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11/12/2021

Holz-Tower auf der Parkgarage

Aus dem Dach eines historischen Parkhauses in Stockholm soll ein Holz-Hochhaus 40 Stockwerke in die Höhe wachsen. Der Entwurf von Anders Berensson ist ein Paradebeispiel für die effiziente Raumnutzung in der Stadt.

Neben der Umweltverträglichkeit des Bauens gibt es in der Zukunft vor allem ein Thema, das die Architektur beschäftigen wird: der steigende Bedarf an Wohnraum und die damit verbundene Nachverdichtung in den Städten. Der schwedische Architekt Anders Berensson liefert mit seinem Entwurf Trätoppen ein Beispiel dafür, wie bestehende Strukturen in Holzbauweise aufgestockt werden können. "Wenn wir die Anzahl der Autos in Stockholms Zentrum reduzieren und gleichzeitig mehr Platz für Wohnungen schaffen wollen, ohne dafür Grünflächen zu versiegeln, dann scheint es sinnvoll, Parkgaragen durch Wohnungen, Geschäfte und Restaurants zu ersetzen", so die Überlegungen des Architekten.

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Die Basis seines 133 Meter hohen Holz-Hochhauses bildet eine Parkgarage aus den 1960er-Jahren. Parkaden heißt das Parkhaus, das wohl das bekannteste in ganz Schweden ist. Es wurde vom schwedischen Architekten Hans Asplund entworfen, einem Vertreter und zugleich Kritiker des Modernismus. Auf ihn soll der Begriff Brutalismus zurückgehen, mit dem er 1950 scherzhaft die Villa Göth in Uppsala beschrieb.

Numerische Fassade zur Beschattung

Für Berensson war es selbstverständlich, das geschichtliche Erbe des Bestandes zu erhalten und auch im Design entsprechend zu würdigen. Zu den besonderen Merkmalen des Parkhauses zählt das Zahlenmuster an der Fassade, das angibt, auf welcher Ebene man sich gerade befindet. Ein Stilelement, das der Architekt in seinem Entwurf für Trätoppen beibehielt, allerdings etwas weniger subtil als in Asplunds Vorlage. 

Die Fassade dient der Beschattung und sorgt so dafür, dass das Gebäude gekühlt wird und energieeffizient ist.

Anders Berensson, Architekt
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So zeigt auch die numerische Fassade des Woodscrapers das jeweilige Stockwerk an, und das normal und spiegelverkehrt, für die Ansicht von innen und von außen. Die geschosshohen Zahlen vor den Fenstern und Verglasungen haben noch eine zusätzliche Funktion, wie Berensson erklärt: „Die Fassade hat auch praktische Vorteile. Sie dient der Beschattung und sorgt so dafür, dass das Gebäude gekühlt wird und energieeffizient ist.“

Umnutzung der Parkgarage als Gewerbeflächen

Die vertikale Bauweise des Trätoppen, was so viel heißt wie „Baumkrone“, dränge sich in diesem Fall auf. „Wenn das Parkhaus so zentral liegt wie das auf der Regeringsgatan 47, macht es durchaus Sinn, ein Hochhaus zu bauen, in dem viele Menschen, Shops und Restaurants Platz haben.“

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Um der Parkgarage ihre bauliche Eigenständigkeit zu lassen, ist das Hochhaus sechs Meter von der Asplund-Fassade zurückgesetzt. Dadurch ergibt sich ein Vorsprung, der als öffentliche Terrasse und Parkanlage dienen soll. Der kleinere Fußabdruck des Neubaus macht es laut Berensson erst möglich, dass die sieben Geschosse des Parkhauses umgenutzt werden können. 

Aufgrund der größeren Raumtiefen möchte er die Ebenen des Bestandsgebäudes als Gewerbeflächen nutzen. Auf insgesamt 31 Stockwerken darüber sind 250 Apartments mit je 50 Quadratmeter geplant. Am Dach des Trätoppen soll es eine öffentliche Aussichtsplattform geben.

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Der Siegeszug des Holzbaus

Der Bau von Holz-Hochhäusern nimmt international Fahrt auf. Das höchste Holz-Hochhaus der Welt steht derzeit im norwegischen Brumunddal und misst eine Höhe von 85,4 Meter. Höhere Exemplare sind derzeit in Planung, so wie The Dutch Mountains in Eindhoven oder das WoHo in Berlin. Möglich machen den Siegeszug des Holzbaus in der Vertikalen neue Holzbaustoffe wie CLT (Cross Laminaten Timber), auf Deutsch Brettsperrholz, und entsprechend abgeänderte Brandschutzvorgaben.

Mit insgesamt 40 Stockwerken wäre Trätoppen das derzeit höchste Gebäude seiner Art. Ob der Tower tatsächlich auch gebaut wird, steht derzeit allerdings noch nicht fest, wie der Architekt einräumt. Mit dem Entwurf hat ihn die schwedische Partei Centerpartiet beauftragt. Ziel dieses Projektes sei es, Lösungen für das rasche Stadtwachstum zu finden. Berensson hofft, dass aufgrund der steigenden Wohnungsknappheit in Stockholm, zumindest eine abgespeckte Version des Hochhauses gebaut wird.

Auch wenn dieses Projekt nicht in die Realität umgesetzt wird, hat Schweden im Holzbau trotzdem die Nase vorn. Mit dem Sara Kulturhus in Skellefteå hat das Land einen der höchsten Woodscraper der Welt, der zur Gänze aus Holz gebaut ist.

Text: Gertraud Gerst Visualisierungen: Anders Berensson Architects

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