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07/25/2022

Hochzeit, einmal anders

Auf Wolke Nummer 7 – auf ihr kann man in Tai’an wandeln, gleich neben dem Mond. In Hometown Moon steckt jede Menge Philosophie und Charme. Die Eventhalle lässt einen Raum und Zeit vergessen und romantisch werden.

Reist man mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Tai'an in China so sieht man gleich neben der Bahnstation den Mond und eine Art Wolke, auf der er zu schweben scheint. Es ist natürlich nicht der „richtige“ Mond, nicht der, den man am Himmel sieht.

Aber mit „Hometown Moon“ verfügt der chinesische Großraum in der Provinz Shandong über den Mond, der niemals untergeht und über eine Art Eventhalle zugleich, über einen Versammlungs- und Identifikationsort. Nicht zufällig wurde ihm der Name Hometown Moon gegeben, was wörtlich „Mond der Heimatstadt“ bedeutet.

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Die Eventhalle Hometown Moon ist Teil einer Kreativ-Kampagne der Verwaltung für das Stadtentwicklungsgebiet. Sie soll die Menschen dazu verführen, die Umgebung, das landschaftlich reizvolle Gebiet des Mount Tai und des „Jiunv Crest”, des Neun-Frauen-Hügels, zu erkunden. Und klarerweise auch die Eventhalle zu besuchen. Sie kann für vielerlei Veranstaltungen genutzt werden. Am meisten eignet sie sich natürlich für Hochzeiten.

Stadtentwicklungsgebiet Tai'an mit eigenem Mond

Anfang 2019 beauftragte die Shandong Lushang Group Syn Architects mit der Gesamtplanung und Gestaltung des Berggebiets, seiner Dörfer und des repräsentativen Projekts Hometown Moon. Binnen kürzester Zeit schlug die Fantasie aller mit dem Stadtentwicklungsgebiet befassten Personen Kapriolen – eine wahre „Hometown Cloud”-Gedankenwelt entstand.

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Europäern dürfte freilich wenig bekannt sein, dass es in China ein sehr bekanntes Lied von Fei Xiang, Hometown Clouds, gibt. Das romantische Lied aus den 80er Jahren inspirierte zusätzlich und schuf von Anfang an einen romantisch-nostalgischen Grundton. Und es wurde nach Fertigstellung auch wiederholt im Gebäude gespielt.

Eventhalle Hometown Moon als neue Attraktion

Eine Reihe von verstreuten Bauwerken reicht freilich nicht aus, um die Entwicklung einer Region zu fördern. Und so arbeitet die Lushang-Gruppe daran, einen langfristigen, ganzheitlichen Masterplan umzusetzen, der die Bergdörfer in dem 55 Quadratkilometer großen Gebiet miteinander verbinden soll. Der Ansatz umfasst die harmonische Gestaltung industrieller und räumlicher Strukturen. Plus eben die Schaffung neuer Attraktionen für die Bevölkerung.

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Syn Architects verfügt nach eigenen Angaben über jahrelange praktische Erfahrung in ländlichen Gebieten. In Tai'an hat das Architekturbüro neben Hometown Moon auch das Balou-Theater realisiert. Ganz im Sinne des Konfuzianismus will man dazu beitragen, die Dualität zwischen Stadt und Land, moderner Gesellschaft und Nostalgie, zwischen (vergessenen) Werten und (vernachlässigten) Möglichkeiten zu verkleinern, wenn nicht aufzuheben.

Hometown Moon: Der Mond, der niemals untergeht

Gemäß dieser Philosophie fungiert das Gebäude als Zeremoniensaal, der spirituelle und pragmatische Werte gleichzeitig vermittelt und zudem die kulturellen Möglichkeiten des Orts stärkt. Leitender Architekt bei Syn Architects ist Zou Yingxi, der mit dem Objekt auch seine eigene Sehnsucht nach einem Mond, der niemals untergeht, verwirklicht hat.

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In einem alten Gedicht aus der Song-Dynastie heißt es: „Die Wolken und der Mond bleiben gleich, aber Berge und Flüsse verändern sich im Laufe der Zeit.” In Anlehnung daran wollte Yingxi zeigen, dass auch „moderne Katalysatoren” in der Lage seien, Nostalgie zu wecken, unabhängig vom Ort.

Architektonische Liebeserklärung an den Mond

Das „architektonische Gedicht über den Mond” müsse sich daher nicht auf das natürliche Vorbild beziehen. Und so kombinierte Syn Architects abstrakte geometrische Formen und einfache Materialien, um einen „reinen Raum mit komplexen Bildern” zu schaffen, der sowohl die Seele anspricht als auch traditionelle figurative Ausdrucksformen hinter sich lässt.

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Zu Beginn aller Überlegungen stand natürlich die Wahl des Standorts. Yingxi begab sich auf die Suche nach einem Standort, der „in einen erfüllenden Dialog mit der natürlichen Kulisse des ,Nine Women's Peak`' tritt”.

Aussichtspunkt und Ausgangspunkt

Die Lage am Rande eines Gebirgsbachs schien umso mehr geeignet. Auf diese Weise wird Hometown Cloud einerseits zum Aussichtspunkt, andererseits zum Ausgangspunkt, zum Beispiel für kleine Wanderungen.

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Vom Gipfel des Berges aus betrachtet, stellen der Heimatmond und der Mond am Himmel einen Dialog zwischen künstlichen und natürlichen Symbolen her. Hometown Moon fügt sich in die Umgebung ein und bewahrt die ästhetische Integrität des Tals. Auf dem Weg nach unten löst sich der Dialog auf, bis das künstliche Wunder das gesamte Blickfeld einnimmt.

Der Mond im Dialog mit dem Mond

Um von der „modernen Zivilisation” zum Hometown Moon zu gelangen, muss man vom Parkplatz aus einen „reinigenden Weg“ antreten – fünf bis zehn Minuten Fußweg zwischen Hügeln und Bächen. Der Eingang schließlich liegt hinter einem Felsbrocken. Hier verstummt der Lärm der Stadt vollends, um Vogelgezwitscher, Insektengebrumm, raschelndem Laub und gurgelnden Bächen zu weichen.

Die natürliche Landschaft ist der Ausgangspunkt von Hometown Moon. In der Tat ist die Natur der Katalysator, der die Phantasie der Architekten anregt. Sie sorgt dafür, dass die architektonische Lösung vernünftig ist, die Ziele erreicht und die räumlichen und funktionalen Anforderungen erfüllt werden und dabei die Natur maximal integriert wird.

Zou Yingxi, leitender Architekt bei Syn Architects

Der gewundene Weg steigert die Neugier der Besucher. Die auf dem Weg zum Gebäude erfahrene Natur findet sich im Hometown Moon wieder. Schließlich ergibt sich der optische Effekt eines Vollmondes – auch in der Halle unten.

Wie oben so unten

Dies sei ähnlich wie bei einer buddhistischen Meditation, heißt es. In Europa findet sich die Entsprechung am ehesten in der Homöopathie (Stichwort „wie oben, so unten“). In der Nähe finden die Besucher zudem Spielplätze, Hütten und Lagerfeuerplätze.

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Durch Holzbrücken auf dem Dach des Gebäudes können die Besucher zudem den „Mond” am spiegelnden Teich betrachten, ganz ohne das Gebäude zu betreten. Findet im Raum eine Zeremonie statt, kann die Tür auf dem Dach geschlossen werden, um Störungen gänzlich zu vermeiden.

Vollmond: Dank Reflexion auf dem Wasser

In Summe nimmt das Gebäude mehr als 1.000 Quadratmeter ein. Es besteht aus dem (Halb-)Mond, der Plattform und dem „grauen Raum” darunter. Vorgabe für den Bau war, dass die Höhe moderat bleiben muss und das Gebäude die dahinter liegenden Berge nicht verdecken darf.

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Gemeinsam mit der Reflexion auf dem Wasser davor bildet der Halbmond einen Vollmond. Auch im Gebäude unten ist ein Halbmond derselben Größe wie oben sichtbar. Die dafür nötige Raumhöhe sei so zugleich auch die „angemessene Höhe” für die Durchführung von Zeremonien.

Bei der Tiefe des Dachteichs musste die Wasserverdunstungsrate berücksichtigt werden. Ein 0,5 Meter tiefes Wasserreservoir und eine Zwischenschicht sorgen dafür, dass die Verdunstung reduziert wird. Der Zeremonienraum sollte zudem stützenfrei bleiben. Und damit Form und Gestalt des Vollmondes nachvollzogen werden konnten, durfte die Dicke der Balken ein gewisses Maß nicht überschreiten.

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Ein Überlauf sichert das Gelände vor Naturkatastrophen ab. Die felsigen und moosbewachsenen Wände des Berges als natürliche Begrenzung des Projekts blieben außerdem unangetastet. Man kann Yingxi durchaus unterstellen, auf diese Weise auch auf eine weitere Dualität, den Kampf zwischen Mensch und Natur, hinweisen zu wollen.

„Highend-Liebeserklärungen”

Vor allem für Hochzeitszeremonien wird die Eventhalle Hometown Moon gerne gebucht. Damit lasse sich an Traditionen aus der „guten, alten Zeit” anknüpfen, etwa an das Konzept der Hochzeitsbankette in Jinan und Tai'an.

Jede Architektur hat zwei Schicksale: zerstört oder geschützt zu werden. Ich freue mich, eine Architektur zu schaffen, die sich gegen den Verfall sträubt. Daher strebe ich danach, meiner Architektur eine tiefere Bedeutung zu verleihen und mehr emotionale Bindungen für ihre Nutzer zu schaffen. Ich hoffe, dass der Mond zu dieser Art von Architektur werden kann.

Zou Yingxi, leitender Architekt bei Syn Architects

So soll Hometown Moon ein „emotionaler Ort sein, an dem sich das Glück ereignet” – zumal Mond und Liebe eng miteinander verwobene Symbole seien. Alte chinesische Gedichte besingen die Liebe in Form von sich windenden Blumen unter verschneitem Mondlicht. Der japanische Schriftsteller Natsume Sōseki übersetzte „Ich liebe dich” sogar mit „der Mond ist heute Nacht so schön”.

Der Mond als emotionaler Resonanzraum

Die Einzigartigkeit der Liebe, des Ja-Worts, zeige sich auch in den Materialien: Anmutige Felsplatten, Steinobjekte (alles aus der Umgebung) und glatter grauer Beton bedecken die Wände und Böden des Gebäudes. Auf dem Dach sorgt die Verwendung von hochtransparentem, ultraklarem Glas dafür, dass das Sonnenlicht ungehindert eindringen und den Raum erhellen kann.

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Die gekrümmte Wand des Mondes bilde zudem einen natürlichen emotionalen Resonanzraum, der das Versprechen der Liebenden verstärke und ihr Gelübde in die Welt trage.

Weiters nehme der Mond von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung durch den Wechsel des Lichts verschiedene Formen an, die an unterschiedliche Gemütszustände erinnerten. Abgesehen vom Mond gibt es im Inneren des Raumes kaum Dekoration, nicht einmal künstliches Licht.

Halbmond-Harmonie

Der Zeremoniensaal teilt einen Vollmond in zwei Hälften. Die Reflexion macht ihn wieder ganz. Sinnbildlich kann man darunter auch die ewige Suche nach der anderen Hälfte verstehen – so wie Yin und Yang, wobei das Yang-Prinzip der oberen Seite der Halle entspricht und das Yin-Prinzip, der dunklen, kühlen, unteren Seite.

So fänden sich im Gebäude alle zentralen Ideen des Buddhismus wieder, Harmonie, Dauerhaftigkeit, Vollständigkeit und Unendlichkeit, sowie das Konzept der Leere aus dem Taoismus und das kulturelle Erbe des Konfuzianismus.

„Unbeschreibliche Räume”

Yingxi zitiert auch Le Corbusier, der stets auf der Suche nach dem „espace indicible“ war – Gebäude als unbeschreibliche Räume, „ein Ort, an dem allein die Erfahrung zählt, dort zu sein”. Nach der Fertigstellung des Gebäudes wird der Dialog mit Nutzern und mit der Natur zeigen, wie sich alles im Laufe der Zeit verändert und mit dem Wachstum der Bäume weiter mit der natürlichen Umgebung verschmilzt.

Text: Linda Benkö Fotos: Zheng Yan / Syn Architects

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