, des Raumklimas und des Platzangebots hier wohlfühlen und zufriedener sind. Wobei man schon sagen muss, dass wir uns die Raumhöhen, wie sie im Altbau üblich sind, heute nicht mehr leisten können. Deshalb müssen wir unbedingt smart bauen.

Sie haben bei einem ganz besonders smarten Projekt mitgearbeitet: dem höchsten Holzhaus der Welt im norwegischen Brumunddal.

Alan Hofmann: Ja genau, dieses Projekt ist das höchste Massivholzkonstrukt, das es zurzeit gibt. Es ist 85 Meter hoch und umfasst Büros, Wohnungen und ein Hotel. Wir haben dabei mit Woodcon die Vertikalerschließung umgesetzt. Das heißt, wir haben drei Liftschächte und zwei Stiegenhäuser gebaut. Das Ganze wurde grundsätzlich in verschiedenen Bauphasen zu je zwei Stockwerken errichtet. Dabei wurden zuerst immer die Vertikalerschließungen gebaut und dann das restliche Konstrukt nachgezogen. Und das für die insgesamt 18 Geschoße.

Was sind die Pionierleistungen dieses Projekts?

Alan Hofmann: Es ist der Beweis, wie vielfältig ein Holzbau sein kann, denn das Gebäude ist definitiv smart für die unterschiedlichen Nutzerverhalten – sowohl für die Büros als auch das Hotel und die Wohnungen. Woodcon hat dort auch sein Office, das komplett vernetzt und digitalisiert ist. So funktioniert etwa die ganze Klimastruktur vollautomatisch. Wenn zum Beispiel die Jalousie runterfährt, kann man das nicht händisch ändern. Denn hier dient wirklich alles dem Zweck, die Arbeits-, Raum- und Klimabedingungen zu optimieren. Ein Gebäude auf höchstem Niveau.

Ein weiteres Ihrer Projekte ist das ZEB Lab in Trondheim. ZEB steht für „zero emission buildings“, also Nullenergie-Gebäude. Worum geht es dort?

Alan Hofmann: Das ZEB Lab ist eine Mischung aus Bürogebäude und Labor. Das Ziel der dortigen Forschung ist, nachhaltige und emissions-freie Lösungen für „Gebäude von morgen“ zu finden. So verbraucht das ZEB Lab selbst weniger Energie, als es produziert – das beinhaltet auch alle Materialien und Ressourcen, die für die Errichtung des Gebäudes eingesetzt wurden.

Was war Ihre Aufgabe bei diesem Projekt?

Alan Hofmann: Wir haben hier den Holzbau mittels eines 3D-Modells geplant und Woodcon hat diesen dann montiert. Ein besonderes technisches Highlight war die gebogene Holztreppe: Dank spezieller Schnitttechnik konnten wir die Holzelemente, die in ebener Form produziert wurden, entsprechend biegen. Um eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, bitte die Bilder ansehen.

Welche Holzelemente wünschen Sie sich noch für Ihr Office?

Alan Hofmann: Bei uns sind alle Bürotische aus Vollholz gefertigt. Aber ich hätte hier gerne noch eine Kletterwand aus Holz mit Holzgriffen. Als Abwechslung zum Tagesgeschäft und zur Zerstreuung der Gedanken, wie es bei Google und Co. praktiziert wird. Und ich möchte Holz noch mehr in unseren Arbeitsalltag einbringen: zum Beispiel eine Landkarte aus Holz aufhängen oder Holz-Besteck verwenden. Ich spiele mich einfach gerne mit dem Material herum, mit dem ich arbeite.

Interview: Martin Obermayr Fotos: Woodcon, Woodplan/Alan Hofmann, Moelven

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