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06/01/2021

See-Architektur zum Träumen

Das österreichische Büro smartvoll designt See-Architektur zum Träumen: Erfrischend schöne Hotel-Gastronomie mitten im See. Kreisförmig, auf Stelzen, mit Badesteg und via Unterwassertunnel zu erreichen. Das große Plus: Das Ufer bleibt öffentlich zugänglich.

Erholung am Wasser ist DER Sommer-Hit. Nur: Wer weder ein Ufergrundstück sein Eigen nennt, noch konsumieren oder Eintritt zahlen möchte, hat an Österreichs Seen zusehends schlechte Karten. Frei zugängliche Zonen sind längst Mangelware. Ein Entwurf des Wiener Büros smartvoll demonstriert, dass kommerzielle Nutzung möglich ist, ohne die Allgemeinheit auszusperren. Das Projekt „Land in Sicht“ ist ein Modell innovativer See-Architektur, das den Erholungswert steigert – auch für jene, die das Gebäude selbst nicht nützen.

Strandgenuss für alle

Entworfen wurde „Land in Sicht“ fürs beliebte Naherholungsgebiet am Thalersee unweit von Graz. Gesucht war moderner Ersatz für ein altes Restaurant am Nordufer, dessen Zustand keine sinnvolle Renovierung mehr zuließ. Smartvolls Design gelangte ins Finale des EU-weit ausgeschriebenen Wettbewerbs. Den Zuschlag erhielten die kreativen Wiener zwar nicht. Genauere Betrachtung lohnt sich allerdings auf jeden Fall. Denn See-Architektur, die Uferzonen nützt, zugleich renaturiert und für die Allgemeinheit öffnet, könnte dem Schwinden öffentlicher Seezugänge vielerorts Einhalt gebieten.

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Statt ein Grundstück mit einem Restaurant zu verbauen, das ausschließlich konsumierenden Gästen offensteht, macht smartvolls Konzept die gesamte Uferpromenade frei zugänglich. Möglich wird dies, indem das neue, kreisförmige Gebäude auf Stelzen im See platziert wird. Der Eingang indes liegt am Ufer und hat seinerseits einiges zu bieten.

Grüner Wall mit Mehrfachnutzen

Die bestehende bebaute Norduferkante gibt der Entwurf der Natur zurück. Die Seekante wird in einen natürlichen Schwung mit der neuen Kontur überführt. Entlang der neuen Uferlinie wird ein Naturwall als Dichtheitsebene aufgeschüttet, der bei Hochwasser als natürliches Auffangbecken dient.

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In diesen neuen, begrünten Hügel schneiden die Architekten das große, halbkreisförmige Entrée, das die Gäste willkommen heißt. Der Vorplatz wird durch Fahrrad- und Schlittschuhverleih belebt. Obendrein bündeln sich dort die Wegenetze: See-Rundweg und Fahrradrouten kommen zusammen und ergeben einen Tummelplatz, an dem man ankommt und Freizeitaktivitäten startet.

Unter Wasser ans Ziel

Der Weg vom Eingang zum Hauptgebäude im See ist ein besonderes Erlebnis: Er führt durch einen Unterwassertunnel. Beim Stelzenbauwerk angelangt, tauchen die Gäste über eine Rampe quasi auf – auf der unteren Ebene einer „Freizeitinsel“, die ringsum von Wasser umgeben ist. Smartvoll-Architekt Philipp Buxbaum: „Das hinterlässt einen immersiven und bleibenden Eindruck. Nachdem Erholung das Yin zu unserem Arbeits-Yang ist, sind wir überzeugt, dass Gebäude, die zur Erholung beitragen sollen, weit mehr bieten müssen als Essen und einen Platz zum Übernachten“.

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Lage und gekonnte Inszenierung machen das Bauwerk zum absoluten Hingucker. Der coole Look ist aber längst nicht alles: Dass smarte See-Architektur das Angebot einer Destination erheblich erweitern kann, beweist smartvoll mit gut durchdachten Elementen. So ist etwa auf Seeniveau ein ausladender Steg vorgesehen, der viele Möglichkeiten eröffnet. Hier können Besucher Boote mieten, ins Wasser springen, die Sonne genießen oder im Winter die Eislaufschuhe anlegen.

Achtsame See-Architektur

Die kreisförmige Rampe bildet zusammen mit dem erhöhten Teil des Gebäudes einen geschützten Innenhof. Über die Rampe gelangen die Gäste auch weiter nach oben, zum Restaurant und zum Hotel.Das Lokal samt Terrasse und die Zimmer werden in tortenstück-ähnlichen Volumen untergebracht. Die gemäßigte Dimension sorgt für die harmonische Integration in die kleinkörnige Umgebungssituation.Und auf der oberen Ebene kann man bei Rundum-Blick über See, Ufer und Naturlandschaft entspannen. Der Parkplatz beim Eingang stört das Idyll nicht: Er wird durch den Dichtwall verdeckt.

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Der idyllische Thalersee hat auch funktionalen Nutzen. Bei Hochwasser wird er zum Wasserreservoir. Der uferseitige Teil des „Land in Sicht“-Entwurfs ersetzt die bauliche durch eine landschaftliche Barriere.

Rad- & Fußweg-Verbindung

Achtsam in sein Umfeld eingebettet, fungiert der begrünte „Eingangs-Hügel“ aber nicht nur als natürlicher Damm. Er schafft auch die Möglichkeit, Rundwanderweg und Radrouten neu zu verbinden: Statt wie bisher durch das Areal des Gastronomiebetriebs unterbrochen, verläuft die Strecke über den Hügel und kann wieder durchgehend genutzt werden.

Erholungswert im Fokus

„Im besten Fall hat Architektur die Kraft einen Ort zu transformieren. Und in Zeiten von Krisen ist es umso wichtiger, dass wir als Architektinnen und Architekten Orte mit einmaligem Erholungswert schaffen. Orte auf die man sich freuen kann“, beschreibt Viola Habicher das Ziel des smartvoll-Teams.

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Smartvolls zukunftsorientierte See-Architektur erinnert an Projekte weltberühmter Büros. Mit seiner runden Form ähnelt „Land in Sicht“etwa Snøhettas Öko-Hotel „Svart“, das ebenfalls im Wasser thront. Und dass vor allem Städter mehr Natur und Erholungszonen brauchen, lässt Architekten weltweit Lösungen erdenken. Nicht selten solche, die auch „auf Wasser bauen“, wie WaterstudiosSea Tree“ oder Thomas Heatherwicks jüngst eröffnetes „Little Island“ vor Manhattan.

Sehnsuchtsort „See“

Dass das Binnenland Österreich keinen Zugang zum Meer hat, macht seine Seen besonders wichtig. Sie sind begehrtes Ausflugs- und Urlaubsziel. Und sie bieten unverzichtbaren Erholungsraum. Innovative See-Architektur kann ihre Ufer für naturhungrige Gäste öffnen und bewahren.

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Das smartvoll-Team macht aktuell auch mit sinnvoller Umnutzung verwaister Industrieanlagen Furore. Und es ist stets um Nachhaltigkeit bemüht. Auch im sozialen Bereich. Dies unterstreicht die Beschreibung des Projekts im See: Die Architekten sehen darin „ein klares Zeichen gegen die vermehrte, ungeregelte Privatisierung von Seeufern“. Denn der Verlust an öffentlichen Seezugängen „erschwert es der breiten Bevölkerung, an einem an sich öffentlichen Gut teilzuhaben“.

Glitzernde See-Architektur

Moderne See-Architektur müsse mehr leisten, als weitere Hotels und Gastronomietempel zu schaffen. Und wer im Sommer kostenfreie Naturbadeplätze sucht, wird den engagierten Architekten zustimmen.

Text: Elisabeth Schneyder Bilder: smartvoll / Mathias Bank

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