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UBM Development
01/22/2020

„Höhle und Tal“

Wie bringt man extrem unterschiedliche Geschäftsbereiche eines Unternehmens architektonisch unter einen Hut? LAVA und Inros Lackner machen’s vor: Mit ihrem originellen Konzept für den neuen Detech-Firmensitz in Hanoi.

Wer meint, Bürotürme wären ohnehin stets fade Klötze, ist im Irrtum. Ob extravagante Form, nachhaltige Bauweise oder beides: Viele Beispiele moderner Architektur beweisen längst das Gegenteil. So, wie der neue Detech-Firmensitz, der derzeit in Hanoi entsteht. Denn für diesen hat sich das international tätige Studio LAVA (Laboratory for Visionary Architecture) ein Design einfallen lassen, das ebenso originell wie menschenfreundlich ist.

Variantenreiche „Turm-Familie“

Der Hauptsitz von Detech umfasst eine Gruppe miteinander verbundener Türme, darunter auch das ursprüngliche Gebäude des rasant gewachsenen Familienunternehmens. Der Komplex liegt im aufstrebendem Stadtteil My Dinh. Und Detechs Geschäftsfelder reichen von Umweltprojekten über Motorräder bis hin zur Biotechnologie.LAVA und Projekt-Partner Inros Lackner interpretierten diese Vorgaben als Gruppe von Gebäuden mit unterschiedlichem Erscheinungsbild und unterschiedlicher Größe, die jedoch alle miteinander verbunden sind – wie auch die Geschäftsbereiche selbst.

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Auch Umfeld und kulturelle Aspekte spielten bei der Planung eine entscheidende Rolle, schildert LAVA-Direktor Chris Bosse: „Vietnam hat kürzlich einen ähnlichen Entwicklungsboom erlebt wie andere asiatische Länder. Ein Großteil des ursprünglichen Stadtgefüges wird zerstört und durch großformatige Mono-Türme ersetzt. Diese haben in der Regel wenig Respekt vor lokalem Kontext, Klima und Kultur.“

Märchenhaft und gut durchdacht

Beim Detech-Projekt habe man lokale Themen jedoch sehr wohl berücksichtigt, betont Bosse. Die Altstadt von Hanoi, Vietnams sanfte Landschaft und die vietnamesische Familienstruktur seien in den Entwürfen mitbedacht.Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Ob von außen oder innen: Das Konzept wirkt ebenso verspielt wie freundlich und zweckmäßig. Und nicht nur die Bezeichnungen mancher Teile – wie etwa „Höhle“ oder „Tal“ – erinnern eher an landestypische Märchenwelten als an gewöhnliche Bürogebäude.

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Die „Höhle“ ist ein mehrstöckiger Raum, der die Gebäude mit der Straße verbindet. Sie bildet ein großes Atrium, das den Gebäudeeingang anzeigt und sowohl als Zugang, als auch als Durchgangsstraße dient. Eine öffentliche Zone wird von Cafés, Restaurants und Geschäften flankiert. Bogensäulen ergeben eine räumliche Abfolge, die eine Verbindung zwischen Innen und Außen schafft.

Wasserspiele und leuchtende Wellen

Ein großes Wasserspiel fungiert als Reflexionsbecken. Es soll für angenehme Geräuschkulisse und kühle Brise sorgen, aber auch einen architektonischen Doppelreflexionseffekt erzeugen. Nachts beleuchtet es die Decke des hohen Atriums mit Wellen.Die Höhle beginnt mit einem mehrstufigen Bogen. Dann komprimiert sie den Raum, ehe sie sich erneut öffnet und in eine dramatische räumliche Sequenz mündet. Die vertikale Zirkulation findet innerhalb der Gebäude statt, die über die zweite Ebene durch Brücken verbunden sind.

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Die mächtigen „Rippen“ des Atriums sind eine Erweiterung der Fassadenlamellen des Turmgebäudes. Sie spiegeln die Bögen der Höhle und ergeben zusammen ein nahtloses architektonisches Raumerlebnis.

Signal-Licht für Hanoi

Was von außen betrachtet wie abgeschrägte, mehrstufige Kanten der einzelnen Gebäude wirkt, präsentiert sich im Inneren in Form terrassenförmiger Einheiten auf mehreren Ebenen. Diese verbinden die Vertikalität der Fassade mit der Horizontalität des Daches und bieten Begrünungsmöglichkeiten. Nachts hell erleuchtet werden sie zum visuellen Marker der Stadt.

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Das „älteste Familienmitglied“ – also der ursprüngliche Detech Tower, als Gründungsort des Unternehmens – wurde ins Design einbezogen. Die Fassade basiert auf Flusslinien, die sich auf allen vertikalen und horizontalen Flächen über das Gebäude bewegen. Sie bilden Höhlen, Täler, Gipfel und Dächer, während die Fassade beschattet wird. Als wichtiger Bestandteil der Gebäudetechnik sollen sie zugleich ein Zeichen für Nachhaltigkeit als architektonischen Ausdruck setzen.

LAVA holt Freiluft-Gefühl ins Indoor-Tal

Zwischen den zwei Teilen jedes Turms befindet sich ein „Tal“: Die Büroetagen auf beiden Seiten öffnen sich mit grünen Terrassen in ein helles, luftiges Atrium. Als Kontrapunkt zu den zweckmäßigen Innenräumen locken hier frische Luft und üppige Vegetation.Am Boden des Tals sorgen Cafés, gemütliche Bänke, Pflanzencontainer und Wasserspiele für erholsames Ambiente. Hier will das Konzept echtes Outdoor-Feeling schaffen – obwohl das Tal im Inneren des Komplexes liegt. Die Terrassen auf beiden Seiten verfügen über gläserne Balustraden, hängende Pflanzen und Palmen, die die Ränder überwachsen.

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Das Atrium-Tal soll zum spektakulären Besuchermagneten werden, der auch als wichtiger Luft-, Lärm- und Lichtfilter dient.Die grünen Hohlräume sind mehrstufige Breakout-Zonen innerhalb der Bürotürme. Sie wirken als grüner Puffer, als visuelle und tatsächliche Entlastung für die Benutzer der Büros. Wendeltreppen verbinden die Ebenen miteinander, sorgen für räumliche Vielfalt und ein Umfeld, das zur Kommunikation einlädt.

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LAVAs Konzept wurde bei den Sydney Design Awards 2019 mit Silber ausgezeichnet. Die Arbeiten am neuen Detech-Hauptsitz laufen.

Energieautarker Campus für Hamburg

Ein weiteres, interessantes Projekt des Architekturbüros soll bis 2023 fertiggestellt werden: Der energieautarke Campus „LIFE“ in Hamburg, für den in Kooperation mit dem Kollektiv Cityplot ein spektakuläres Design mit Holztragwerk und kontinuierlich verlaufenden Gartenlandschaften entwickelt wurde. Eines, das – wie der Detech-Hauptsitz in Hanoi und andere LAVA-Projekte – viel Wert auf Lebensqualität, Nachhaltigkeit und visionäre Ideen legt.

Text: Elisabeth Schneyder

Bilder: LAVA

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