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07/04/2022

Kür der Holzbau-Avantgarde

Für das Anthony Timberlands Center, die neue Holzbau-Uni in Arkansas, lieferten sich die renommiertesten Architekturbüros eine Battle um den innovativsten Holzbau. Hier die besten Entwürfe und das Siegerprojekt der irischen Pritzker-Preisträgerinnen.

Üppig bewaldete Hügel und Täler umgeben die Universitäts-Stadt Fayetteville im Norden von Arkansas. Der US-Bundesstaat ist von Bergen, fruchtbaren Ebenen und dichten Wäldern geprägt, was ihm den Beinamen The Natural State einbrachte. Der üppig vorhandene Rohstoff Holz hat die Wirtschaft und Kultur des Landes maßgeblich beeinflusst. Das Fachwissen über Forstwirtschaft und Holzverarbeitung ist hier quasi zuhause. Mit der neu gegründeten Fakultät für Holzbau und -Design soll dieses Wissen erweitert und für nachfolgende Generationen bewahrt werden.

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Ein Monument für den Baustoff Holz

Das Anthony Timberlands Center for Design and Materials Innovation soll die Holzbau-Ingenieure von morgen ausbilden. Weil es für die neue Fachabteilung der Fay Jones School of Architecture and Design eine besondere Architektur braucht, lobte man einen Wettbewerb aus. Der neue Bau sollte nicht nur die notwendigen Räumlichkeiten bereitstellen, sondern auch eine neue Landmark für Arkansas sein. Ein Showcase für den modernen Holzbau, ein Monument für den nachhaltigen Baustoff mit der jahrhundertealten Tradition.

Die bedeutendsten internationalen Architekturbüros matchten sich um den innovativsten Ingenieur-Holzbau. Neben dem Entwurf des japanischen Architekten Shigeru Ban schafften es auch das dänische Büro Dorte Mandrup und die US-amerikanischen Holzbau-Pioniere von Lever Architecture ins Finale. Den Siegerbeitrag lieferte das Dubliner Architekturbüro Grafton Architects, deren Gründerinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara 2020 den Pritzker-Preis erhielten.

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Komplexe Struktur aus Holz

Die innovativen Einreichungen legen allesamt die Latte für den Holzbau hoch, ganz egal, ob sie nun umgesetzt werden oder nicht. „Story Book of Timber“, wie die irischen Architektinnen ihren prämierten Entwurf nennen, ist eine komplexe Struktur, die sich nicht gleich auf den ersten Blick erschließt.

Gemäß des lokalen Klimas sieht unser Vorschlag ein Licht- und Luftverdeck vor – ein stufenförmiges Dach mit Regenrinnen aus Glulam.

Yvonne Farrell und Shelley McNamara, Gafton Architects

Das Dach fällt vom sechsgeschossigen Haupthaus kaskadenartig nach unten ab. Dabei erinnert seine Form an die aufgefalteten Fächer einer Dokumentenmappe. Jedes Fach eröffnet einen Raum oder eine Werkhalle darunter. „Gemäß des lokalen Klimas sieht unser Vorschlag ein Licht- und Luftverdeck vor – ein stufenförmiges Dach mit Regenrinnen aus Glulam“, heißt es im Konzept.

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Dieses Holzverdeck überspannt den Freiluftbereich, die Fertigungshallen und die Unterrichtsräume im Tower. „Sowohl die Struktur als auch die Außenhülle bestehen aus Holz“, stellen die Architektinnen klar, die bereits in der Vergangenheit mit stimmigen Bildungsbauten brillierten.

Eine offene Community

Einen anderen Ansatz verfolgten die Architekten des Kopenhagener Büros Dorte Mandrup. Sie ernannten die Werkshalle zum Herzstück des Komplexes und setzten darauf, dass sich die einzelnen Disziplinen im offenen Austausch gegenseitig befruchten. Ein loses, lichtdurchflutetes Raumgefüge für eine offene Community, so lautete der Vorschlag.

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Das transparente Gebäude lässt von außen die Konstruktionsweise der sich kreuzenden Leimbinder erkennen. Im Inneren filtern die Streben das einfallende Tageslicht und beschwören so eine Stimmung wie auf einer Waldlichtung. Verstärkt wird dieses Gefühl durch das zentrale Atrium, das sich vom Erdgeschoss bis zum Dach erstreckt. Eine Treppe windet sich nach oben und mündet in einem Dachgarten, der den Blick über die Stadt hinweg bis hin zu den Boston Mountains öffnet.

Großes Kino an der Decke

Der Entwurf des japanischen Architekten Shigeru Ban zählt ebenfalls zur Avantgarde des Holzbaus. Er besteht aus drei unterschiedlichen Kubaturen, die in Form und Struktur im Kontrast zu einander stehen. Die Deckenkonstruktion der großen Werkshalle ist ganz großes Kino. Sie ist die hohe Schule des konstruktiven Holzbaus und künstlerischer Ausdruck zugleich.

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In diesem Metier haben die japanischen Designer Erfahrung, wie sie beim Swatch Headquarter in Biel bereits unter Beweis gestellt haben. Der reptilienartige Bau für den Schweizer Uhrenkonzern gilt als einer der größten Holzfachwerk-Konstruktionen der Welt.

Der spannende Wettbewerb um das neue Anthony Timberlands Center zeigt, wohin die Reise im Holzbau geht. Form und Funktion können durch die hoch entwickelten Baustoffe und das digitale Design eine völlig neue Verbindung eingehen. Und die Reise hat gerade erst begonnen.

Text: Gertraud Gerst Visualisierungen: Grafton Architects, Dorte Mandrup, Shigeru Ban, Lever Architecture, Fay Jones School of Architecture and Design

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