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12/20/2021

Im Tal der Mode

Das Architekturbüro BIG hat wieder Großes angekündigt: In der Stadt Porto in Portugal soll das urbane Modedorf Fuse Valley entstehen, das sich selbst befruchten und weiterentwickeln soll.

Man muss jetzt nicht tief wühlen, um die Vorlage zu finden, die dem zukünftigen Fuse Valley zugrunde liegt. Es ist ganz einfach die Idee des Silicon Valley, die BIG-Gründer Bjarke Ingels als Blaupause für sein neues großes Ding gewählt hat. Allerdings mit einem kleinen Schönheitsfehler: Die Welt der Mode ist nicht ganz so innovativ, wie die digitale. Aber jedenfalls ist sie ebenso ein großer Mitspieler im internationalen Spiel um Geld und Macht.

Fuse Valley an den Ufern der Leça

Aber lassen wir das einmal dahingestellt. Konkret stellt sich Ingels vor, dass an den Ufern des beschaulichen Flusses Leça im nördlichen Teil von Porto ein urbanes Modedorf entsteht. Langfristig soll sich dieses künstliche Areal ganz ohne das Zutun eines steuernden Konsortiums selbst weiterentwickeln. So soll eine Dynamik geschaffen werden, die das Thema Mode im Idealfall in neue Sphären katapultiert. Klar aber ist: Bevor das einmal möglich werden kann, braucht es eine Art Starthilfe.

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Diese hat man nun auch gefunden. Und zwar die Luxusmodeplattform Farfetch, die ihren Hauptsitz schon jetzt in Porto hat. Bevor Sie nun googlen, was Farfetch ist – wir haben das vorab schon schnell für Sie erledigt. Also:

Farfetch ist ein internationales E-Commerce-Unternehmen, das Designermode von Boutiquen aus der ganzen Welt verkauft. Es wurde 2008 vom portugiesischen Entrepreneur José Neves gegründet. Das Geschäftsmodell unterscheidet sich von anderen Internet-Versandhändlern dadurch, dass die Website von Farfetch als virtueller Marktplatz funktioniert, auf dem kleinere Boutiquen aus der ganzen Welt auf Kommissionsbasis ihre Waren anbieten. Farfetchs Haupteinnahmequelle sind Luxusmarken wie Valentino, Saint Laurent, Givenchy und Comme des Garçons.

Liberale Einstellung & offen für Neues

Doch auch weniger bekannte Labels gelten als wichtig für das Geschäftsmodell von Farfetch, dessen Marketing die Position des Unternehmens „einen Schritt links der Mitte“ sieht, weil Farfetch eine große Bandbreite an Ware anbiete und für ein „breites Spektrum an Kunden“ interessant sei. Das Unternehmen betreibt Websites auf Englisch, Französisch, Japanisch, Mandarin, Portugiesisch, Koreanisch, Deutsch, Russisch und Spanisch und bedient Kunden in 190 Ländern. Derzeit beschäftigte Farfetch mehr als 1000 Mitarbeiter weltweit.

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Vereinfacht ausgedrückt: Farfetch ist grundsätzlich schon kein unspannender Partner für ein alternativ gedachtes Modedorf der Zukunft. Und auch ein offenbar recht potenter. Denn: Der neue Hauptsitz von Farfetch wird die Hälfte des Fuse Valley-Geländes einnehmen. Also zwölf der insgesamt 24 geplanten Objekte.

Viel Platz für kreative Start-ups

Die andere Hälfte soll in Ingels Vision von verschiedenen Technologieunternehmen und Start-ups belebt werden. Außerdem soll das 178.000 Quadratmeter große, kunstvoll gestaltete Gelände auch über einladende Plätze, Parks und begrünte Innenhöfe verfügen. Jedes Gebäude steht auf einer Reihe von grünen Terrassen, die die Hauptstraße mit dem Fluss Leça verbinden. Entlang des Flussufers sind verschiedene öffentliche Gebäude und Einrichtungen vorgesehen.

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Auch wenn die einzelnen Gebäude in ihrem Zusammenspiel die umliegende Hügellandschaft nachahmen sollen, mutet jedes einzelne überraschenderweise nicht etwa organisch an, sondern vielmehr hart und kantig. Die Gipfel und Täler aber werden durch geneigte und begrünte Dächer doch spektakulär imitiert. Zumal die zukünftigen Menschen in Fuse Valley auf den Außenwänden sogar spazieren gehen können.

Die über Wände gehen

„Diese sind in ähnlicher Weise geneigt, mit gerasterten, abgeschrägten Fassaden, die sich zum Boden hin verjüngen, um die öffentlichen Wege zu verbreitern und die Gehwege zu überdachen“, so BIG in seiner Projektbeschreibung. Zudem wolle man Wege im Freien anlegen, die die Besucher um das Dorf herum und hinauf zu den Bürogebäuden mit Schrägdach führen und so eine Erweiterung des umliegenden Hangs schaffen.

Zwischenmenschlichkeit im Vordergrund

„Die einzelnen Gebäude, die die verschiedenen Elemente der Organisation bilden, sind miteinander verbunden, um große, zusammenhängende Arbeitsumgebungen zu schaffen. Physisch konsolidiert, aber räumlich variiert, um zwischenmenschlicheErfahrungen zu ermöglichen“, sagt BIG-Partner João Albuquerque.

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Und das Mastermind fügt stolz hinzu: „Statt eines Bürokomplexes wird Farfetchs zukünftiges Zuhause im Fuse Valley ein lebendiges urbanes Ensemble sein, das alle Kuratoren, Kreativen, Kunden und Mitarbeiter im innovativsten neuen Viertel der Stadt zusammenbringt.“ Das urbane Gefüge solle es Fuse Valley „langfristig ermöglichen, organisch zu wachsen und zu expandieren, wie ein natürliches Dorf.“ Nachsatz: „Mit diesem Projekt wollen wir eine intelligente Stadt oder in diesem Fall ein intelligentes Tal entwickeln.“

Kein Fashion-Valley ohne Silicon-Valley?

Ob dieses Fashion Valley namens Fuse Valley dann tatsächlich eine Art Silicon Valley für die Modewelt wird, liegt in Anbetracht des aktuellen und von der Pandemie besonders befeuerten Online-Shopping-Trends wohl – im originalen Silicon Valley.

Schließlich wird dort das entwickelt, was die Modewelt von morgen wohl jedenfalls benötigen wird: visionäre E-Commerce-Plattformen.

Text: Johannes Stühlinger Bilder: BIG

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